Autofrachter in Flammen: GDV fordert moderne Brandschutztechnik auf See

Veröffentlichung: 10.06.2025, 11:06 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Über 10.000 Fahrzeuge, über eine Milliarde Euro Schaden – die Zahl der brennenden Autofrachter nimmt zu. Der GDV schlägt nun konkrete Maßnahmen für besseren Brandschutz auf hoher See vor. Wird die Internationale Seeschifffahrt reagieren?

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Die jüngste Brandkatastrophe auf See wirft erneut ein Schlaglicht auf die Risiken des Fahrzeugtransports über das Meer (Symbolbild).Die jüngste Brandkatastrophe auf See wirft erneut ein Schlaglicht auf die Risiken des Fahrzeugtransports über das Meer (Symbolbild).DALL-E

Die jüngste Brandkatastrophe auf See wirft erneut ein Schlaglicht auf die Risiken des Fahrzeugtransports über das Meer: Die „Morning Midas“ brennt seit dem 3. Juni rund 500 Kilometer südlich von Alaska. An Bord des Autofrachters befinden sich etwa 3.000 Fahrzeuge, darunter rund 800 Elektroautos. Die Crew musste das Schiff verlassen. Es ist bereits der dritte Großbrand eines Autotransporters innerhalb weniger Jahre – nach der „Felicity Ace“ (2022) und der „Fremantle Highway“ (2023).

„Damit sind seit 2022 mehr als 10.000 nagelneue Fahrzeuge auf Autofrachtern zerstört worden, die Schäden liegen bei weit über einer Milliarde Euro“, erklärt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Die Versicherungswirtschaft fordert angesichts dieser Vorfälle ein grundlegendes Umdenken beim Brandschutz an Bord. Käfer-Rohrbach warnt: „Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Transport von Elektroautos den maritimen Brandschutz vor bislang ungelöste Probleme stellt. Dabei spielt es auch keine Rolle, von welchem Fahrzeugtyp ein Brand ausgeht.“

Die bisherigen Systeme auf Autofrachtern seien in vielen Fällen veraltet. „Viele Brandkatastrophen auf hoher See könnten verhindert werden – wenn die Schiffe mit modernen Feuerlöschsystemen ausgestattet wären statt mit Technik aus den 50er-Jahren“, so Käfer-Rohrbach weiter. Die Brände würden meist zu spät entdeckt und seien dann kaum noch unter Kontrolle zu bringen – wie aktuell auf der „Morning Midas“.

Die besonderen Gefahren, die von Lithium-Ionen-Batterien ausgehen, verstärken das Risiko: extreme Hitzeentwicklung, toxische Rauchgase und das Risiko von Stichflammen erschweren die Brandbekämpfung erheblich. Vor diesem Hintergrund hat der GDV ein Positionspapier mit konkreten Vorschlägen vorgelegt. Es sieht unter anderem den Einsatz vollautomatischer Detektionssysteme, Hochdruck-Wasser-Nebel-Anlagen und ergänzende Löschmaßnahmen vor.

Diese Empfehlungen sollen auf internationaler Ebene eingebracht werden – insbesondere bei der International Maritime Organization (IMO), die den Vereinten Nationen zugeordnet ist. Käfer-Rohrbach betont: „Der Brandschutz in der Seeschifffahrt ist ein globales Problem, das nur auf internationaler Ebene gelöst werden kann und muss.“

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