Eigenverantwortlich privat vorsorgen
Um die Zukunft der Pflege tragfähig zu gestalten, muss man neue Versorgungsformen und -angebote entwickeln. Darin waren sich Fachleute aus Pflegepraxis, Politik, Medizin, Recht und Pflegeversicherung auf dem zweiten Pflege-Symposium der Versicherungskammer Bayern einig. Unter dem Motto „Pflege braucht Vielfalt“ diskutierten sie in München über die Gegenwart und die Zukunft der Pflege.
Pressekonferenz auf dem Pflegesymposium der Versicherungskammer Bayern. V.l.n.r.: Dr. Harald Benzing, Axel Listle und Wolfgang ZöllerVertreter von Wissenschaft, Wirtschaft, sozialen Einrichtungen und Institutionen, Kommunen, Ministerien und Medien waren geladen, um auf den aktuellsten Stand zum Thema Pflege gebracht zu werden. Das Pflegestärkungsgesetz II ist beschlossene Sache - die neuen Pflegegrade gelten ab Januar 2017 - und wurde von Wolfgang Zöller, dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Expertenkommission zur Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, umfassend erläutert. Es bringt eine Verbesserung der Einstufung, die bereits 2016 sukzessive umgesetzt wird, und vor allem die Anerkennung der Demenz als pflegewürdige Beeinträchtigung mit sich. Damit ist die Politik aber lediglich auf dem Status Quo angekommen - die grundlegenden Probleme in der Pflege bleiben.
Die Pflegesituation wird sich weiter verschärfen
Dr. Harald Benzing, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern„Oft wissen die Angehörigen nicht, was auf sie zukommt, wenn dem Pflegebedürftigen die finanziellen Mittel für die Pflege fehlen“, sagt Dr. Harald Benzing, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern. Überraschend sei auch: „Heute ist ein Fünftel der Pflegebedürftigen jünger als 60 Jahre. Und je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, im Alter pflegebedürftig zu werden. Auch werde man bei einem Pflegefall in der Familie mit vielen Fragen konfrontiert, auf die man dann schnell eine Antwort benötigt.
Die gesetzliche Pflegeversicherung sei nur als eine „Teil-Kasko“ konzipiert. Das heißt, sie zahlt weniger als die Hälfte der Kosten für die Pflege. „Der Betroffene muss damit den größeren Anteil aus der eigenen Tasche bezahlen. So hohe Summen können viele Pflegebedürftige nicht aufbringen“, sagt Dr. Benzing. „Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg aus dieser Kostenfalle: eigenverantwortlich privat vorsorgen. Deshalb wurde die staatlich geförderte Pflegeversicherung eingeführt. Eine Eigenvorsorge ist auf jeden Fall erforderlich.“
Wichtig für die Zukunft der Pflege sei zudem, Betreuungs- und Pflegeangebote bereitzustellen und auszuweiten, das heißt: neue Versorgungsformen entwickeln, Beratungsangebote für Angehörige ausbauen und den Fachkräftemangel beheben. Denn durch die wachsende Nachfrage nach professioneller Hilfe werden immer mehr Fachkräfte benötigt, die auch fair bezahlt werden sollen.
Rechtzeitig selber wesentliche Entscheidungen treffen
Axel Listle, Fachanwalt für Familienrecht bei Eversheds LLPAxel Listle, Fachanwalt für Familienrecht bei Eversheds LLP, rät: „Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Generalvollmacht bieten in guten Zeiten die Möglichkeit, in Würde und Selbstbestimmung für schlechte Zeiten vorzusorgen. Allein die Auseinandersetzung bei der Erstellung dieser Dokumente hilft sehr, sich selbst über verschiedene Punkte Klarheit zu verschaffen. Außerdem sind ausdrückliche Regelungen für die Angehörigen eine enorme Erleichterung. Denn in Unglücksfällen liegen die Nerven blank und die meisten sind ohnehin bis an die Grenzen der Belastbarkeit gefordert.“
Vermittler können ihre Kunden hierauf aufmerksam machen, müssen aber hier die Grenzen zur Rechtsberatung wahren. Sie sollten ihren Kunden darüber hinaus raten, die Unterlagen zentral beim Bundesnotarregister registrieren zu lassen. Anbieter wie die Deutsche Vorsorgedatenbank übernehmen ebenfalls diesen Service und helfen Vermittlern auch, ihre Kunden regelmäßig alle zwei Jahre anzusprechen, damit die Vollmachten und Verfügungen aktualisiert werden können.
Vermittlern wie Versicherern kommt eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe im Bereich Pflege zu. Gegenseitige Unterstützung ist hier eine Selbstverständlichkeit.
Die Referenten auf dem Pflegesymposium in München. V.l.n.r. Moderator Werner Hansch , Wolfgang Zöller, Axel Listle, Autorin Martina Rosenberg, Dr. Harald Benzing, Jürgen Hoerner, 1. Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Landkreis München e.V., Prof. Dr. med. habil. Michael Mayer, Chefarzt, Wirbelsäulenzentrum Schön Klinik München Harlaching und Manuela Kiechle, Vorstandsmitglied Bayerische Beamtenkrankenkasse und UKV-Union Krankenversicherung
Bild: (1) © Rawpixel / fotolia.com (2,3,4 & 5) © Versicherungskammer Bayern
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