Jeder 2. Deutsche nimmt Geld für seine Fitnessdaten

Veröffentlichung: 25.08.2016, 08:08 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Immer häufiger werden Fitness-Armbänder genutzt. Verbrauchte Kalorien, Schrittzähler und vieles mehr wird per App erfasst. Für Versicherungen, Banken und Online-Dienstleister sind die Daten interessant, denn diese Informationen können in Verbindung mit deren Angeboten sehr aufschlussreich sein. Risikobereite Menschen würden sie für Geld auch offenlegen.

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Eine aktuelle Studie untersucht nun erstmals umfassend, wie groß das Potenzial für die kommerzielle Nutzung von Quantified Self-Daten ist und auf welche Faktoren es dabei ankommt. Das Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie. hat im Juni 2016 im Rahmen einer repräsentativen Umfrage 1.011 Verbraucher zwischen 15 und 69 Jahren zum Self Tracking und zur Bereitschaft, persönliche Daten weiterzugeben, online befragt.

Insgesamt erheben demnach bereits 21 Prozent der Bevölkerung Daten zu ihrem eigenen Leben. Den deutlich größten Anteil haben dabei Fitness- und Gesundheitsdaten, 18 Prozent werden bereits erfasst. Darauf folgen die Bereiche Ernährung (5 Prozent), Finanzen (3 Prozent) sowie Persönliches und Intimes sowie Energieverbrauch (jeweils 2 Prozent). Während Frauen häufiger Fitness und Ernährung dokumentieren, liegen die Männer beim Tracking von Finanzen und Energieverbrauch vorne.

Datenweitergabe an die Krankenkasse

Selbsterhobene Daten zum Bewegungsverhalten würden 54 Prozent der Bevölkerung sogar an ihre Krankenkasse übermitteln, 21 Prozent bereits für einen Bonus von 50 Euro im Jahr. Interessant ist, dass 44 Prozent sogar der Weitergabe an den Arbeitgeber zustimmen, wenn sie dafür ein halbes Monatsgehalt mehr erhalten würden.

Daten zum Fahrverhalten (Telemetrie) würden ebenfalls 44 Prozent der Befragten an ihre Kfz-Versicherung senden, durchschnittlich für einen Bonus von 160 Euro im Jahr. Deutlich skeptischer sind die Deutschen bei der Übermittlung von Gesundheitsdaten an Banken, um einen günstigeren Kredit zu bekommen; für zwei Drittel ist hier die Grenze erreicht. Allerdings wäre jeder Dritte für eine Ermäßigung von rund 550 Euro dazu bereit.

Personen mit hoher Risikoneigung, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, sind in einem besonderen Maße bereit, ihre Daten weiterzugeben. Dabei wird allerdings auch eine Selbstüberschätzung deutlich: Männer mit mindestens einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung auf der letzten Autofahrt haben die höchste Zustimmungsrate zur Übermittlung ihrer Telemetrie-Daten an Kfz-Versicherungen, obwohl gerade für sie die Versicherung wohl deutlich teurer werden dürfte.

Daniel Althaus von Dr. Grieger & Cie. Marktforschung erläutert:

„Die Auswertung und der Vergleich von Self Tracking-Daten können vielen Menschen ein realistischeres Bild von sich selbst vermitteln.“

Die beeindruckende Mehrheit teilt das Datenschutzverständnis des Grundgesetzes: 96 Prozent sind der Ansicht, ohne explizite Zustimmung der Betroffenen sollten keine Daten übermittelt werden dürfen.

Im Zweifelsfall müssen sich die Bürger aber an die eigene Nase fassen: Nur 43 Prozent lesen die Datenschutzerklärungen von Online Shops, die von Self Tracking-Anwendungen lesen nur 24 Prozent. Vier von fünf Deutschen ergreifen zwar selbst Maßnahmen zum Datenschutz, dies geht bei den meisten aber nicht über das Löschen der Browserhistorie hinaus.

Althaus führt weiter aus:

„Privater Datenschutz kann von weiten Teilen der Bevölkerung praktiziert werden, aber er muss dazu einfach und verständlich sein.“

Die vollständige Studie „Quantified Wealth Monitor 2016“ finden Interessierte hier.

Bild: (1) © grandeduc / fotolia.com (2) © Dr. Grieger & Cie. Marktforschung

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