Die Zukunft im Visier

DOMCURA feiert in diesem Jahr 40-jähriges Firmenjubiläum. Vorstandsvorsitzender Uwe Schumacher spricht mit dem experten Report über die Meilensteine dieser vier Jahrzehnte, Veränderungen als Chance und den eigenen Qualitätsanspruch für eine erfolgreiche Zukunft.

DOMCURA feiert in diesem Jahr 40-jähriges Firmenjubiläum. Was waren die herausragenden Meilensteine in der Firmengeschichte?

Uwe Schumacher: Als Erstes möchte ich unsere Mitarbeiter erwähnen und mich bei ihnen bedanken. Sie waren und sind ein großer Teil unseres Erfolges. Viele von ihnen haben die Unternehmensentwicklung vom Versicherungsmakler zum Assekuradeur im Jahr 2000 maßgeblich begleitet und zum Gelingen beigetragen. Dieser positive Spirit im Unternehmen war und ist bis heute der Grundstein für regelmäßige Innovationen.

Als Meilenstein betrachte ich zum Beispiel unsere Wohngebäudeversicherung Anfang der 90er-Jahre. Die Wiedervereinigung Deutschlands stellte uns damals vor die Herausforderung, die Häuser in Ostdeutschland zu versichern. In Westdeutschland wurde zu diesem Zeitpunkt einheitlich der Bauwert 1914 zugrunde gelegt. Im Osten war dies bei Gebäuden, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu DDR-Zeiten errichtet wurden, nicht möglich. DOMCURA führte damals das Klingelknopfprinzip ein: Ein Klingelknopf am Mehrfamilienhaus entsprach einer Wohneinheit. Mehr Informationen benötigten wir für die Prämienberechnung nicht. Während sich einige Wettbewerber mit komplexeren Umsetzungen beschäftigten, brachte dieser einfache und zugleich innovative Ansatz für DOMCURA Multiplikationseffekte und somit Wachstum.

Eine weitere, ganz neue Herangehensweise war in den 90er- Jahren, in der Wohngebäudeversicherung kein Risikomerkmal zu versichern, sondern „ein Stück Haus“ unter 200 m² zum Betrag von 380 Mark. Auf weitere Risikoabfragen wurde damals verzichtet. In den 2000er-Jahren zählten wir dann sehr lange zu den ersten und sehr wenigen Anbietern, die die Wohngebäudeversicherung auf Basis der m²-Angaben tarifierten. In der jüngeren Firmengeschichte war der Verkauf an MLP Mitte 2015 mit Einführung neuer Managementstrukturen der Beginn einer neuen Epoche. Und auch in dieser Phase punkteten wir wieder im Bereich Wohngebäude, bei Mr. Money belegten wir den ersten  Platz im Ranking mit dem besten Einfamilienhausprodukt.

Die Assekuranz steht vor der Herkulesaufgabe, sich neu zu definieren. Häufig wird von der „Versicherungsindustrie“ gesprochen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Den Begriff Industrie verbinden viele traditionell mit Technisierung und natürlich auch der Einführung der Automatisierung. Heute steht dafür generisch Digitalisierung als Synonym, obwohl es an dieser Stelle nicht das Gleiche ist. Obwohl ich mich mit dem Begriff Digitalisierung identifiziere, wie sicherlich auch die gesamte Branche.

Digitalisierung gliedert sich in meinen Augen in drei Bereiche. Erstens wirkt sie sich auf bestehende Prozesse aus. Wir alle müssen erkennen, wo sich positive Effekte durch Effizienz und Automatisierung langfristig ergeben. Unser Haus agiert bereits nach diesem Prinzip. Wir wollen unsere Kostenstruktur nachhaltig und rentabel gestalten und mit Automatisierungseffekten die Schlagzahl erhöhen. Wenn auch unsere Vertriebspartner entsprechend digital aufgestellt sind, können wir dem Versicherungsvermittler die Police innerhalb von 30 Sekunden übermitteln.

Zweitens ändern sich die Kundenanforderungen durch Apple, Amazon & Co. sehr schnell und sehr stark. Hier besteht der Bedarf an einem neuen Leistungsversprechen. Wir sind aufgefordert, nicht nur den Hausrat und das schicke Sofa zu versichern, sondern auch das Macbook, das Rennrad oder auch Wertsachen. Das bedeutet, in anderen Ökosystemen zu denken und nicht nur im traditionellen Versicherungsvertrieb.

Drittens eröffnet die Digitalisierung durch zum Beispiel neue Technologien der Versicherungsbranche ganz andere Möglichkeiten. Diese auch zu nutzen, verlangt Offenheit gegenüber den Chancen, die die Digitalisierung bietet. DOMCURA hat sich deshalb frühzeitig mit Blockchain beschäftigt und wird vergleichbare Überlegungen zum Einsatz auch bei Themen wie Chatbots oder künstliche Intelligenz anstellen.

Digitalisierung und Technisierung treiben die Branche. Gleichzeitig ist das wichtige und nötige Vertrauen in die Anbieter und Produkte der Schlüssel zum Erfolg. Wie kann dieser Spagat gelingen?

Diese Sicht teile ich zu 100 Prozent. Wir befinden uns nach wie vor in einer großen Gemeinschaft, in der Vertrauen wichtig ist. In unseren Produktwelten beweisen wir das immer wieder beim eingetretenen Schaden und somit im Leistungsfall. Vertrauen und Reputation, beide Elemente müssen erlebbar sein. Und nicht zu vergessen: Vertrauen muss man sich immer wieder aufs Neue erwerben. DOMCURA hat das über 40 Jahre hinweg geleistet und erfolgreich in die Tat umgesetzt. Heute müssen wir das auch im Bereich Technologie beweisen: sehr flexibel sein – mit einer schnellen Reaktionszeit.

Der Transformationsprozess verändert auch die Poollandschaft. Wie beschreiben Sie das Zukunftsmodell Poolanbieter?

DOMCURA wird als Assekuradeur ja eher als Versicherer gesehen, obwohl wir das formal nicht sind und alle nennenswerten Pools zu unserem Kundenkreis zählen. Mittelfristig wird der Markt konsolidieren und durch ein Oligopol dominiert werden. Wobei davon auszugehen ist, dass es immer Raum für bestimmte Spezialisierungen geben wird.

Der Versicherungsvermittlermarkt verlangt ebenso leistungsstarke Poolpartner. Nicht nur als Distributor von Produkten, sondern vor allem als Servicepartner. Beispielsweise mit technischer, juristischer oder vergleichender Expertise. Zusammenfassend kann man die Situation wie folgt beschreiben: Alle sprechen mit allen, fokussieren die jeweiligen Positionierungen und sind offen dafür, neue Bereiche und Engagements zu definieren.

Wie positioniert sich DOMCURA mit dem Qualitätsanspruch „GENIAL. EINFACH. SICHER.“ In diesem Spannungsfeld?

Gerhard Schwarzer, Gründer der DOMCURA, hatte diesen Qualitätsanspruch in den 2000er-Jahren eingeführt und daran auch in Verbindung mit der Neupositionierung der DOMCURA festgehalten. Wir stehen nach wie vor dahinter – auch in bewegten Zeiten, wie wir sie gerade jetzt erleben.

Bei diesem Dreiklang steht „genial“ für außergewöhnliche Produkte, die es in einer bestimmten Form oder auch auf andere Weise nur bei uns gibt. „Einfach“ soll es für unseren Vertriebspartner sein, damit er komplexe und schwierige Aufgaben für seine Anforderungen transformieren kann. Berater haben heutzutage so viele Themen auf dem Tisch: Versicherungsvermittlung, Immobilienvermittlung und -finanzierung, Ruhestandsplanungen  mit medizinischen Verfügungen und Vollmachten, Testament und so weiter. Als Anbieter muss man für sie einfache, klare und transparente Prozesse vorhalten. Und „sicher“ steht für die Haftungssicherheit, die wir unserem Vertriebspartner gewährleisten. Das ist ein selbstverständlicher und primärer Grundsatz.

 

DOMCURA war vor drei Jahren First Mover mit der Einführung eines Bausteins für unbenannte Gefahren, um alles abzusichern, was im Tarif an sich nicht enthalten ist.

Bei Einfamilienhäusern leistet DOMCURA  als einer der wenigen Anbieter noch bei Schäden an Ableitungsrohren.

Mit der Leistungsgarantie gibt DOMCURA die Zusage, dass er sich bei einer Umdeckung in keinem Fall schlechterstellt.

 

Die intelligente Verknüpfung von Mensch und Maschine wird ein maßgeblicher Erfolgsfaktor sein. DOMCURA war nationaler Gewinner der European Business Awards 2019 mit der digitalen Reisegepäckversicherung auf Basis der wegweisenden Blockchain Technologie. Welche auch digitalen Vorteile bieten Sie Ihrem Vertriebspartner – ganz im Sinne eines hohen Qualitätsstandards?

Durch den European Business Award in der Klasse Mittelstand als Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet zu werden, hat uns schon mit Stolz erfüllt, denn man kann sich dafür nicht bewerben.

Gute oder auch Premiumprodukte sowie verlässliche Risikoträger sind die Basis, um sich infolge auch im digitalen Wettbewerb behaupten zu können. Darauf bauen wir mit einer hybriden Betreuung unserer Vertriebspartner, die unsere primären Kunden sind, auf. Wir unterstützen nach wie vor deutschlandweit persönlich durch Maklerbetreuer. Wir sind auf Wunsch vor Ort oder digital ansprechbar und somit immer greifbar. Wobei wir die digitale Schiene, beispielsweise in Form von Webinaren, weiter intensivieren.

Im Mittelpunkt stehen dabei vertriebsunterstützende Themen, Hilfen für den Vermittleralltag, Wissenswertes aus der Schadenbearbeitung, technische Hilfen, Schnittstellen et cetera. Außerdem werden wir in diesem Jahr alle Sparten und Vermittlerschnittstellen an BiPRO anbinden. Auch die Schadenbearbeitung wird weiter optimiert. Seit sechs Monaten arbeiten wir auch mit Unterstützung eines Bots und greifen auf die Expertise eines InsurTechs zurück. Innovation ist und bleibt einer unserer Qualitätsansprüche – auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Wie muss sich ein Versicherungsvermittler strategisch aufstellen, um in der Beratung sowohl digital als auch analog wettbewerbsfähig zu sein?

Eine Krise fördert meist Dinge zutage, die auch unabhängig von ihr relevant sind, und schärft den Blick für Potenziale. Das gilt auch für den Versicherungsvermittler. Diejenigen, die sich öffnen und ihre Vorgehensweise verändern, werden sich behaupten. Multikanalfähigkeit für die Akquise und Kommunikation mit dem Kunden sind das A und O. Doch auch hier gilt: Die Vorgehensweise hängt vom Kunden ab. Empfehlungsmarketing, Facebook, Instagram, Videoberatung – all das können im Bereich der Privatkunden Erfolgsfaktoren für die Zukunft sein. Bei Gewerbekunden mag es anders aussehen. Vermittler können nach dem Motto neue Wege gehen: Für jeden etwas, aber nicht alles für jeden!

Welche Strategien und Maßnahmen verfolgen Sie, damit Ihre Vertriebspartner die Ansprüche hybrider Kunden erfüllen können?

Vertrauen und Zuverlässigkeit sind für uns strategische Erfolgsfaktoren, selbst wenn das etwas antiquiert klingen mag. Neue Maklerunternehmen, die sich zu 100 Prozent auf die digitale Welt fokussieren, müssen sich wie alle anderen Marktteilnehmer positionieren, differenzieren und natürlich auch behaupten. Deshalb wollen wir unser Beziehungsmanagement mit digitalen Elementen für das Beste aus beiden Welten verknüpfen.

DOMCURA hat 2019 das Produktportfolio im Bereich Privathaftpflicht, Rechtsschutz sowie Hausrat umfassend überarbeitet. Welche Impulse planen Sie für das Jahr 2020?

Nachdem Corona die Wirtschaftswelt buchstäblich auf den Kopf stellt, ist das primäre Ziel, dass Vertrieb und Betrieb gut aufgestellt bleiben. Eines unserer Ziele ist, unser Flaggschiff – die Absicherung von Einfamilienhäusern – noch attraktiver zu gestalten und somit das Leistungsportfolio zu schärfen. Mehr möchte ich aktuell dazu nicht verraten. Und wir werden auch besondere Hausobjekte, die sehr schwer versicherbar sind, fokussieren. All diese Maßnahmen werden unsere Spezialisierung im Gebäudebereich untermauern. Dabei werden auch neue Ökosysteme und Nachhaltigkeit langfristig mit eine Rolle spielen.

Der Orkan Sabine hat Deutschland im Februar überrollt und gezeigt, wie wichtig ein Elementarschutz für Gebäude und Hausrat ist. Welche Schadenbilanz ziehen Sie nach dem ersten Wintersturm 2020?

Wir sind mit Sabine und zwei weiteren, kleineren Unwettern sehr gut fertiggeworden. Friederike hatte uns seinerzeit wesentlich intensiver beschäftigt. Daraus wurden auch Lehre  gezogen und das Servicelevel neu aufgesetzt, die Prozesse verändert. Bereits beim telefonischen Erstkontakt werden alle Mitarbeiter integriert, um die Schäden zu erfassen. Somit konnten wir selbst an den heftigsten Tagen 92 Prozent aller telefonischen Meldungen und Anfragen sofort beim ersten Anruf telefonisch aufnehmen.

Ihr Produktportfolio zielt mit den Deckungskonzepten auch auf Premiumkunden ab. Welches Anspruchsdenken auf Kundenseite muss hier erfüllt werden?

Der Versicherungsvermittler ist unser primärer Kunde. Für ihn leisten wir Haftungssicherheit. Ist für ihn alles in Ordnung, muss sich auch der Endkunde nicht sorgen. Kunden, die vom Versicherungsvermittler betreut werden, möchten ein „Peace of Mind“ erhalten. Soll heißen, wenn das teuerste Eigentum zu versichern ist, muss gewährleistet sein, dass Qualität auch über der Prämie stehen kann und nicht die kurzfristige Freude am niedrigen Preis. Gleichwohl müssen auch günstige Produkte im Köcher sein, die ganz selbstverständlich schon in der Basisvariante auf den GDV-Empfehlungen basieren und im Vergleich ganz oben stehen können. Am Ende wollen wir für die Beratung die passende Lösung bieten. Und auch in Coronazeiten halten wir unser Serviceversprechen bei den Leistungsfällen ein. Unsere Domäne Gebäudeversicherung verlangt dies in aller Konsequenz. Gemäß unserem Slogan „Einfach. Genial. Sicher.“

Herr Schumacher, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zum Thema in der Mai-Ausgabe des experten-Report

 

Bilder: (1) © DOMCURA AG (2) © experten-netzwerk GmbH

Themen: