Fast jeder dritte Wildunfall in Bayern

Veröffentlichung: 25.08.2017, 06:08 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Mit knapp 263.000 Unfällen mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild erreichte die Zahl der Wildunfälle in Deutschland laut GDV-Schadenbilanz einen Höchststand. Dies entspricht 10 Prozent mehr, als noch im Jahr 2014. Somit kommt es bundesweit alle zwei Minuten zu einem Wildunfall.

(PDF)
Auto-vs-Hirsch-11554558-FO-lunamarinaAuto-vs-Hirsch-11554558-FO-lunamarina

Autofahrer sollten deshalb immer auf der Hut sein, denn Wildunfälle sind nach wie vor ein unterschätztes Risiko, besonders bei Dämmerung sollte erhöhte Achtsamkeit gelten. Statistisch gesehen passieren die meisten Unfälle zwischen 5 und 8 Uhr morgens und zwischen 17 Uhr und Mitternacht.

Verstärkte Aktivitätsphasen des Wildes sind im Frühjahr und zu den Paarungszeiten festzustellen. Zum einen, weil Rehe und Hirsche, wenn die Vegetation sprießt, verstärkt auf Nahrungssuche sind und Straßen dann öfter überqueren. Zum anderen weil im Sommer die Rehbrunft und im Herbst die Brunftzeit des Rotwildes beginnt. Die Tiere sind in der Paarungszeit hormongesteuert und geraten deshalb öfter in Konflikt mit dem Straßenverkehr.

Auch die Allianz hat nachgerechnet: 85 mal pro Tag, also alle 17 Minuten, kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Wild und einem bei der Allianz versicherten Fahrzeug. 31.250 Wildschäden verursachten einen Gesamtschaden von 71,44 Millionen Euro. Besonders oft krachte es dabei in Bayern mit 9100 Zusammenstößen. Das ist fast jeder dritte Wildunfall (29 Prozent).

Mit deutlichem Abstand folgen Niedersachsen mit 2900 (9,1 Prozent), Baden-Württemberg mit 2600 (8,3 Prozent), und Sachsen-Anhalt mit knapp 2500 (7,8 Prozent) Fällen. Autos in Bremen (40 Fälle/0,1 Prozent), Hamburg (97 Fälle/0,3 Prozent) und Berlin (175 Fälle/0,6 Prozent) blieben weitestgehend verschont.

Der durchschnittliche Sachschaden eines Wildunfalls lag bei rund 2300 Euro. Die Reparaturkosten dafür sind in Hamburg mit 2650 Euro pro Fahrzeug am höchsten, während sie in Nordrhein-Westfalen bei nur 2125 Euro liegen. Im Ausland kann es richtig teuer werden, durchschnittlich ist mit 2970 Euro pro Unfall zu rechnen. Der teuerste Schaden in 2016 wurde in Bayern von einem Rotwild verursacht. An der betroffenen Zugmaschine entstand ein Schaden von rund 52.000 Euro.

Etwa 80 Prozent der Schadenfälle sind auf Rehe zurückzuführen, weil sie flächenmäßig am weitesten verbreitet sind. Damwild, Rotwild oder auch Wildschweine kommen nicht in allen Regionen vor. Danach folgen mit etwa zehn Prozent Wildschweine und nochmals zehn Prozent mit kleineren Tieren wie Füchse oder Hasen.

Wildunfall und dann?

Nach der korrekten Sicherung der Unfallstelle mit Warnblinklicht und Warndreieck und dem Kümmern um verletzte Personen muss der Wildunfall, bedingt durch den Tierschutz, der Polizei gemeldet und gegebenenfalls ein Rettungswagen gerufen werden.

Läuft das Tier nach dem Zusammenstoß weg, wird der zuständige Jäger eine Nachsuche organisieren. Dafür ausgebildete Jagdhunde nehmen mit ihrem Führer die Fährte auf, um festzustellen, ob das Wild schwerer verletzt ist und um ihm gegebenenfalls unnötiges Leid zu ersparen.

Liegt das Tier verletzt auf der Straße, sollte es auf keinen Fall angefasst werden, weil es sich bedroht fühlen kann und dann ausschlägt oder auch beißt. Ein totes Tier kann vorsichtig mit Schutzhandschuhen zur Seite gezogen werden. Das Mitnehmen der Tiere wäre Wilderei und somit eine verbotene Straftat.

Der Unfall muss außerdem dokumentiert werden. Von der Polizei oder dem Jagdpächter kann eine Wildschadenbestätigung ausgestellt werden. Die Versicherung ist so schnell als möglich zu kontaktieren, da auch Unfallspuren am Fahrzeug erst nach der Begutachtung durch die Versicherung entfernt werden sollten.

Bilder: (1) © lunamarina / fotolia.com (2) © ALLIANZ DEUTSCHLAND AG

(PDF)

LESEN SIE AUCH

autodieb-108370878-fo-daniel-jedzuraautodieb-108370878-fo-daniel-jedzura
Flotte Fahrzeuge

Autoklau 2015: immer mehr Diebstähle und Schäden

18.659 kaskoversicherte Pkw wurden in 2015 gestohlen, das sind ca. 4 Prozent mehr als noch im Jahr 2014. Auch die durchschnittliche Entschädigung für jeden Diebstahl kletterte mit 15.611 Euro nach oben und erreicht somit eine neue Rekordhöhe. Der verursachte wirtschaftliche Schaden liegt bei über 291 Millionen Euro, das ist ein Plus von 11 Prozent.
auto-diebstahl-stange-1590508-PB-TheDigitalWayauto-diebstahl-stange-1590508-PB-TheDigitalWay
Flotte Fahrzeuge

Autodiebstahl: welche Städte sind sicher?

2015 wurden in Deutschland 36.476 Kraftwagen gestohlen. Die Polizei registriert somit fast 100 Autodiebstähle täglich. Besonders der Osten Deutschlands war bei den Langfingern beliebt. Autobesitzer in Großstädten wie Berlin oder Hamburg sind häufiger betroffen als in München oder Frankfurt am Main.
autos-auf-parkplatz-85133296-FO-Tomasz-Zajdaautos-auf-parkplatz-85133296-FO-Tomasz-Zajda© Tomasz Zajda / fotolia.com
Flotte Fahrzeuge

Kfz-Prämien: deutliche Unterschiede innerhalb einer Stadt

Um bis zu 23 Prozent variiert der Kfz-Versicherungsbeitrag mit der Postleitzahl innerhalb einer Stadt / Größte Preisunterschiede in Berlin (171 Euro), Hamburg (120 Euro) und Köln (82 Euro), geringste in Stuttgart und Bremen / Autoversicherung im Zentrum meist teurer als am Stadtrand.
5535be04-a21a-4192-b050-13d1a7c9a1b75535be04-a21a-4192-b050-13d1a7c9a1b7Sergey Nivens – stock.adobe.com
Flotte Fahrzeuge

Auto anmelden: was muss ich eigentlich alles beachten?

Wer sich ein neues oder gebrauchtes Auto zulegt, muss vor der ersten Fahrt das Fahrzeug bei der hiesigen Kfz-Zulassungsstelle anmelden. Dieser Vorgang kann vor Ort oder online erledigt werden. Welche Unterlagen sind nötig, damit die Zulassung auch reibungslos gelingt?

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht