Kanschik setzt auf KI: Erstes Roll-up für Makler startet
Maklerbestände kaufen und zusammenführen ist nichts Neues. Neu ist jedoch der Anspruch, die Wertsteigerung vor allem durch Künstliche Intelligenz zu erzielen. Mit der MoIn Group startet nach eigenen Angaben das erste AI-Roll-up der deutschen Maklerbranche. Hinter dem Vorhaben stehen bekannte Namen aus dem Makler- und InsurTech-Markt – darunter Policen-Direkt-Manager Dr. Philipp Kanschik.
Die Konsolidierung des deutschen Maklermarktes läuft seit Jahren. Pools, Maklergruppen, Finanzinvestoren und strategische Käufer übernehmen Bestände und Unternehmen, um Größe, Effizienz und Marktanteile auszubauen. Mit der Gründung der Modern Insurance Technology GmbH (MoIn Group) kommt nun ein neuer Ansatz hinzu: die Verbindung klassischer Maklerkonsolidierung mit KI-gestützter Prozessautomatisierung.
Das Unternehmen mit Sitz in Köln bezeichnet sich als erstes AI-Roll-up der deutschen Versicherungsbranche. Ziel ist es, profitable Maklerhäuser zu übernehmen und auf einer gemeinsamen technologischen Plattform weiterzuentwickeln. Unterstützt wird das Vorhaben von einem Netzwerk aus Branchenvertretern und Investoren. Zu den Unterstützern zählen unter anderem der frühere Versicherungsvorstand Prof. Torsten Oletzky sowie der ehemalige Bundesfinanzminister Christian Lindner.
Wertsteigerung durch Technologie statt Größe
Anders als klassische Konsolidierungsmodelle stellt die MoIn Group nicht die reine Größe der Bestände in den Mittelpunkt. Die Gründer argumentieren, dass künftig vor allem technologische Effizienz über den Wert eines Maklerbetriebs entscheiden werde.
Maklerhäuser sehen sich zunehmend mit regulatorischen Anforderungen, Dokumentationspflichten und wachsendem Verwaltungsaufwand konfrontiert. Gleichzeitig erwarten Kunden schnellere Reaktionszeiten und digitale Services. Nach Angaben des Unternehmens verbringen Mitarbeiter in Maklerbetrieben rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben und IT-Prozessen.
Hier sollen KI-Agenten und automatisierte Workflows ansetzen. Ziel ist es, Routineaufgaben zu reduzieren, Vertriebschancen zu identifizieren und mehr Zeit für Kundenberatung freizusetzen. „Wir sind überzeugt, dass Fortschritt nur gelingt, wenn wir den Mut haben, alte Strukturen aufzubrechen und ganze Industrien neu zu denken“, sagt Moritz Delbrück, CEO der MoIn Group. „AI-Roll-ups kennt man bereits aus dem Accounting- und Rechtsmarkt in den USA und UK, wo Investoren Dienstleister übernehmen und mit KI transformieren.“
Bekannte Namen aus Maklergeschäft und InsurTech
Das Gründerteam vereint Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen des Versicherungsmarktes. CEO Moritz Delbrück war unter anderem als Interim-CEO des InsurTechs Flexperto tätig und beschäftigte sich dort mit KI-Anwendungen im Versicherungsvertrieb. Besondere Aufmerksamkeit dürfte jedoch die Beteiligung von Dr. Philipp Kanschik auf sich ziehen. Als Managing Director bei Policen Direkt verantwortete er das digitale Maklergeschäft sowie Nachfolgelösungen und war unmittelbar mit Fragen der Bestandsübernahme und Integration von Maklerunternehmen befasst. Unter seiner Verantwortung entwickelte sich Policen Direkt zu einem der bedeutenden Anbieter für die Übernahme und Integration von Maklerbeständen. Komplettiert wird das Gründerteam durch CTO André Hoendgen, der Erfahrungen im Aufbau skalierbarer Softwarelösungen für die Versicherungswirtschaft einbringt.
Compari und Sünderwald als erste Bausteine
Mit dem Marktstart kommuniziert die MoIn Group zugleich die ersten beiden Beteiligungen. Übernommen wurden der Makler Compari aus Mellrichstadt sowie die Sünderwald-Gruppe aus Chemnitz. Nach Angaben des Unternehmens sollen die übernommenen Häuser ihre unternehmerische Identität behalten, gleichzeitig aber von den technischen Möglichkeiten der gemeinsamen Plattform profitieren. Weitere Transaktionen seien bereits vorbereitet.
Testfall für den Maklermarkt
Ob das Modell erfolgreich sein wird, dürfte weit über die beteiligten Unternehmen hinaus beobachtet werden. Der deutsche Maklermarkt steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits suchen zahlreiche Vermittler Nachfolgelösungen, andererseits steigt der Druck, Prozesse zu digitalisieren und effizienter zu gestalten.
Die MoIn Group verbindet beide Entwicklungen in einem gemeinsamen Geschäftsmodell. Entscheidend wird sein, ob sich die versprochenen Produktivitätsgewinne durch KI tatsächlich in den übernommenen Maklerhäusern nachweisen lassen. Gelingt dies, könnte das Modell neue Impulse für Konsolidierung und Nachfolge im deutschen Maklermarkt setzen.
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