Marsh Versicherungsmarktreport: „Bleibt alles anders“

Veröffentlichung: 28.02.2020, 11:02 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Marsh liefert in seinem Versicherungsmarktreport Deutschland 2020 Einschätzungen zu den Entwicklungen des deutschen Industrieversicherungsmarktes – untergliedert nach Sparten, Branchen und Spezialrisiken.

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Der jährliche Report entsteht in enger Zusammenarbeit der Experten aus den jeweiligen Sparten, Geschäftsbereichen und den Branchenteams von Marsh.

Der Report zeigt auf, dass die Versicherungsbranche weiterhin an der Schaffung einer gemeinsamen Plattform arbeiten muss, was kompliziert und teuer ist. Damit die Plattform gelingt, müssen viele Beteiligte sich dazu bekennen, sie dann auch zu nutzen. Noch viel mehr sollten zwischenzeitlich die bestehenden Möglichkeiten und Mittel genutzt werden.

Thomas Olaynig, Geschäftsführer und Head of Placement & Specialties von Marsh Deutschland, sagt:

Thomas-Olaynig-2020-MarshThomas-Olaynig-2020-Marsh Thomas Olaynig, Geschäftsführer und Head of Placement & Specialties, Marsh Deutschland

„Mittlerweile ist es einfacher, die Sparten aufzuzählen, die von Prämienerhöhungen und Kapazitätsreduzierungen nicht betroffen sind, als anders herum. Zudem verfolgt jeder Versicherer seine individuelle Strategie und für Kunden bedeutet das meist: Bleibt alles anders. Darüber hinaus steigt der Druck auf die Ressourcen: bei Kunden, Versicherern und Maklern. Die Versicherungsbranche sollte nicht nur auf die Plattform als Allheilmittel bauen, sondern alle Möglichkeiten überprüfen und Zusammenarbeit neu denken. Technologie ist nicht die Lösung für menschliches Versagen. … .“

Industrielle Sachversicherung

Weltweit ist in der industriellen Sachversicherung auf breiter Front eine Verhärtung des Marktes mit durchschnittlichen Steigerungen im Bereich von 5 bis 10 Prozent zu beobachten. Der deutsche Markt konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen und setzte somit den Trend aus dem Vorjahr fort.

Gegen Ende des vergangenen Jahres wurde der Markt zusehends schwieriger: Forderungen nach Verdoppelung und Verdreifachung der Prämien gegenüber dem Ist-Stand waren Ende 2019 keine Seltenheit. Einschränkungen des Versicherungsschutzes oder die Erhöhung der Selbstbehalte haben diese Forderungen nur sehr begrenzt gemindert. Nicht optimal geschützte Betriebe sowie Unternehmen der Chemie-, Stahl-, Gießerei-, Recycling-, Fleisch- und Lebensmittelbranche waren von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Haftpflichtsparte für industrielle Risiken

Die Prämiensätze in der Haftpflichtsparte für industrielle Risiken wurden in den vergangenen 10 Jahren regelmäßig reduziert und Umsatzerhöhungen nur in begrenztem Maße bei der Festlegung der Prämie berücksichtigt, was den Trend zusätzlich verstärkte.

Nun steigen nicht nur die Schadenzahlungen, sondern auch die Bestrebungen der Versicherer, die Prämien zu erhöhen.

Der Haftpflichtmarkt zeigte sich im Renewal zum 1. Januar 2020 (noch) uneinheitlich: Exponierte Risiken, insbesondere Rückrufkostenrisiken der Kfz-Zuliefererindustrie, aber auch Risiken der Bauwirtschaft, Pharma-/Chemie-Risiken und Krankenhäuser standen im Fokus der Versicherer für Prämienerhöhungen. Schadenbelastete Risiken – hier wiederum insbesondere große Schäden bei Kfz-Rückrufkostenrisiken – erfuhren zum Teil deutliche Prämienerhöhungen. Grundsätzlich waren aber auch Prämienreduzierungen für schadenunbelastete Verträge möglich.

In der Sparte Haftpflicht sehen Versicherer weiterhin profitable Wachstumsmöglichkeiten und wollen Haftpflichtrisiken zeichnen. Gut verlaufende Verträge sollen um jeden Preis im Bestand erhalten bleiben.

Cyber-Versicherungen

Bei den Cyber-Versicherungen kommt es zu einem Prämienanstieg – insbesondere bei Großrisiken, aber auch bei mittelständischen Unternehmen.

Die Erhöhung der Deckungssummenzuschläge bei der Kalkulation von Exzedenten, besonders bei hohen Gesamtdeckungssummen, ist ebenfalls keine Seltenheit mehr.

Zudem sind Versicherer nicht mehr automatisch bereit, Kapazitäten von 25 Millionen Euro bereitzustellen.

Generell wird beobachtet, dass viele Versicherer ihre offerierte Gesamtkapazität im Gegensatz zu früher reduzieren und in ihrer Zeichnungspolitik vorsichtiger werden. Trotz Ersteindeckung verlangen die Versicherer häufig bereits bei der ersten Erneuerung der Verträge eine Prämienerhöhung.

Das Phänomen Silent Cyber, also die unbekannte Cyber-Exponierung aus den verschiedenen Sparten in den Versichererportfolios, ist weiterhin ein großes Thema im Zusammenhang mit Cyber-Versicherungen. Die Interessen der Versicherer bei diesem Thema stehen jedoch geradezu konträr im Hinblick auf das Absicherungsbedürfnis der versicherungsnehmenden Wirtschaft: Während hier das Interesse besteht, möglichst umfangreichen Versicherungsschutz für sämtliche durch Cyber-Vorfälle potenziell verursachten Personen-, Sach-, Vermögensschäden usw. vorhalten zu können, liegt der Fokus der Versicherungsindustrie eher darauf, derzeit vorhandene (versteckte) Absicherungen sichtbar zu machen oder sogar den vorhandenen Versicherungsschutz in anderen Sparten einzuschränken.

Hier ist es Aufgabe der Versicherungswirtschaft, eine für die Kunden über alle Sparten hinweg befriedigende Absicherungslösung zu entwickeln.

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