Fast jeder dritte Wildunfall in Bayern
Mit knapp 263.000 Unfällen mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild erreichte die Zahl der Wildunfälle in Deutschland laut GDV-Schadenbilanz einen Höchststand. Dies entspricht 10 Prozent mehr, als noch im Jahr 2014. Somit kommt es bundesweit alle zwei Minuten zu einem Wildunfall.
Autofahrer sollten deshalb immer auf der Hut sein, denn Wildunfälle sind nach wie vor ein unterschätztes Risiko, besonders bei Dämmerung sollte erhöhte Achtsamkeit gelten. Statistisch gesehen passieren die meisten Unfälle zwischen 5 und 8 Uhr morgens und zwischen 17 Uhr und Mitternacht.
Verstärkte Aktivitätsphasen des Wildes sind im Frühjahr und zu den Paarungszeiten festzustellen. Zum einen, weil Rehe und Hirsche, wenn die Vegetation sprießt, verstärkt auf Nahrungssuche sind und Straßen dann öfter überqueren. Zum anderen weil im Sommer die Rehbrunft und im Herbst die Brunftzeit des Rotwildes beginnt. Die Tiere sind in der Paarungszeit hormongesteuert und geraten deshalb öfter in Konflikt mit dem Straßenverkehr.
Auch die Allianz hat nachgerechnet: 85 mal pro Tag, also alle 17 Minuten, kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Wild und einem bei der Allianz versicherten Fahrzeug. 31.250 Wildschäden verursachten einen Gesamtschaden von 71,44 Millionen Euro. Besonders oft krachte es dabei in Bayern mit 9100 Zusammenstößen. Das ist fast jeder dritte Wildunfall (29 Prozent).
Mit deutlichem Abstand folgen Niedersachsen mit 2900 (9,1 Prozent), Baden-Württemberg mit 2600 (8,3 Prozent), und Sachsen-Anhalt mit knapp 2500 (7,8 Prozent) Fällen. Autos in Bremen (40 Fälle/0,1 Prozent), Hamburg (97 Fälle/0,3 Prozent) und Berlin (175 Fälle/0,6 Prozent) blieben weitestgehend verschont.
Der durchschnittliche Sachschaden eines Wildunfalls lag bei rund 2300 Euro. Die Reparaturkosten dafür sind in Hamburg mit 2650 Euro pro Fahrzeug am höchsten, während sie in Nordrhein-Westfalen bei nur 2125 Euro liegen. Im Ausland kann es richtig teuer werden, durchschnittlich ist mit 2970 Euro pro Unfall zu rechnen. Der teuerste Schaden in 2016 wurde in Bayern von einem Rotwild verursacht. An der betroffenen Zugmaschine entstand ein Schaden von rund 52.000 Euro.
Etwa 80 Prozent der Schadenfälle sind auf Rehe zurückzuführen, weil sie flächenmäßig am weitesten verbreitet sind. Damwild, Rotwild oder auch Wildschweine kommen nicht in allen Regionen vor. Danach folgen mit etwa zehn Prozent Wildschweine und nochmals zehn Prozent mit kleineren Tieren wie Füchse oder Hasen.
Wildunfall und dann?
Nach der korrekten Sicherung der Unfallstelle mit Warnblinklicht und Warndreieck und dem Kümmern um verletzte Personen muss der Wildunfall, bedingt durch den Tierschutz, der Polizei gemeldet und gegebenenfalls ein Rettungswagen gerufen werden.
Läuft das Tier nach dem Zusammenstoß weg, wird der zuständige Jäger eine Nachsuche organisieren. Dafür ausgebildete Jagdhunde nehmen mit ihrem Führer die Fährte auf, um festzustellen, ob das Wild schwerer verletzt ist und um ihm gegebenenfalls unnötiges Leid zu ersparen.
Liegt das Tier verletzt auf der Straße, sollte es auf keinen Fall angefasst werden, weil es sich bedroht fühlen kann und dann ausschlägt oder auch beißt. Ein totes Tier kann vorsichtig mit Schutzhandschuhen zur Seite gezogen werden. Das Mitnehmen der Tiere wäre Wilderei und somit eine verbotene Straftat.
Der Unfall muss außerdem dokumentiert werden. Von der Polizei oder dem Jagdpächter kann eine Wildschadenbestätigung ausgestellt werden. Die Versicherung ist so schnell als möglich zu kontaktieren, da auch Unfallspuren am Fahrzeug erst nach der Begutachtung durch die Versicherung entfernt werden sollten.
Bilder: (1) © lunamarina / fotolia.com (2) © ALLIANZ DEUTSCHLAND AG
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