Knappe Liquidität: Risiko für Finanzmärkte

Veröffentlichung: 23.07.2015, 08:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die über die vergangenen Jahre hinweg schwindende Liquidität an den Anleihemärkten stellt ein zunehmendes Risiko für die Finanzmärkte dar. Bei einem Sturm der Anleger auf das weitgehend unregulierte Schattenbankensystem in Folge ökonomischer Schocks oder anderer negativer Ereignisse drohen starke Kursschwankungen und Verwerfungen. Zu dieser Einschätzung kommt Bill Gross, Fondsmanager und Anlagestratege des amerikanischen Asset-Managers Janus Capital in seinem aktuellen Investmentausblick.

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„Zwar haben die Regulierungsbehörden die Risiken bei klassischen Banken gesenkt, doch faktisch sind diese Risiken nur auf jemand anderen innerhalb des Systems übertragen worden“, warnt Gross.

Seiner Ansicht nach haben die Finanzaufseher guten Grund darüber nachzudenken, ob der Ausdruck "Sturm auf die Banken" überhaupt noch zeitgemäß und angebracht ist angesichts der heutigen Strukturen im Finanzsektor, bei denen einzelne Teilnehmer kaum reguliert und weniger liquide sind als traditionelle Banken. „Investmentfonds, Hedge-Fonds und ETFs sind Teil des sogenannten Schattenbankensystems. Für diese modernen "Banken" gelten weder strenge Eigenkapitalregeln noch müssen sie bestimmte Liquiditätsreserven für den Notfall vorhalten“, kritisiert der Janus-Experte. „Diesen Playern ist mittlerweile so viel Liquidität durch private und institutionelle Anleger wie etwa Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds zugeflossen, dass sie weitgehend selbst den Markt darstellen ¬- mit der Folge, dass sie im Fall der Fälle nur an sich selbst verkaufen können, ohne dass die US-Notenbank die Möglichkeit hätte mit Hilfsmaßnahmen einzugreifen.“

Gross weist darauf hin, dass nach Zahlen von Barclays Research der Umsatz am Markt für Investmentgrade-Anleihen seit dem Jahr 2005 um 35 Prozent und bei Hochzinsanleihen sogar um 55 Prozent zurückgegangen ist, obwohl das Volumen an ausstehenden Emissionen im gleichen Zeitraum gestiegen ist. „Dennoch gibt es immer noch eine Art von Liquiditätsillusion“, so Gross, „dabei ist es offensichtlich, dass nicht alle Investoren zur gleichen Zeit durch einen immer schmaleren Ausgang passen, wenn sie verkaufen wollen.“

Im System aus Schattenbanken müssten die Handelspartner bei ihren Geschäften daher darauf bedacht sein, ihre Margen auszuweiten, wenn die Kurse auf breiter Front nach unten gehen. „Doch während etwa Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds Mechanismen eingebaut haben, die verhindern, dass die Investoren von einem Tag auf den anderen ihre Gelder abziehen, müssen Investmentfonds und ETFs ihre Vermögenswerte zu jedem Preis auf den Markt werfen, wenn ihre Anleger etwa im Zuge einer Krise die Nerven verlieren und ihre Anteile im großen Stil zurückgeben.“ Doch auch in einem moderaten Börsenumfeld steigen für die Besitzer von ETF- und Fondsanteilen die Preisrisiken, wenn die Liquidität an den Märkten knapper wird. „Wir haben noch keine Erfahrung damit, wie sich Investoren und Märkte verhalten werden, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum hinweg nach unten gehen und gleichzeitig den Notenbanken und der Politik die Hände gebunden sind, um stützend einzugreifen“, gibt Gross zu Bedenken. „Gerade eine solche Phase könnte zur Nagelprobe für die Liquidität werden.“ Nach Einschätzung von Gross gibt es einige viele Möglichkeiten und Ereignisse, die zu einem Sturm auf das Schattenbankensystem führen könnten. Dazu zählen falsche geldpolitische Entscheidungen der US-Notenbank ebenso ein Wiederaufflammen der Griechenlandkrise oder wachsende geopolitische Risiken und nicht zuletzt eine konjunkturelle Abschwächung in den Emerging Markets, allen voran der chinesischen Volkswirtschaft. „In diesen Fällen werden die meisten Investoren wohl alles andere als gelassen die Ereignisse verfolgen“, prognostiziert der Janus-Stratege und empfiehlt Anlegern: „Halten Sie immer einen ausreichend hohen Cashanteil in Ihrem Portfolio - dann sind Panikverkäufe für Sie kein Thema mehr.“

Bild: © geralt / pixabay.com

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