Privater Reichtum in Deutschland nimmt zu

Veröffentlichung: 21.07.2015, 13:07 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

In Deutschland ist das Geldvermögen der privaten Haushalte auf ein Rekordniveau gestiegen. Im ersten Quartal 2015 hat es kräftig zugelegt, meldet die deutsche Bundesbank. Aber die privaten deutschen Anleger sind ängstlich.

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807979_pixabay807979_pixabayBild: © EWAR / pixabay.com

Gegenüber dem Vorquartal wuchs das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland außergewöhnlich kräftig um knapp 140 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent und ist damit auf 5.212 Milliarden Euro gestiegen, so die deutsche Bundesbank.

Dieser Vermögenszuwachs setzt sich zusammen aus einer auf Transaktionen basierenden Geldvermögensbildung in Höhe von knapp 53 Milliarden Euro und Bewertungsgewinnen im Umfang von gut 87 Milliarden Euro. Hinsichtlich der Anlageformen war der bereits seit Längerem zu beobachtende Trend hin zu liquiden und risikoarmen Anlagen im Berichtsquartal erneut deutlich ausgeprägt. Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte nahmen in ähnlichem Umfang wie im Vorquartal zu, sodass das Nettogeldvermögen im ersten Quartal 2015 kräftig um knapp 137 Milliarden Euro oder 3,9 Prozent auf 3.624 Milliarden Euro anstieg. Das Nettogeldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften nahm im Berichtsquartal um 150 Milliarden Euro oder 9 Prozent spürbar ab, insbesondere aufgrund kräftiger Bewertungszuwächse bei den Verbindlichkeiten. Ende des ersten Quartals 2015 belief es sich auf 1.814 Milliarden Euro.

Private Haushalte: Geldvermögensbildung primär über liquide und risikoarme Anlagen bei weiterhin schwachem Kapitalmarktengagement

Die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der privaten Haushalte belief sich im ersten Quartal 2015 per saldo auf knapp 53Milliarden Euro und fiel damit spürbar höher aus als im Vorquartal. Mit rund 17 Milliarden Euro wurde knapp ein Drittel der Mittel in Bankeinlagen (einschließlich Bargeld) investiert, wobei der Betrag per saldo vollständig den besonders liquiden Sichteinlagen (einschließlich Bargeld) zufloss. Termin- und Spareinlagen (einschließlich Sparbriefe) wurden hingegen netto abgebaut, vor allem im langfristigen Bereich. Damit war die bereits seit Längerem zu beobachtende Präferenz der privaten Haushalte für hochliquide Anlageformen auch im Berichtsquartal deutlich ausgeprägt. Eine noch größere Bedeutung für die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte hatten die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die netto um rund 26,5 Milliarden Euro aufgestockt wurden. Die - trotz derzeit vergleichsweise geringer Verzinsung - große Bedeutung dieser Ansprüche und der Bankeinlagen für die Geldvermögensbildung, die als risikoarm gelten, deutet auf eine weiterhin hohe Risikoaversion der privaten Haushalte hin.

Dafür spricht auch ihr fortgesetzt zurückhaltendes Engagement auf den Kapitalmärkten, das im Berichtszeitraum besonders schwach ausgeprägt war. Schuldverschreibungen wurden erneut - und damit seit nunmehr über drei Jahren in Folge - netto verkauft, wobei die Abflüsse mit 7,5 Milliarden Euro wieder überdurchschnittlich hoch ausfielen. Verkauft wurden vor allem Schuldverschreibungen inländischer Kapitalgesellschaften (darunter primär inländischer Banken) sowie ausländischer Emittenten, aber auch Papiere des deutschen Staates. Letzteres dürfte wesentlich mit dem niedrigen Renditeniveau staatlicher Schuldverschreibungen zusammenhängen. Auch Aktien und sonstige Anteilsrechte wurden per saldo verkauft. Trotz eines im Berichtszeitraum insgesamt positiven Börsenumfelds wurden insbesondere Aktien inländischer Emittenten abgegeben. Mit knapp 6,5 Milliarden Euro stieg das per saldo verkaufte Volumen auf den höchsten Stand seit Intensivierung der Wirtschafts- und Finanzkrise im vierten Quartal 2008. Gekauft wurden hingegen Anteile an Investmentfonds, darunter Misch- und Rentenfonds. Insgesamt wurden netto knapp 11 Milliarden Euro in Investmentfonds angelegt und damit spürbar mehr als im Vorquartal.

Zum transaktionsbasierten Anstieg des Geldvermögens von knapp 53 Milliarden Euro kamen Bewertungsgewinne, deren Umfang mit gut 87Milliarden Euro überdurchschnittlich hoch ausfiel. Die Gewinne entstanden vor allem bei Investmentfondsanteilen und Aktien. In der Summe wuchs das Geldvermögen der privaten Haushalte somit ungewöhnlich kräftig um gut 140 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent auf 5 212 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals 2015.

Die Außenfinanzierung der privaten Haushalte fiel im ersten Quartal 2015 nur unwesentlich schwächer aus als im Vorquartal. Insgesamt wurden Kredite (einschließlich sonstiger Verbindlichkeiten) per saldo im Umfang von 4 Milliarden Euro aufgenommen, insbesondere in Form von Wohnungsbaukrediten. Kreditgeber waren primär inländische Banken. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen damit um 0,2 Prozent auf 1 588 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Anstieg des Geldvermögens führte dies im Berichtszeitraum zu einer kräftigen Erhöhung des Nettogeldvermögens um knapp 137 Milliarden Euro oder 3,9 Prozent auf 3 624 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der gesamten Verbindlichkeiten am annualisierten nominalen Bruttoinlandsprodukt, fiel zum Ende des ersten Quartals 2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 54,3Prozent.

Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften: Schwache Geldvermögensbildung bei kräftiger Außenfinanzierung über Kredite

Die transaktionsbedingte Geldvermögensbildung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften fiel im ersten Quartal 2015 mit Abflüssen von 17 Milliarden Euro erneut schwach aus. Abgebaut wurden vor allem Bankeinlagen (einschließlich Bargeld) und Aktien inländischer Emittenten, die netto um knapp 8 Milliarden Euro beziehungsweise knapp 17 Milliarden Euro zurückgeführt wurden. Positive Beiträge kamen hingegen von der Kreditvergabe, die um knapp 16 Milliarden Euro ausgeweitet wurde. Kreditnehmer waren in erster Linie andere nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften im Inland.

Das Volumen der Außenfinanzierung fiel im Berichtsquartal mit 67,5 Milliarden Euro deutlich kräftiger aus als im Vorquartal. Positive Beiträge kamen von der Finanzierung über Kredite (22,5 Milliarden Euro), die primär von inländischen Banken gewährt wurden. Auch Handelskredite trugen wesentlich zur Entwicklung bei, per saldo wurden 26,5 Milliarden Euro aufgenommen. Darüber hinaus wurden Schuldverschreibungen im Umfang von netto gut 3,5 Milliarden Euro emittiert, wobei das Ausland einen Gutteil der Finanzierung bereitstellte. Die Finanzierung über Aktien fiel mit einem Rückgang von gut 0,5 Milliarden Euro hingegen schwach aus, sodass die marktbasierte Finanzierung im Berichtsquartal insgesamt unbedeutend war.

Zusammengenommen und unter Berücksichtigung von kräftigen Bewertungsänderungen, die sowohl das Geldvermögen als auch die Verbindlichkeiten spürbar prägten, nahm das Nettogeldvermögen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften somit um insgesamt knapp 150 Milliarden Euro oder 9 Prozent ab und erreichte im ersten Quartal 2015 einen Wert von - 1 814 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote, definiert als Anteil der Summe von Schuldverschreibungen, Krediten und Pensionsrückstellungen am annualisierten nominalen Bruttoinlandsprodukt, lag Ende des ersten Quartals bei 64,1 Prozent und damit um 0,8 Prozentpunkte höher als Ende 2014.

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