Private Vorsorge: nein danke!

Veröffentlichung: 11.05.2016, 07:05 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Der AXA Deutschland-Report 2016 zeigt, wie drastisch sich das Vorsorgeverhalten der erwerbstätigen Deutschen durch die Niedrigzinsphase ändert. Die Mehrheit der Berufstätigen will die private Vorsorge nicht mehr ausbauen und setzt lieber auf Immobilien. Gleichzeitig steigt die Angst vor Altersarmut.

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Erwerbstätige, die trotz Niedrigzinsen weiter privat fürs Alter vorsorgen wollen, sind in Deutschland in der Minderheit: 55 Prozent der Bundesbürger, die im Berufsleben stehen, sind zu der Einschätzung gelangt, dass weitere Anlagen nicht lohnen. Und unter denen, die noch nicht aufgegeben haben, kommt es zu einer stark einseitigen Fokussierung: Es gibt einen regelrechten „Run“ auf Immobilien zur Eigennutzung und Vermietung, um damit das persönliche Auskommen im Alter zu sichern. In Berlin plant aktuell etwa schon mehr als jeder vierte Berufstätige (27 Prozent) den Erwerb eines Eigenheims. Derweil steigt die Sorge vor Verarmung im Alter, insbesondere in Ostdeutschland, wo mehr als jeder dritte Erwerbstätige das bereits erklärt.

Dies sind Kernergebnisse des neuen AXA Deutschland-Report zu Ruhestandsplanung und -management, der repräsentativ in allen 16 Bundesländern die Einstellungen und Verhaltensweisen von Berufstätigen und Ruheständlern erfasst. Dr. Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands der AXA Konzern AG:

„Die anhaltenden Niedrigzinsen lassen die Sparbereitschaft der Erwerbstätigen erlahmen. Doch für einen auskömmlichen Ruhestand müssen sie heute privat etwas für morgen zur Seite legen. Die einseitige Fokussierung auf Immobilien zur Altersvorsorge birgt allerdings Risiken."

So könne es passieren, dass hierdurch zu viel auf nur eine Karte gesetzt wird, statt Anlagen zu streuen. Überdies seien auch Nebenkosten, Instandhaltungen sowie eine eventuell teurere Anschlussfinanzierung immer mit zu kalkulieren.

Vermietete Immobilien sind gefragter als jede Finanzanlage

Sinkende Erträge für Zinsanlagen - geringere Belastungen bei Krediten: Diese seit Jahren anhaltende Situation hinterlässt im Vorsorgeverhalten jetzt deutliche Spuren. Nur jeder zehnte Berufstätige will zur Altersvorsorge jeweils auf Spareinlagen, private Renten- sowie Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersversorgung setzen. Fast jeder fünfte Erwerbstätige (18 Prozent) plant dagegen den Erwerb eines Eigenheims. Und schon jeder sechste (16 Prozent) will in eine Immobilie zur Vermietung investieren. Gegenüber heute könnte das rechnerisch fast eine Verdreifachung der Anzahl privater Vermieter bedeuten.

Wachsende Angst vor Altersarmut

Für mehr als drei Viertel der Erwerbstätigen gehört eine finanzielle Absicherung im Ruhestand zu den drei wichtigsten Lebenszielen. Fast sechs von zehn Erwerbstätigen (57 Prozent) berichten aber, dass ihnen heute das Thema Altersvorsorge mehr Angst macht als früher. Jeder dritte Erwerbstätige (32 Prozent) erklärt sogar, dass er sich persönlich vor Verarmung im Alter fürchtet.

In fünf Ländern (Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachen, NRW) betrachtet dennoch eine relative Mehrheit der Berufstätigen die eigene bisherige Altersvorsorge als ausreichend. Vor allem in Ostdeutschland (ohne Berlin) berichten hingegen die meisten von einer nicht ausreichenden eigenen Vorsorge. Berufstätige im Osten haben zudem auch seltener eine betriebliche Altersversorgung als im Westen.

Eine neue Rentner-Generation zeigt sich: Besorgt - aber glücklich

Interessante Ähnlichkeiten enthüllt der AXA Deutschland-Report beim Vergleich der Einstellungen und Meinungen von Erwerbstätigen und Ruheständlern. Sowohl drei Viertel der Berufstätigen als auch der Rentner und Pensionäre sagen voraus, dass die nächste Rentnergeneration finanziell schlechter da stehen wird als die heutige. Als größte Freude im Ruhestand erwarten die Berufstätigen zudem genau das, was Ruheständler als ihre größte Freude tatsächlich nennen: "Machen zu können, was ich will" (Ruheständler 64 Prozent, Erwerbstätige 55 Prozent) und "Viel Zeit zu haben" (Erwerbstätige 60 Prozent, Ruheständler 56 Prozent).

Auch bei den größten Sorgen im Hinblick auf das Ende des Berufslebens stimmen beide Befragungsgruppen überein. Sowohl für Erwerbstätige als auch für Ruheständler sind es die Angst vor Erkrankungen (beide 59 Prozent) sowie Rentenkürzungen durch eine sinkende Finanzkraft des Staates (Erwerbstätige 34 Prozent, Ruheständler 36 Prozent). Patrick Dahmen:

„Der AXA Deutschland-Report 2016 offenbart eine neue Rentner-Generation. Die Notwendigkeit eigenverantwortlicher Altersvorsorge und die Grenzen staatlicher Vorsorgesysteme sind hier bekannt. Die heutigen Ruheständler erscheinen deshalb den Erwerbstätigen insgesamt sehr ähnlich."

In einem bleibt aber ein Unterschied: Nicht einmal jeder elfte Berufstätige erwartet im Ruhestand eine insgesamt verbesserte Lebensqualität. Davon berichtet aber jeder vierte heutige Ruheständler.

Große regionale Unterschiede - in Hamburg sind die meisten glücklich

Mit 87 Prozent hat Hamburg den größten Anteil unter Erwerbstätigen, die sich selbst als sehr oder eher glücklich bezeichnen. Schlusslicht bei dieser Frage ist im Länder-Vergleich Baden-Württemberg (75 Prozent). Der Anteil der nicht glücklichen Berufstätigen ist hier fast doppelt so hoch wie in der Hansestadt. Jeder siebte Erwerbstätige in Hamburg gibt zudem an, „keine Sorgen beim Blick auf den Ruhestand" zu haben. Das kann in Mecklenburg-Vorpommern wiederum nur einer von 50 Berufstätigen sagen. Dieses Bundesland hat auch den höchsten Anteil unglücklicher Rentner (36 Prozent). Im benachbarten Schleswig-Holstein dagegen sind die wenigsten unglücklich, der Anteil ist hier nicht einmal halb so hoch (15 Prozent).

Insgesamt berichten Ruheständler in Ostdeutschland deutlich häufiger als im Westen, dass ihre Angst beim Thema Altersvorsorge gewachsen ist. Aber: Unter Erwerbstätigen gilt dieser Ost-West-Unterschied nicht. Die Berufstätigen in Ostdeutschland zweifeln jedoch häufiger am Sinn privater Altersvorsorge als im Westen. Den bundesweiten Spitzenwert erreicht dabei Berlin, wo 62 Prozent der Berufstätigen den Sinn privater Altersvorsorge in Frage stellen (Bundesschnitt 47 Prozent). Den Verlust der Stabilität Deutschlands fürchten schließlich die meisten Ruheständler in Thüringen (45 Prozent) und Bayern (43 Prozent). Beide Bundesländer liegen damit klar über dem Bundesschnitt von 34 Prozent.

Bild: © Eisenhans / fotolia.com

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