Rentenperspektive Deutschland 2040

Veröffentlichung: 16.11.2015, 12:11 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Renten in Deutschland sollen auch in den kommenden 25 Jahren real steigen. Allerdings werden sie nicht mit der Lohnentwicklung schritthalten können. Die Altersbezüge 2040 werden demnach, gemessen an den vorherigen Einkommen, deutlich niedriger ausfallen als heute. Besonders hohe Renten werden vor allem in Süddeutschland gezahlt. Dagegen wird erwartet, dass in den nächsten 25 Jahren die heute im Durchschnitt höheren Rentenansprüche in Ostdeutschland gegenüber den Rentenzahlbeträgen im Westen zurückfallen.

(PDF)
SeniorinZweifelnd-74258362-FO-pavelkubarkovSeniorinZweifelnd-74258362-FO-pavelkubarkovBild:  © pavelkubarkov

Entscheidend ist aber nicht nur die Rentenhöhe, sondern auch die Kaufkraft und was sich Rentner dafür leisten können. Hier gibt es regional deutlich unterschiedliche Rentenhöhen,die zum Teil durch die Rentenkaufkraft ausgeglichen oder sogar überkompensiert werden, so lauten die wesentlichen Ergebnisse der Studie „Rentenperspektiven 2040 – Niveau und regionale Kaufkraft der gesetzlichen Rente für typisierte Berufe“, die von der Prognos AG im Auftrag der Versicherungswirtschaft durchgeführt wurde.

Modell „Eckrentner“ bildet Lebenswirklichkeit nicht ab

Berechnet wurde – aufgeschlüsselt nach bestimmten Berufsgruppen und allen 402 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten – die individuelle Versorgung im Alter aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Dieser umfassende Überblick über die Entwicklung der Renten in Deutschland in den Jahren von 2014 bis 2040 zeigt ganz deutlich: Das Modell „Eckrentner“ – 45 oder künftig 47 Jahre mit gleichbleibendem durchschnittlichen Einkommen – reicht nicht aus, um die Lebenswirklichkeit der Rentner heute und in 25 Jahren abzubilden. Weitere Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Erwerbstätigen und Kaufkraftentwicklung sowie die Gewichtung nach Regionen und typischen Erwerbsbiografien sind nötig, um ein realistisches Bild zu zeichnen.

Ausgeprägtes Ost-West-Gefälle

Der Wohnsitz des Rentners ist maßgeblich ausschlaggebend dafür wie hoch die Rente tatsächlich ausfällt und wie viel sie wert ist. Derzeit liegen die „Rentnerparadiese“ eher im Osten des Landes; die Rentenkaufkraft dort ist nicht nur höher, sondern auch gleichmäßiger verteilt. Begründet wird dies dadruch, dass dort zu DDR Zeiten mehr Frauen berufstätig waren. Für die Berechnung der Kaufkraft wurde ein für Rentner typischer Warenkorb zugrunde gelegt, mit höheren Ausgaben, ür Wohnen und Gesundheit.

Die Prognose sagt aber auch ,, dass im Jahr 2040 Rentner dagegen in Bayern nahe der tschechischen Grenze überdurchschnittlich gut leben könnten, weil die Region wirtschaftlich wächst und gleichzeitig niedrige Lebenshaltungskosten bietet. Beispielsweise hat dann ein Installateur aus Hof eine um 50 Prozent höhere Rentenkaufkraft als sein Kollege aus München. In der vergleichsweise teuren Landeshauptstadt ist der Renteneuro künftig knapp ein Viertel weniger wert als im Bundesdurchschnitt.

Berufswahl entscheidet über künftige Rentenhöhe

Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer konstatiert vor diesem Hintergrund: „Die Rentenperspektiven müssen individuell betrachtet werden.“ Der Eckrentner habe hier keine Aussagekraft, gerade mit Blick auf die großen regionalen Unterschiede. „Erst die Rentenkaufkraft gibt Aufschluss darüber, welchen Beitrag die gesetzliche Rente in 25 Jahren zur Alterssicherung für den einzelnen Rentner leistet“, sagte Böhmer. Eine weitere Erkenntnis der Studie lautet: Berufswahl und Einkommensperspektiven entscheiden über die künftige Höhe der Rente. Je länger gearbeitet und je mehr verdient wird, desto höher fällt die gesetzliche Rente aus. Gleichzeitig führen Erwerbsunterbrechungen, zum Beispiel für die Erziehung von Kindern, tendenziell zu niedrigeren Alterseinkommen.

Durchgehende Erwerbsbiografien bieten beste Voraussetzungen für ein gutes Vorsorge Fundament durch die gesetzliche Rentenversicherung lautet ein Fazit, das Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zieht. „Aber die Politik sollte den Leuten reinen Wein einschenken, was sie aus dem staatlichen System erwarten können, und attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen für die betriebliche und private Vorsorge schaffen.“

(PDF)

LESEN SIE AUCH

3D Illustration Fahrzeug Sensoren3D Illustration Fahrzeug Sensorenfotomek – stock.adobe.com
Assekuranz

Assis­tenz­sys­teme: Sichereres Auto­fah­ren, aber wenig ver­brei­tet

Immer mehr Autos verfügen etwa über Spurwechselassistenten oder Einparkhilfen. Die Technik führt zu weniger Schäden. Die Entschädigungsleistungen sinken jedoch nicht in gleichem Maße, wie eine GDV-Studie zeigt. Und das hat viele Gründe.
Low Section View Of An Injured Person's LegLow Section View Of An Injured Person's LegAndrey Popov – fotolia.com
Assekuranz

Franke und Bornberg Rating: BU-Leistungen in Bestform

Viele Berufsunfähigkeitstarife sind leistungsstark wie nie. Aber sind sie auch stabil? Diese Frage hat Franke und Bornberg für das neue BU-Rating untersucht.
Mann-besorgt-329652045-AS-pikselstockMann-besorgt-329652045-AS-pikselstockpikselstock – stock.adobe.com
Assekuranz

Trotz Sorgen um Alters­vor­sorge: Jeder Fünfte küm­mert sich nicht

Die finanzielle Absicherung im Alter macht der Mehrheit der Deutschen Sorgen. Gleichzeitig können viele gar nicht abschätzen, ob ihre Rente reichen wird, wie eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des GDV ergab.
Anzugtraeger-verwirrt-203841346-AS-peshkovAnzugtraeger-verwirrt-203841346-AS-peshkov(1) peshkov – stock.adobe.com (2) Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK)
Assekuranz

Altersvorsorge ohne Beratung: Keine Option für den BVK

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Reform der Riester-Rente verwundern den Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) Statements des GDV, wonach digital vertriebene Standardprodukte eine Lösung sein könnten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht