Schwierige Zeiten für Banken & Co.

Veröffentlichung: 20.06.2016, 10:06 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Der Präsident der Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, sieht die deutsche Bankenbranche in einer existenziellen Krise. Angesichts der ultraniedrigen Zinsen funktioniere das Geschäftsmodell vieler Privatbanken nicht mehr, sagte Hufeld im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital'. Im ‚Tagesspiegel‘ äußerte er sich auch zur Zukunft der Lebensversicherung.

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"Die Banken werden ihre Geschäftsmodelle in Gänze überdenken müssen", sagte Hufeld. Viele Großbanken müssten ihre Angebote für Kunden deutlich reduzieren, wenn sie nicht auf breiter Front Verluste machen wollten.

"Es geht einfach nicht mehr, dass jeder alles anbietet. Wenn das Fett durch einfaches Kostensparen weg ist, kommt der Muskel."

Zudem müssten Banken sich neue Erlösquellen suchen, um weiterhin Gewinne machen zu können, etwa durch höhere Gebühren. "Klar ist: Die hohe Abhängigkeit der Privatkunden-Banken vom Zinsergebnis wird dann nicht mehr funktionieren." Gegenüber dem Tagesspiegel äußerte sich Hufeld:

„Die Folgen der niedrigen Zinsen fressen sich wie ein schleichendes Gift auch in die Bankbilanzen hinein. Das passiert langsam und ist deshalb umso gefährlicher.“

Zugleich unterstrich er die Bereitschaft, insolvente Banken künftig auch abzuwickeln. "Zusammen mit den nationalen Behörden werden weitreichende Abwicklungspläne erstellt. Und wir werden zweifellos erleben, dass diese Instrumente auch eingesetzt werden", antwortete Hufeld auf die Frage, ob man heute eher als in der Finanzkrise 2008 bereit wäre, Großbanken zu schließen.

Manndeckung für Pensionskassen und Lebensversicherer

Sowohl bei den Pensionskassen als auch den Lebensversicherungen stehe eine zweistellige Zahl unter besonderer Aursicht. Dabei seien gerade die Pensionskassen einem erheblichen Mehrfachdruck ausgesetzt, so Hufeld gegenüber dem Tagesspiegel. Die schlimmste Folge: Betriebsrentner bekommen weniger Rente, die moderateste: unrealistische Gewinnerwartungen reduzieren.

Komplizierte Riester-Produkte

„Eine pauschale Verdammung von Riester ist völlig unangebracht und nicht zu begründen. Man kann natürlich Dinge verbessern. Die Riester-Produkte sind sehr kompliziert, aber im Kern ist der Gedanke einer staatlich geförderten privaten Altersvorsorge richtig, und Riester hat sich insoweit bewährt.“, verteidigt Hufeld die staatlich geförderte Rente. Zu der Gefahr einer neuen Bankenkrise sagt Die Banken müssten ihr Geschäftsmodell überdenken.

Bild: © gatanos / fotolia.com

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