Solvenzanalyse: 12 Lebensversicherer sehen „rot“

Veröffentlichung: 25.09.2019, 09:09 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Der Bund der Versicherten e. V. hat auch in diesem Jahr zusammen mit der Zielke Research Consult GmbH die Solvenzberichte der Lebensversicherer des Vorjahres untersucht. Das Ergebnis: Ein Viertel der Lebensversicherer ist angezählt.

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Zusammenfassend erwarten 21 der untersuchten 84 Versicherer keine Gewinne oder haben zu geringe reine Solvenzquoten.

Als besorgniserregend sieht dabei Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV, an, dass ein Viertel der Versicherungsunternehmen nur durch Übergangsmaßnahmen genügend Solvenz aufweist:

„Unterm Strich gibt es kein Unternehmen, bei dem in allen Prüfpunkten Entwarnung gegeben werden kann.“

Die Solvenzquoten unterscheiden sich stark darin, ob Übergangsmaßnahmen angesetzt werden oder nur die reine Solvenz betrachtet wird. Dr. Carsten Zielke erklärt, dass zwölf Unternehmen ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichende Solvenz hätten. Dabei fällt auf, dass besonders solche Unternehmen geringe Solvenz aufweisen, die sich im Run-Off befinden.

Mit Blick auf die sinkenden Risikomargen über die gesamte Branche hinweg, meint Dr. Carsten Zielke:

„Die Unternehmen kalkulieren zunehmend auf Kante.“

Diese 12 Lebensversicherer sehen rot

  • Münchener Verein LV AG
  • RheinLand LV AG
  • Karlsruher LV AG
  • neue leben LV AG
  • PB LV AG
  • Landeslebenshilfe V.V.a.G.
  • Süddeutsche LV a.G
  • Öffentliche LVA Oldenburg
  • Athora LV AG
  • Bayerische Beamten LV a.G.
  • Frankfurt Münchener LV AG (vormals Arag LV
    AG)
  • Frankfurter LV AG

Auch ist zu beobachten, dass branchenweit zwölf Unternehmen zukünftig keine Gewinne erwarten. Bei den Gewinnerwartungen driftet der Markt zunehmend auseinander. Bei einer Mehrheit der Unternehmen zeigt sich, dass sich je nachdem Verlusterwartungen oder überzogene Gewinnerwartungen verstärken.

Axel Kleinlein erklärt:

„Es ist besorgniserregend, dass ein Viertel der Unternehmen zwei der grundlegenden Voraussetzungen für ein dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell nicht aufweisen. Dies sind deutliche Anzeichen für eine langandauernde und tiefgreifende Krise der Deutschen Lebensversicherer. Wir erwarten mindestens zunehmend ineffiziente Verträge bis hin zu Insolvenzen von Unternehmen.“

Besonders auffällig sind die Probleme bei den Versicherern, die kein Neugeschäft mehr schreiben.

Dr. Carsten Zielke dazu:

„Run-Off-Versicherer zeichnen sich durch eine besonders hohe Intransparenz aus.“

Betrachtet man die Run-Off-Plattformen für die klassische Lebensversicherung, so zeigen sich noch deutlichere Probleme, da die reine Insolvenz hier im Durchschnitt nur 37 Prozent beträgt.

Axel Kleinlein sagt:

„Offensichtlich zielen die Run-Off-Versicherer darauf ab, Gewinne abzuschöpfen ohne die Solvenz und damit die Sicherheit des Unternehmens zu stärken.

Die Untersuchung der Solvenzberichte unterstreicht, dass Run-Off-Unternehmen deutliche Gefahren für die Versicherten bergen.“

Die Ergebnisse im Überblick

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