Grüne Policen liegen im Trend
In den bisherigen Nischenmarkt für "grüne" Versicherungen könnte bald Bewegung kommen. So ergibt eine Umfrage der Strategie- und Managementberatung zeb, dass mehr als 85 Prozent der Kunden bei gleichem Preis und gleicher Leistung zu einem nachhaltigen Versicherer wechseln würden. 87 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, ihnen sei wichtig, keine Unternehmen zu fördern, die Raubbau an der Natur betreiben. Immerhin gut 50 Prozent sprachen sich gegen Investments in Atomenergie oder Kohlekraft aus.
Tatsächlich gibt es inzwischen Versicherer, die nachhaltige Angebote in ihre Produktpalette zu integrieren versuchen. Zu den Vorreitern zählt die Concordia oeco, die als erste Versicherung transparente Positiv- und Negativkriterien für die Anlage ihrer Kundengelder formuliert hat. Auch in der Sachversicherung zeigen sich erste nachhaltige Versicherungslösungen. Zwei dieser Produkte wurden von der Bayerischen Versicherung und der NV-Versicherung entwickelt - in Kooperation mit der 2015 vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung ausgezeichneten "grün versichert GmbH", in deren Auftrag auch die zeb-Befragung entstand. Das besondere an den beiden Policen: Die Versicherer garantieren, mindestens jenen Teil ihrer Beitragseinnahmen in nachhaltige Anlagen zu investieren, der aus den "grünen" Tarifen stammt. Darüber hinaus erhalten die Kunden Mehrleistungen bei nachhaltiger Lebensweise. zeb-Partner Dr. Matthias Uebing sagt:
"Trotz dieser Beispiele haben die meisten Versicherungen das enorme Potenzial nachhaltiger Policen noch nicht erkannt. So gibt es am deutschen Markt keinen einzigen Anbieter, der sich auf breiter Flur in diesem Feld zu positionieren versucht."
Lohnend sei eine entsprechende Ausrichtung aber allemal, ist Uebing überzeugt:
"Bei unserer großen Social-Banking-Studie 2012 kam heraus, dass hierzulande rund 16 Millionen Menschen zur Zielgruppe für sozial-ökologische Bankgeschäfte zählen - wobei diese Kunden im Schnitt hochgebildet sind und über ein signifikant überdurchschnittliches Einkommen verfügen. Unsere jetzige Befragung legt den Schluss nahe, dass das Potenzial im Versicherungsbereich ähnlich hoch sein dürfte."
Die Fondsbranche und die Bankenindustrie haben auf die entsprechenden Kundenwünsche schon vor Jahren reagiert. So sind nachhaltige Investmentfonds als Anlageklasse längst etabliert - und EthikBank, die GLS Bank, die Triodos Bank Deutschland und die UmweltBank wachsen seit Jahren zweistellig. Wie weit die Assekuranz im Vergleich dazu hinterherhinkt, zeigen weitere Ergebnisse der aktuellen zeb-Befragung. So wissen zwei von drei Kunden gar nicht, dass eine nachhaltigere Ausrichtung im Versicherungsbereich überhaupt möglich ist. Das wiederum erklärt, warum weniger als fünf Prozent der Teilnehmer angaben, sich im Vorfeld eines Versicherungsabschlusses über entsprechende Alternativen zu informieren. Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH:
"Die Quintessenz der Befragung ist ziemlich eindeutig: Dass nachhaltige Versicherungen kaum nachgefragt werden, liegt allem Anschein nach nicht an mangelndem Interesse - sondern an fehlender Beratung und Vermittlung. Versicherer und Makler, die die Möglichkeiten dieses Markts rechtzeitig erkennen, haben darum beste Chancen, mit nachhaltigen Angeboten ein ebenso nachhaltiges Geschäft zu generieren."
Bild: © dianabahrin1 / fotolia.com
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