Online-Rentenkonto soll endlich Pflicht werden

Veröffentlichung: 10.10.2017, 05:10 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Eine neue Informationspflicht für die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersversorgung und für alle Anbieter privater Renten soll ermöglichen, dass die erforderlichen Daten für ein Online-Rentenkonto bereitgestellt werden.

(PDF)
Senior-am-Laptop-169377064-FO-seventyfourSenior-am-Laptop-169377064-FO-seventyfour

Diese gesetzliche Informationspflicht ist Teil eines detaillierten Vorschlages für die Einführung einer Online-Plattform, auf der jeder seine künftigen Rentenansprüche in übersichtlicher und zusammengefasster Form einsehen kann. In Deutschland gibt es diese Konten, die in anderen Ländern bereits angeboten werden, nicht.

Daher hat das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) mit ausführlichen Expertengesprächen die Erfahrungen mit Online-Rentenkonten in Schweden, in den Niederlanden, in Großbritannien und in Australien sondiert, in einem Dossier zusammengefasst und daraus einen Vorschlag für Deutschland abgeleitet.

Vorschlag beinhaltet keine zentrale Lösung

Die Daten über die künftigen Rentenanwartschaften, das ist eine Schlussfolgerung aus den Erfahrungsberichten, sollten nicht in einer zentralen Datenbank vorgehalten, sondern jeweils nach dem Einloggen des Kontoinhabers bei den Altersvorsorgeanbietern abgerufen werden. Der Einblick in das Rentenkonto sollte auf jedem Gerät, also Smartphone, Tablet, Laptop oder PC möglich sein.

Sicherheit im Netz

Zur sicheren Identifizierung schlägt das DIA die eID-Funktion des neuen Personalausweises vor. Sollte die mobile Nutzung dieser Funktion mit dem Smartphone sich noch verzögern, weil nicht genügend geeignete Geräte im Umlauf sind, käme das Elster-Verfahren in Frage, das die Finanzämter für die Abgabe der elektronischen Steuererklärung nutzen. Mit dem eID-Verfahren verfügt Deutschland aber über eine sichere Methode, die mittelfristig beim Online-Rentenkonto zum Einsatz kommen sollte.

DIA empfiehlt Ausschreibung

Die Auswahl des Plattformbetreibers, so das DIA-Dossier, sollte in einem Ausschreibungsverfahren erfolgen, so wie es auch bei der Produktinformationsstelle Altersvorsorge der Fall war. Der im Zuge des Ausschreibungsverfahrens gewählte Bewerber, der sich am besten für den Betrieb der Plattform eignet, wird mit der Aufgabe zur Führung des Rentenkontos beliehen.

Als Rechtsform wäre eine gGmbH oder ein Verein geeignet. Die Gemeinnützigkeit hätte den Vorteil, dass in der öffentlichen Wahrnehmung das Rentenkonto nicht als Geschäftsmodell eines einzelnen Wirtschaftsunternehmens angesehen wird.

DIA-Sprecher Klaus Morgenstern bezieht klar Stellung:

„Es ist höchste Zeit, dass im Technologieland Deutschland endlich ein Online-Rentenkonto eingeführt wird. Andere Länder haben uns längst mit Erfolg vorgemacht, wie mit einem solchen Konto die Bürger ihre Altersvorsorge viel besser einschätzen und langfristige Entscheidungen treffen können.“

DIA-Vorschlag für ein Online-Rentenkonto

In dem Online Rentenkonto sollen die bestehenden Rentenanwartschaften aus allen drei Säulen der Altersvorsorge zusammengefasst werden. Das Online-Rentenkonto soll verbindlich für die Anbieter, einfach für die Nutzer und sicher für die Daten sein. Das DIA strebt an, dass die künftige Bundesregierung für die anstehende Legislaturperiode das Online-Rentenkonto als Projekt aufnimmt.

Der DIA-Vorschlag für ein Online-Rentenkonto enthält folgende Elemente:

Gesetzgeberischer Impuls

Einführung einer neuen Informationspflicht für Altersvorsorgeanbieter (Ergänzung § 6 VVG-Informationspflichtenverordnung, Änderung § 4a des Gesetzes über die betriebliche Altersversorgung, Präzisierung § 109 SGB IV) sowie Auswahl und Beauftragung eines Trägers für die Online-Plattform.

Private-Public-Partnership

Entwicklung der Datenstandards gemeinsam mit den Altersvorsorgeträgern. Das Online-Rentenkonto hat wegen der gesetzlichen Informationsverpflichtung eine staatlich-institutionelle Eigenschaft, die Durchführung jedoch wird an Dritte übertragen, die mit dieser Aufgabe beliehen werden (ähnlich wie im Fall der Produktinformationsstelle Altersvorsorge).

Offene Ausschreibung

Auswahl eines geeigneten Bewerbers für den Betrieb der Rentenplattform in der Rechtsform einer gGmbH oder eines Vereins. Der Status der Gemeinnützigkeit signalisiert, dass es sich um kein Geschäftsmodell eines Wirtschaftsunternehmens handelt.

Schrittweise Implementierung

Staffelung der Fristen zur Datenbereitstellung, um kleineren Unternehmen mehr Zeit für die Umstellung zu geben. Altersvorsorgeträger mit vielen Anwärtern gehen voran, damit schnell eine erhebliche Marktabdeckung erreicht wird.

Hoher Sicherheitsstandard

Als Anmeldeverfahren bietet sich die eID-Funktion des neuen Personalausweises an, sofern es ausreichend Geräte gibt, die für eine mobile Nutzung der Online-Ausweisfunktion geeignet sind. Derzeit ist das noch nicht der Fall. Aber mit der Verständigung auf einen neuen Standard für den NFC-Chip seit Mitte dieses Jahres besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass in etwa zwei Jahren eine mobile Nutzung mit einem guten Verbreitungsgrad möglich ist. Alternativ kommt als Übergangslösung das Elster-Verfahren zur Abgabe der elektronischen Steuererklärung in Frage.

Keine zentrale Datenspeicherung

Anlassbezogener Abruf der notwendigen Daten nach dem Einloggen des Kontoinhabers, zentral werden nur die unbedingt notwendigen Stammdaten vorgehalten.

Moderierter Prozess zur Datenstandardisierung

Die Aufbereitung und Vereinheitlichung der Daten gelten als die aufwändigsten Aufgaben. Daher sollten sich in einem Projekt mit Begleitung durch das zuständige Ministerium die Interessenvertreter und ausgewählte Akteure aus allen drei Säulen der Altersvorsorge auf einheitliche Datenstandards verständigen. Wegen der Vielfalt der Altersvorsorgeformen wird eine Unterteilung bei der Anzeige der Daten in garantierte Altersvorsorgeleistungen und in einen informellen Ausweis weiterer Alterseinkünfte vorgeschlagen.

Gemeinsame Finanzierung

Die Träger der Altersvorsorge übernehmen die Kosten für den Betrieb des Online-Rentenkontos, da sich mittelfristig bei ihnen die Aufwände reduzieren. Eine solche Finanzierung ist auch bei anderen Einrichtungen in der Finanzbranche verbreitet, zum Beispiel bei der Zertifizierung der staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte.

https://www.experten.de/2017/10/09/online-rentenkonto-alles-auf-einen-blick/

https://www.experten.de/2017/04/25/dia-deutschland-braucht-online-rentenkonten/

Bild: © seventyfour / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Frowney-Scheibe-499616159-AS-yaroslav1986Frowney-Scheibe-499616159-AS-yaroslav1986yaroslav1986 – stock.adobe.com
Finanzen

"Generation Mitte" hält eigene Altersvorsorge für ungenügend

In dem Bewusstsein, dass die gesetzliche Rente in der Regel nur gering ausfallen wird, ist knapp die Hälfte der 30 - 59-jährigen Bundesbürger der Ansicht, dass ihre bisherigen Vorsorgeanstrengungen nicht ausreichen werden, um den Lebensstandard im Alter zu halten.
Frau-Headset-PX-GambardellaFrau-Headset-PX-GambardellaJep Gambardella/Pexels
Digitalisierung

Cloud-Telefonie: Wie funktioniert sie und was sind die Vorteile?

Die Telefonie über eine Cloud erleichtert es, Unternehmens-Prozesse sowohl in der internen Kommunikation als auch für den Kundenservice zu optimieren. Wie diese neue Technologie funktioniert und mit welchen Voraussetzungen sowie Vorteilen sie kommt.
The technician repairing the smartphone's motherboard in the labThe technician repairing the smartphone's motherboard in the labTimeStopper – stock.adobe.com
Digitalisierung

Refurbished-IT auf dem Vormarsch

Gebraucht, aber neuwertig, professionell aufbereitet und in der Regel mit Garantie: Der wachsende Refurbished-Markt für Geräte wie Smartphones, Tablets oder Laptops weckt das Interesse der Verbraucher*innen in Deutschland. Schon die Hälfte (50 Prozent) kann sich vorstellen, künftig ein Refurbished-Gerät zu kaufen. Jede*r Achte (13 Prozent) hat dies sogar schon einmal getan.
Teen-Laptop-219832523-AS-LiubovLevytskaTeen-Laptop-219832523-AS-LiubovLevytskaLiubov Levytska – stock.adobe.com
Digitalisierung

70 Stunden pro Woche im Netz

Die Internetnutzung der deutschen Jugendlichen bleibt in der Corona-Krise auf hohem Niveau. 16- bis 18-Jährige verbringen im Schnitt 70,4 Stunden pro Woche online und damit nur 1,1 Stunden weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2019, also vor der Pandemie mit Lockdowns und Homeschooling, waren es noch 58 Stunden. 

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht