Der Gotthard-Basistunnel – ein außergewöhnliches Risiko

Veröffentlichung: 20.05.2016, 05:05 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Megabauprojekte wie der Gotthard-Basistunnel bergen enorme Risiken wie Niederbrüche, Feuer, Wassereinbruch, Gasaustritt, Erdbeben, schweres Gerät, Sprengstoffeinsatz oder der Mensch selbst. Die Schäden können sich im Extremfall schnell auf mehrere hundert Millionen Franken summieren.

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Das bedeutet, ohne entsprechende Versicherungslösungen wäre das Risiko beim Bau des Gotthard-Basistunnels allein bei der Bauherrschaft AlpTransit Gotthard AG bzw. bei den beteiligten Bauunternehmungen verblieben.

Keine Versicherungslösung "von der Stange"

Aufgrund ihrer weltweiten Expertise bei Großprojekten und ihrer Finanzstärke kam die Allianz Suisse als einer der Hauptversicherer der gesamten Neuen Alpen Transversale (NEAT), bestehend aus den Großprojekten Gotthard-, Ceneri- und Lötschberg-Basistunnel, als Versicherungspartner zum Zuge - mit einer Versicherungssumme von rund 11 Milliarden Franken. Beat Guggisberg, Leiter Technische Versicherungen, blickt zurück:

"Es gab weltweit nur wenige Gesellschaften, die entsprechende Erfahrung hatten und das Risiko adäquat einschätzen konnten."

Der Geophysiker und Risikoexperte begleitet das NEAT-Projekt seit 20 Jahren, ist also quasi ein Mann der ersten Stunde. Zur Betreuung des gigantischen Bauprojekts stellte die Allianz Suisse ein Team von Versicherungsspezialisten aus den Bereichen Haftpflicht, Unfall, technische Versicherungen und Schaden zur Verfügung. Eine Versicherungslösung von der Stange gab es dabei natürlich nicht, denn für jedes Großprojekt muss ein individueller Versicherungsvertrag erstellt werden. Guggisberg betont:

"Bei der NEAT konnten wir nur beschränkt auf die Erfahrungen mit ähnlichen Projekten abstellen. Zu verschieden sind die geologischen Gegebenheiten und die Baumethoden. Die Risiken müssen deshalb zuerst mit Hilfe von Risk Management-Ansätzen ermittelt werden."

Bei solchen langfristigen Projekten können sich zudem die risikorelevanten Grundlagen mit der Zeit ändern. Großrisikoversicherungen werden deshalb während der Laufzeit immer wieder an neue Rahmenbedingungen angepasst. Aus diesem Grund besichtigten die Versicherungsexperten der Allianz Suisse auch regelmäßig die Baustellen, damit veränderte Ansprüche und neue Risikofaktoren früh erkannt werden und dann die notwendigen Vertragsanpassungen vorgenommen werden konnten.

Erfreulicher Schadenverlauf

Die Arbeiten am Gotthard bildeten in jeder Beziehung ein außergewöhnliches Risiko. Neben dem Bauwerk selber galt es auch, die am Bau beteiligten Personen sowie die eigens für diesen Zweck gebauten Infrastruktureinrichtungen wie Betonwerke, Verladeterminals, Umspannanlagen, Deponien, Sprengstofflager, Kantinen sowie Büro- und Wohncontainer zu versichern. Besonders kritisch waren die großen Arbeitstiefen mit hohen Temperaturen und druckhaftem Gebirge sowie die Gefährdung durch die schweren Maschinen. Schlaflose Nächte hatte der Risikoexperte Guggisberg deshalb aber nicht. Er zieht ein positives Fazit:

"Die Herausforderungen wurden von den Ingenieuren und Unternehmungen perfekt gemeistert und wir hatten auch versicherungsseitig von der Risikobegleitung über die Schadenabwicklung bis hin zu Nachverhandlungen alles im Griff."

Der größte Einzelschaden betrug knapp zwei Millionen Franken, als vor rund zehn Jahren in Sedrun ein Tunnel beim Vortrieb zusammengesackt war und stabilisiert werden musste - zu einer Bauverzögerung hatte das aber nicht geführt. Erschütterungen oder Bergschläge, die durch den Tunnelbau verursacht wurden, waren andere Schadenbeispiele, welche die Versicherungsexperten der Allianz Suisse beschäftigten. Durch aktives Risikomanagement der Bauherrschaft blieben die Schäden trotz des enormen Risikopotenzials für die Allianz Suisse insgesamt sogar unter den Erwartungen im Tunnelbau. Guggisberg blickt bereits voraus:

"Wir sind stolz, dass wir unsere Risiko-Expertise nicht nur bei diesem wichtigen Projekt voll mit einbringen konnten. Der Lötschberg-Basistunnel ist ja bereits voll in Betrieb, jetzt gilt es, auch den Bau des Ceneri-Basistunnels noch weiter zu begleiten."

Bild: © Tomasz Zajda / fotolia.com

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