E-Mail-Flut frisst Arbeitszeit
In neun von zehn Unternehmen sind die Mitarbeiter mit permanent überfüllten Postfächern konfrontiert. 52 Prozent von ihnen fällt es laut einer Potenzialanalyse von Sopra Steria Consulting schwer, die Priorität empfangener E-Mails auf Anhieb richtig einzuordnen.
Viel Zeit verlieren insbesondere Führungskräfte überdies in Meetings, die nur geringe oder gar keine Relevanz für persönliche Arbeitsaufgaben haben. Die Studienergebnisse untermauern einmal mehr die Notwendigkeit, sowohl die digitale als auch die analoge Kommunikationskultur im Unternehmen mit ganzheitlichen Perspektiven neu zu überdenken.
Die schnelle Weitergabe wichtiger Informationen gilt zu Recht als großer E-Mail-Vorzug. Um gleichzeitig alle Beteiligten über aktuelle Projekte stets auf dem Laufenden zu halten, haben sich in vielerorts breitstreuende Verteiler eingebürgert – mit der Folge, dass die meisten E-Mail-Postfächer buchstäblich überquellen: Bei einer Umfrage im Auftrag von Sopra Steria Consulting gaben 90 Prozent der Teilnehmer an, dass in ihrem Unternehmen zu viele E-Mails im Umlauf seien. Mehr als die Hälfte von ihnen sieht sich zudem außerstande, die geschäftliche Dringlichkeit eingehender Mails auf den ersten Blick zu erkennen. Mit 62 Prozent sind Führungskräfte davon überdurchschnittlich häufig betroffen.
Bewusster Umgang mit Informationen
„Für E-Mails gilt prinzipiell dasselbe wie für alle anderen digitalen Kommunikationstechnologien – sie erfordern einen zielorientierten, bewussten Umgang mit den Informationen – und damit oftmals eine Anpassung der Unternehmenskultur. Sonst droht die jeweilige Technologie, ihr ursprüngliches Einsatzziel in sein Gegenteil zu verkehren“, kommentiert Petra Bollmer, Managerin Human Capital Management Solutions bei Sopra Steria Consulting.
Der Umgang mit E-Mails gibt Aufschluss darüber, wie zusammengearbeitet wird oder Entscheidungen getroffen werden: Eine hohe Anzahl von E-Mails und eine permanente Nutzung der CC-Funktion (etwa zur Information der Führungskraft) deuten auf zu lange und somit langsame Entscheidungswege hin. Diese Art der Kommunikation ist ungeeignet, wenn es auf einen vernetzten, agilen Informationsaustausch ankommt.
Statt sämtliche E-Mails breit gestreut und damit ungezielt an zu viele Kollegen zu verteilen, empfiehlt die Managerin, über alternative Kommunikationslösungen nachzudenken. In der Projektarbeit böten sich beispielsweise ergänzend der Einsatz von Social-Business-Plattformen oder Online Communities an, da sie jederzeit kontextbezogen einen vollständigen Überblick über alle relevanten Statusinformationen ermöglichen. Mit derartigen Plattformen lässt sich in vielen Situationen ein deutlich effizienterer Wissenstransfer in Gang setzten als mit E-Mails allein.
Ineffektive Meetings
Als ineffektiv erweist sich laut Studie auch die Besprechungspraxis vieler Unternehmen: 64 Prozent der befragten Führungskräfte – 20 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der Befragten – nehmen häufig an Meetings ohne Relevanz für das persönliche Aufgabenfeld teil. „Zeitraubende Besprechungsrituale gehören auf den Prüfstand. In dieser Hinsicht können sich etablierte Unternehmen durchaus an unkonventionellen Startup-Methoden orientieren, bei denen etwa prägnante morgendliche Kurzbesprechungen im Stehen die klassischen Meetings mit überfrachteter Agenda ersetzen. Denn in der digitalen Ära kommt es im Wettbewerb immer stärker auf das Tempo an, mit dem Entscheidungen getroffen und Innovationsideen in marktreife Angebote umgesetzt werden können. Insofern ist ein effizienter Wissensaustausch von strategischer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen“, so Petra Bollmer.
Bild: © M.Gove / fotolia.com
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