Resilienz-Index: vier von fünf Unternehmen nicht auf Krisen vorbereitet

Veröffentlichung: 25.04.2024, 06:04 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

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Stormy economic crisisStormy economic crisis

Die deutsche Wirtschaft ist krisengefährdet und ihre Widerstandsfähigkeit muss gestärkt werden – darin sind sich Unternehmen und Beschäftigte einig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung des Marktforschungsinstituts Mentefactum, beauftragt von der R+V Versicherung. Bislang hat nur jedes fünfte Unternehmen konkrete Gegenmaßnahmen ergriffen.

Inflation, Krieg, Energiekrise, Rezession, Klimakrise – die Wirtschaft ist derzeit bedroht wie selten, die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt. Doch wie robust ist speziell der Mittelstand? Und welche Handlungsfelder beeinflussen seine Wettbewerbsfähigkeit? Dazu hat die R+V Versicherung in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Mentefactum 200 mittelständische Entscheiderinnen und Entscheider sowie 1.000 Beschäftigte befragt.

Das Ergebnis: Bislang fördern gerade einmal 22 Prozent der Unternehmen aktiv ihre Widerstandskraft – zum Beispiel, indem sie mit gezielten Maßnahmen Kunden und Personal langfristig halten, IT-Systeme sicher machen oder Rücklagen bilden und sich gegen Ausfälle versichern. Das bedeutet auch: Vier von fünf Firmen sind noch nicht auf Krisen vorbereitet. Entweder blieben sie bislang komplett untätig (33 Prozent) oder wägen aktuell noch geeignete Maßnahmen ab (45 Prozent). Und das, obwohl ein Großteil der Befragten die deutsche Wirtschaft als sehr krisengefährdet einschätzt. Jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) sieht sich selbst sogar durch die wirtschaftliche Lage akut bedroht.

Resilienz-Index bei 64 Punkten – Unternehmen halten sich trotzdem für handlungsfähig

„Der deutsche Mittelstand zeigt sich nur mittelmäßig resilient“, erklärt Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von Mentefactum, der die Studie begleitet hat. Aus den Antworten von Unternehmern und Beschäftigten in mittelständischen Unternehmen hat sein Institut den Resilienz-Index gebildet. Dieser wird anhand von zehn Faktoren wie etwa dem Digitalisierungsgrad des Betriebes, den finanziellen Rücklagen oder den Angeboten zur Mitarbeiterbindung errechnet. Außerdem wird berücksichtigt, wie die Befragten ihre Krisenanfälligkeit und ihr Engagement zur Förderung der eigenen Widerstandskraft einschätzen. Das Ergebnis: Der Index für Unternehmen liegt bei 64 von 100 Punkten – aus Sicht der Beschäftigten sind es 61 Punkte. Dennoch sind 82 Prozent der Entscheiderinnen und Entscheider überzeugt, Krisen gut meistern zu können. „Diese Selbsteinschätzung zeigt eine Diskrepanz zur tatsächlichen Situation – und erklärt möglicherweise, warum Unternehmen zu selten handeln, um sich zukunftssicher aufzustellen“, sagt Schöppner.

Mit dem Resilienz-Index liefert die R+V jetzt erstmalig ein umfassendes Lagebild im Hinblick auf Krisenfähigkeit, Risiken und Potenziale. „Es ist entscheidend, Resilienz aktiv und kontinuierlich zu fördern, um Risiken im geschäftlichen Betrieb zu minimieren und Stabilität zu schaffen“, betont Jens Hasselbächer, Vorstand des Ressorts Kunden & Vertrieb der R+V Versicherung. „Das Bewusstsein der Unternehmen für die Krisenbedrohung ist da. Das ist ein guter erster Schritt auf dem Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit.“

Maßnahmen: Unternehmen agieren pragmatisch, aber unzureichend

Die Befragung zeigt auch: Wenn Unternehmen Maßnahmen ergreifen, konzentrieren sie sich vor allem auf stabile Kundenbeziehungen (84 Prozent), ein innovatives Produkt- und Service-Angebot (76 Prozent) sowie die Instandhaltung der Technik (74 Prozent).

Bei anderen Handlungsfeldern ist das Engagement geringer ausgeprägt – 48 Prozent der Unternehmen geben an, sich nur wenig um den Einsatz von Erneuerbaren Energien zur Sicherung der eigenen Energieversorgung zu kümmern. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) vernachlässigt nach eigener Aussage Investitionen in Digitalisierung und IT-Sicherheit. „Obwohl mehr als zwei Drittel der Entscheider alle der abgefragten Resilienzfaktoren als wichtig einstufen, scheinen sie in einigen Bereichen nicht handlungsfähig zu sein", sagt R+V-Vorstand Hasselbächer.

Jedes zweite Unternehmen hält externe Hilfen für wichtig

Doch was können Unternehmen konkret tun, um besser für Krisen gerüstet zu sein? Die Befragung zeigt: Jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) hält externe Hilfen für nützlich – jedes zehnte (9 Prozent) sogar für unbedingt notwendig. Zu den Bereichen, in denen die meisten Unternehmen gerne externe Unterstützung hätten, zählen IT-Sicherheit (49 Prozent), Technikinstandhaltung (47 Prozent), Erneuerbare Energien (43 Prozent) und Liquidität (42 Prozent). „Das deckt sich mit unseren täglichen Erfahrungen in Kundengesprächen: Die Verunsicherung von Unternehmen ist groß, gerade in Feldern, die nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören. Die Versicherungsbranche hat den klaren gesellschaftlichen Auftrag, der Wirtschaft Sicherheit zu geben, damit sie wachsen und Innovationen vorantreiben kann“, betont Hasselbächer.

Über den R+V-Resilienz-Index

Wie resilient ist der deutsche Mittelstand? Einen umfassenden Einblick in das Resilienzpotenzial von Unternehmen bietet der R+V-Resilienz-Index in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Mentefactum. Die Basis bilden die parallelen Befragungen von 200 Entscheiderinnen und Entscheidern in Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitenden sowie von 1.000 Beschäftigten. Beide Gruppen ordnen das Resilienz-Engagement ihres Unternehmens anhand von zehn vorgegebenen Kriterien ein; dazu zählen das Personalmanagement, die Digitalisierung oder Investitionen in Erneuerbare Energien. Die gewichtete Zusammenfassung der Werte für die einzelnen Aktivitäten bildet den R+V-Resilienz-Index – aus Sicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie der Beschäftigten.

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