Auch Franke und Bornberg sieht Schwachstellen bei GDV-BU-Statistik

Veröffentlichung: 12.01.2016, 10:01 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Franke und Bornberg hat es begrüßt, dass der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Zahlen zur BU-Regulierungspraxis vorgelegt hat. Gleichzeitig kritisiert die Ratingagentur die vorgelegten Daten. Mitunter fehle es an Kontrollmöglichkeiten.

(PDF)
MannInEinmachGlas-94747916-FO-ra2-studioMannInEinmachGlas-94747916-FO-ra2-studio

Erstmals hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Zahlen zur BU-Regulierungspraxis vorgelegt. Das sei ein guter und wichtiger Schritt zu mehr Transparenz, so Franke und Bornberg. Allerdings gebe es das grundlegende Problem, dass die GDV-Zahlen nicht verifiziert werden könnten. Nach Angaben des GDV beruhen die Daten ausschließlich auf Angaben der befragten Unternehmen. Eine externe Prüfung sei somit nicht möglich. „Damit jedoch steht und fällt die Aussagekraft und vor allem die Akzeptanz für die erhobenen Werte“, heißt es in einer Mitteilung von Franke und Bornberg. „In den bisherigen Veröffentlichungen und Kommentaren wurden ausschließlich verdichtete Zahlen genannt. Weder konkrete Antworten noch die zugrunde liegenden Fragen sind bekannt. Das lässt viele Fragen offen“, heißt es weiter.

Leistungsquote – mit oder ohne

Zudem liege die vom GDV genannte Leistungsquote von 77 Prozent deutlich über den Werten, die Franke und Bornberg ermittelt habe. Bezogen auf alle Anträge die Werte des Analysehauses für 2014 bei knapp 65 Prozent gelegen. Erst wenn die Fälle von zurückgezogenen Anträgen oder verletzter Mitwirkung abgezogen würden, erreiche die selbst ermittelte Quote fast 75 Prozent und damit annähernd den GDV-Wert.

Viele Kunden würden ihren Anspruch nicht weiter verfolgen und den Fragebogen nicht ausgefüllt zurücksenden. Der GDV weise nicht aus, wie er mit diesen Fällen umgehe, so Franke und Bornberg. „Berücksichtigt die Quote alle Leistungsanträge, oder nur jene, bei denen alle für die Entscheidung erforderlichen Angaben vorlagen? Die Differenz ist beträchtlich. Nach unseren Erfahrungen werden Vorgänge, die nicht zur Entscheidung kommen, in den Statistiken der Versicherer unterschiedlich geführt. Allein dadurch kann es bei der Leistungsquote zu Abweichungen im zweistelligen Prozentbereich kommen. Hier sind klare Aussagen gefragt“, mahnt die Ratingagentur.

Gutachten rückläufig

Wie der GDV mitteilt, beauftragten die Versicherer nur bei knapp sechs Prozent aller Leistungsfälle ein Gutachten. Franke und Bornberg betont, damit sei keine Aussage über Qualität und Zeitverhalten bei der Leistungsregulierung verbunden. „Wir stellen seit Jahren eine rückläufige Entwicklung bei externen Gutachten fest. Eine mögliche Ursache ist, dass Versicherer insbesondere für psychologische Gutachten verstärkt Kompetenz im eigenen Haus aufbauen. Es werden somit quasi interne Gutachten erstellt. Gutachten sind oft nicht zu vermeiden, da längst nicht alle Fälle eindeutig sind. Ein Gutachten ist somit kein Malus, sondern oft der einzige Weg, eine klare Entscheidungsgrundlage zu schaffen“, heißt es von F&B.

Ab wann die Uhr tickt

Laut GDV vergehen zwischen Vorliegen aller entscheidungsrelevanten Unterlagen und der Leistungsentscheidung knapp 13 Kalendertage. Diese Zahl sei nicht relevant, so Franke & Bornberg, da keine Rückschlüsse auf die gesamte Regulierungsdauer möglich seien. Gerade Verschleppungspraktiken, also das bewusste Hinauszögern der Leistungsentscheidung, fänden durch Anforderungen immer weiterer Unterlagen statt. Vor den genannten 13 Tagen könnten mehrere Monate Prüfungsdauer liegen, in denen Unterlagen zusammengestellt und ärztliche Einschätzungen getroffen werden. „Der GDV geht hier selektiv vor. Seine Zeitrechnung beginnt erst, wenn sämtliche zur Leistungsprüfung erforderlichen Informationen vorliegen. Eine solche Messgröße ich nicht geeignet, um die Kundenorientierung einzelner Anbieter zu messen“, so die Ratingagentur. Dafür tauge nur die durchschnittliche Gesamt-Regulierungsdauer. Versicherer seien durchaus in der Lage, Abläufe zu beschleunigen und die Zeit bis zum Vorliegen aller relevanten Unterlagen abzukürzen.

Der GDV sei also gut beraten, sich offensiv mit der Gesamtdauer der Leistungsprüfung zu beschäftigen, heißt es weiter. Diese betrug nach den aktuellen Erkenntnissen von Franke und Bornberg im Jahr 2014 im Durchschnitt 196 Tage, wobei Anerkennungen nach durchschnittlich 179 und Ablehnungen nach 201 Tagen ausgesprochen werden. „Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um Werte, die durch bewusste Verzögerung der Entscheidung entstehen. Gerade die hohe Anzahl von psychischen Erkrankungen als Leistungsauslöser bringt durch eine komplexe medizinische Beurteilung bei gleichzeitiger Knappheit von Ressourcen bei medizinischen Spezialisten eine Verlängerung von durchschnittlichen Bearbeitungsdauern mit sich“.

Die tatsächliche Regulierungsdauer solle daher nicht verschwiegen werden, denn die Zahl von 13 Tagen könne nur zu falschen Schlussfolgerungen und in der Folge zu enttäuschten Erwartungen und Verärgerung führen, so Franke und Bornberg.

Bild: © ra2 studio / fotolia.com

Themen:
(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Hagel im Nordwesten Deutschlands. Die Hagelsaison beginnt. (Symbolbild)Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Hagel im Nordwesten Deutschlands. Die Hagelsaison beginnt. (Symbolbild)DerTobiSturmjagd / pixabay
Assekuranz

Hagelsaison startet: DWD warnt vor Unwettern – Versicherer blicken mit Sorge auf den Sommer

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor kräftigen Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und großem Hagel. Damit beginnt eine Jahreszeit, die für Versicherer regelmäßig hohe Schäden verursacht. Zwar fiel die Hagelbilanz 2025 vergleichsweise moderat aus, doch Experten sehen angesichts steigender Temperaturen weiterhin ein hohes Risiko.
Vorstandsvorsitzender der ARAG SE: Dr. Renko DirksenVorstandsvorsitzender der ARAG SE: Dr. Renko DirksenARAG SE
Unternehmen

ARAG überschreitet Drei-Milliarden-Marke fünf Jahre früher als geplant

Die ARAG hat im Geschäftsjahr 2025 ihre Beitragseinnahmen erneut deutlich gesteigert und erstmals die Marke von drei Milliarden Euro überschritten. Wachstumstreiber bleiben vor allem die Kranken- und Rechtsschutzversicherung. Auch im ersten Quartal 2026 setzt der Konzern seinen Expansionskurs fort.
Leitete die Tarifverhandlungen: Dr. Andreas Eurich, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und Vorstandsvorsitzender der BarmeniaGothaer VersicherungenLeitete die Tarifverhandlungen: Dr. Andreas Eurich, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und Vorstandsvorsitzender der BarmeniaGothaer VersicherungenFrank van Groen / BarmeniaGothaer
Assekuranz

Tarifabschluss im Außendienst: Nullmonate bremsen, Erhöhungen kommen später

Neue Vergütungsregeln für rund 30.000 Beschäftigte im Versicherungsaußendienst. Der Abschluss kombiniert verzögerte Erhöhungen mit strukturellen Anpassungen.
Aleksander Rejman, Senior Director bei WTW im Geschäftsbereich Insurance Consulting and Technology (ICT)Aleksander Rejman, Senior Director bei WTW im Geschäftsbereich Insurance Consulting and Technology (ICT)WTW
Assekuranz

Solvency II: Kapitalpolster der Lebensversicherer wächst sprunghaft

Die Solvenzquoten deutscher Lebensversicherer steigen deutlich stärker als erwartet – doch der Zugewinn an Stabilität eröffnet nur begrenzt neue Spielräume. Hinter dem Sprung stehen vor allem sinkende Kapitalanforderungen. Gleichzeitig bremsen stille Lasten strategische Optionen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht