PKV 2016 - Marktausblick der Assekurata

Veröffentlichung: 21.06.2016, 05:06 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Trotz Finanzmarktkrise und abgesenkter Rechnungszinsen blieb die Beitragssituation für viele Vollversicherte in der privaten Krankenversicherung (PKV) auch 2016 relativ entspannt. Dies zeigt die Entwicklung bei den von Assekurata gerateten Krankenversicherern (Assekurata-Durchschnitt). Die zuletzt geringen Beitragssteigerungen in der Vollversicherung werden aber nach Ansicht von Assekurata kein Dauerzustand bleiben. Die Angst vor steigenden Beiträgen verunsichert Kunden und Vermittler beim Neuabschluss und führt im Ergebnis zu anhaltenden Bestandsrückgängen. Auch in der Pflegeversicherung ist aufgrund des zweiten Pflegestärkungsgesetzes und möglicher Rechnungszinsabsenkungen mit spürbaren Beitragserhöhungen zu rechnen.

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Die Vollversicherung hat ein Zugangsproblem

In der Ergänzungsversicherung konnte die PKV im abgelaufenen Geschäftsjahr eine positive Entwicklung verzeichnen. Insgesamt wuchs die Zahl der Zusatzversicherungen von 2014 auf 2015 nach Verbandsangaben von 24,34 Mio. auf 24,77 Mio., was gegenüber dem Vorjahr (1,9 Prozent) ein Plus von 1,7 Prozent darstellt. In Zeiten, in denen der Verkauf von Krankheitskostenvollversicherungen zunehmend schwieriger wird, rücken Zusatzversicherungen generell immer stärker in den Fokus der Anbieter.

Die Zahl der Vollversicherten ist 2015 um 47.100 beziehungsweise -0,53 Prozent zum vierten Mal in Folge gesunken. Hauptgrund hierfür ist der rückläufige Zugang aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), welcher sich von 2009 bis 2014 mehr als halbiert hat.

Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung und Autor der Untersuchung, prognostiziert:

„Der negative Trend in Form von Bestandsverlusten in der Vollversicherung dürfte sich auch 2016 nicht umkehren. Wachstum ist in der Vollversicherung somit weiterhin nicht in Sicht. Zu groß scheinen im Zuge der Niedrigzinsen die Verunsicherung und die Angst vor der Unbezahlbarkeit der PKV-Beiträge im Alter auf Seiten der potenziellen Kunden aber auch der Vermittler zu sein.“

Keine Anzeichen für überhöhtes Beitragsniveau im Alter

Gerhard Reichl stellt fest:

Unsere Analysen zeigen jedoch, dass es der PKV gelingt, das Prämienniveau im Alter bezahlbar zu halten. Beispielsweise liegen bei den von Assekurata gerateten Krankenversicherern die Durchschnittsbeiträge der über 70-jährigen PKV-Versicherten in den Nicht-Beihilfe-Tarifen mit rund 420 Euro bei den Männern und 460 Euro bei den Frauen auf einem angemessenen Niveau.“

Der Assekurata-Durchschnitt deckt dabei nach vollversicherten Personen rund 60 Prozent des Marktes ab. Für ältere PKV-Versicherte, die ihre Versicherung vor 2009 abgeschlossen haben und Schwierigkeiten haben, ihre Beiträge zu bezahlen, existiert darüber hinaus mit dem Standardtarif eine wirksame Alternative. Hier liegt der Beitrag nach Angaben des PKV-Verbandes für Nicht-Beihilfeberechtigte im Durchschnitt bei lediglich 280 Euro.

Gerhard Reichl fordert:

„Nach unserer Auffassung sollte die Politik diesen Sozialtarif auch den Unisex-Versicherten zugänglich machen.“

Der Zulauf in den Standardtarif hat sich seit 2014 deutlich abgeschwächt. 2015 hat sich der Bestand gerade einmal um 300 Personen oder 0,66 Prozent auf 45.800 vergrößert (2014: 0,22 Prozent). Ein Grund hierfür dürften die zuletzt moderaten Beitragsanpassungen in der Vollversicherung sein.

2016 nur geringe Anpassungen – trotz sinkendem Rechnungszins

Im Durchschnitt der vergangenen 14 Jahre liegen die Anpassungssätze bei den von Assekurata gerateten Krankenversicherern im Normalgeschäft bei 4,7 Prozent und im Bereich der Beihilfe bei lediglich 2,7 Prozent. 2016 erhöhten sich die Tarife für Beihilfeversicherte im Assekurata-Durchschnitt lediglich um 0,5 Prozent und für Normalversicherte um 3,1 Prozent. Und das obwohl die meisten Versicherer den Rechnungszins im Bisex-, aber auch zum Teil schon im Unisex-Bestand weiter abgesenkt haben. Generell sind der aktuarielle Unternehmenszins (AUZ) und damit der Rechnungszins marktweit im Sinken begriffen. Von 2011 bis 2016 hat sich der AUZ im Assekurata-Durchschnitt um 0,9 Prozent-Punkte von 3,91 Prozent auf voraussichtlich 3,01 Prozent verringert. Reichl erläutert:

„Kurz- bis mittelfristig scheint damit ein Rechnungszins von 2,0 Prozent für den Großteil der PKV-Unternehmen durchaus realistisch, was aber mit Beitragsanpassungen einhergeht.“

Pflege wird 2017 für alle teurer

Gerade in der Pflegeversicherung, die aufgrund altersbedingt steigender Schadeneintrittswahrscheinlichkeiten einen langen Ansparprozess beinhaltet, macht sich ein niedrigerer Rechnungszins in der Beitragserhöhung besonders bemerkbar, wie das dargestellte Berechnungsbeispiel zeigt. So müsste ein 30-Jähriger bei einer Absenkung des Rechnungszinses von 2,75 Prozent auf 2,00 Prozent bei einem Neuabschluss für den gleichen Tarif fast 30 Prozent mehr bezahlen als heute. Wenngleich der Beitragsunterschied in unserem Beispieltarif nur bei 9 € im Monat liegt, addiert sich jedoch über die gesamte Vertragslaufzeit von 50 Jahren und mehr die Mehrbelastung auf mehrere Tausend Euro.+

Neben der drohenden Rechnungszinsabsenkung sorgt aber allein schon das zweite Pflegestärkungsgesetz dafür, dass die Beiträge 2017 sowohl in der privaten Pflegeplicht- als auch in der Pflegeergänzungsversicherung steigen werden. Reichl erklärt:

„Dies gilt auch für Alttarife, die mittels eines Sonderanpassungsrechtes an die Gesetzesänderung angepasst werden.“

GOÄ-Reform wird wohl vertagt

In der Vollversicherung könnte ein deutliches Honorarplus im Zuge der Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) den Anpassungsdruck verschärfen. Die längst überfällige Reform der mehr als 30 Jahre alten GOÄ ist jedoch vorerst ins Stocken geraten. Zunächst sah es so aus, als würde die SPD ihre Zustimmung zur GOÄ-Reform von der Rückkehr zur Beitragsparität abhängig machen. Nun, da das Präsidium der Bundesärztekammer Mitte März die Vorlage zur neuen GOÄ wegen unzureichender finanzieller Honorarverbesserungen für die Ärzteschaft abgelehnt hat, ist kaum noch mit einer Umsetzung in dieser Legislaturperiode zu rechnen.

Den 24-seitigen Ausblick können Interessenten auf der Internetseite www.assekurata.de kostenlos downloaden.

Bild: (1) © olly / fotolia.com (2-4) © ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH

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