Jeder dritte Versicherte unzufrieden mit Wartezeiten auf Facharzttermine

Lange Wartezeiten auf Facharzttermine bleiben für viele gesetzlich Versicherte ein Ärgernis. Während die hausärztliche Versorgung mehrheitlich positiv bewertet wird, sieht die aktuelle GKV-Versichertenbefragung 2025 deutlichen Handlungsbedarf bei der fachärztlichen Terminvergabe – und wachsende Erwartungen an digitale Lösungen.

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Gesetzlich Versicherte wünschen sich einen schnelleren Zugang zu Behandlungen in fachärztlichen Praxen.Gesetzlich Versicherte wünschen sich einen schnelleren Zugang zu Behandlungen in fachärztlichen Praxen.DALL-E

Hausärztliche Versorgung überwiegend positiv bewertet

Gesetzlich Versicherte bewerten die Wartezeiten in Hausarztpraxen überwiegend positiv. Laut der repräsentativen GKV-Versichertenbefragung 2025 empfinden 51 Prozent die Wartezeiten dort als „genau meinen Wünschen entsprechend“, weitere 35 Prozent als „noch akzeptabel“. Lediglich 14 Prozent äußern Unzufriedenheit.
Anders stellt sich die Situation bei Facharztterminen dar. Hier geben 30 Prozent der Befragten an, die Wartezeiten seien „zu lang“ oder „viel zu lang“. Damit ist nahezu jeder dritte Versicherte mit dem Zugang zur fachärztlichen Versorgung unzufrieden.

Deutliche Unterschiede bei den tatsächlichen Wartezeiten

Ein Blick auf die konkreten Wartezeiten unterstreicht diese Einschätzung. Rund 25 Prozent der gesetzlich Versicherten warten länger als 30 Tage auf einen Facharzttermin. Zwar kann etwa jeder zweite Versicherte innerhalb von zehn Tagen eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen, dennoch berichten 30 Prozent insgesamt von Schwierigkeiten bei der Terminvereinbarung. Bei Versicherten mit einem schlechten Gesundheitszustand steigt dieser Anteil auf 35 Prozent.
In Hausarztpraxen ist die Lage entspannter: Nur ein Viertel der Befragten wartet dort länger als drei Tage auf einen Termin. Zudem suchen 25 Prozent der Patienten ihre Hausarztpraxis direkt und ohne vorherige Terminvereinbarung auf.

Forderung nach besserer Koordination der ambulanten Versorgung

Vor diesem Hintergrund sieht der GKV-Spitzenverband dringenden Reformbedarf. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis verwies im Zusammenhang mit der Befragung darauf, dass sich Patientinnen und Patienten eine ambulante Versorgung wünschen, die besser mit einer modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar ist. Dazu zählten insbesondere kürzere Wartezeiten bei Fachärzten sowie flexiblere Praxisöffnungszeiten.

Aus Sicht des GKV-Spitzenverbands brauche es eine stärkere, patientenorientierte Koordination der ambulanten Versorgung, insbesondere in der Primärversorgung. Entsprechende Vorschläge seien bereits vorgelegt worden.

Online-Terminvergabe gewinnt deutlich an Bedeutung

Auffällig ist der wachsende Stellenwert digitaler Terminangebote. 50 Prozent der Befragten halten die Online-Terminvergabe oder Buchung per App inzwischen für „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Im Jahr 2022 lag dieser Wert noch bei 31 Prozent.

Trotzdem erfolgt die Terminvereinbarung bislang überwiegend klassisch: 59 Prozent der Versicherten buchen Hausarzttermine persönlich oder telefonisch, bei Facharztterminen sind es sogar 65 Prozent. Angesichts hoher Patientenzahlen und des demografischen Wandels misst der GKV-Spitzenverband digitalen Lösungen eine zentrale Rolle zu, um Patientinnen und Patienten schneller und zielgerichteter zu steuern.

Vorschlag für zentrales Online-Portal

Um die Terminvergabe transparenter und effizienter zu gestalten, plädiert der GKV-Spitzenverband für eine gesetzliche Regelung zur Einführung eines tagesaktuellen Online-Portals. In diesem sollen Arztpraxen einen festgelegten Anteil ihrer GKV-Termine einstellen. Ziel sei es, Terminoptionen für Versicherte besser sichtbar zu machen.

Zugleich fordert der Verband, die Unterscheidung zwischen gesetzlich und privat Versicherten bei der Terminvergabe zu beenden, um eine gleichberechtigte Versorgung sicherzustellen. Ergänzend sollen digitale Ersteinschätzungen, eine stärkere Steuerung des Zugangs zur Versorgung sowie die Reduktion medizinisch nicht notwendiger Praxiskontakte die ambulante Versorgung entlasten.

Studienhinweis
Die Ergebnisse stammen aus der GKV-Versichertenbefragung 2025, durchgeführt von Management Consult Dr. Eisele & Dr. Noll GmbH im Auftrag des GKV-Spitzenverbands. Befragt wurden 3.520 gesetzlich Versicherte im Alter von 18 bis 80 Jahren zwischen Februar und März 2025. Die Stichprobe ist nach zentralen soziodemografischen Merkmalen repräsentativ für GKV-Versicherte in Deutschland.

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