Der ExistenzPlan der Bayerischen

Alternative Versicherungslösungen für die Absicherung der Arbeitskraft etablieren sich zunehmend im deutschen Versicherungsmarkt. Mit dem Tarif ExistenzPlan hat die Bayerische ihr Tarifportfolio um eine Grundfähigkeitenversicherung ergänzt.

Eine interessante Tariflösung, die basierend auf einigen exemplarisch ausgewählten Tarifmerkmalen den Versicherungslösungen der wichtigsten Wettbewerber gegenübergestellt werden soll – Eine Tarifbesprechung von AssekuranZoom.

Der Münchener Lebensversicherer bietet die Grundfähigkeitenversicherung mit einem hierarchischen Tarifkonzept an.

Bereits der Grundtarif ExistenzPlan aktiv sichert 15 motorische, feinmotorische und sensorische Grundfähigkeiten sowie den Verlust der Fahrerlaubnis Pkw, das Risiko einer gerichtlich angeordneten Betreuung und eine potenzielle Pflegebedürftigkeit ab.

Sofern sich der Versicherungsnehmer für einen weiteren Ausbau seines Versicherungsschutzes mit dem Tarif ExistenzPlan kreativ entscheidet, wird die bereits im Grundtarif umfassend  bemessene Liste der versicherten Risiken um intellektuelle und die Grundfähigkeiten Schreiben und Benutzung einer Tastatur verlängert. Eine ähnliche, allerdings dreistufige Tarifstruktur findet sich auch beim Tarif Vitalschutz der Swiss Life.

Im Gegensatz zu den Tarifen der Bayerischen und der Swiss Life haben die Dortmunder Lebensversicherung und die Gothaer Lebensversicherung die versicherten Risiken über alle drei Tarifstufen bunt gestreut, was bei der Vermittlung der ersten beiden Tarifstufen eine sehr gewissenhafte Beratungsdokumentation durch den Versicherungsmakler erfordert.

Verkürzter Beurteilungs-/Prognosezeitraum

Für die Prüfung des bedingungsgemäßen Verlustes einer versicherten Grundfähigkeit benennen Canada Life (Premiumtarif), Dortmunder Lebensversicherung, Gothaer Lebensversicherung und Swiss Life einen Beurteilungs- beziehungsweise Projektionszeitraum von 12 Monaten. Ihre Leistungsprüfung stellt die Bayerische auf einen 6-Monats-Zeitraum ab. Die Nürnberger Lebensversicherung zieht hier gleich, räumt diesen allerdings nur bei Abschluss des Premiumtarifs ein.

Wichtigste versicherte Grundfähigkeit

Bei der Prüfung von Grundfähigkeitenversicherungen sollte der wichtigsten versicherten Grundfähigkeit, dem Verlust der Fahrerlaubnis Pkw, besondere Aufmerksamkeit zukommen. Eine qualifizierte Absicherung des Risikos senkt die Schwelle für einen leistungspflichtigen Versicherungsfall deutlich ab.

Während sich beispielsweise nach den Versicherungsbedingungen der meisten Anbieter von Grundfähigkeitenversicherungen ein Verlust der Grundfähigkeit Sehen mit einem Sehkraftverlust von mindestens 95 Prozent begründet, führt schon eine Einbuße der Sehkraft um mehr als 50 Prozent zum Verlust der Fahrerlaubnis Pkw (Fahrerlaubnisklasse B).

Die Bayerische listet den Verlust der Fahrerlaubnis Pkw bereits im Grundtarif ExistenzPlan aktiv als versichertes Risiko und zieht mit der Swiss Life gleich, die dies ebenfalls im Versicherungsumfang ihres Grundtarifs Vitalschutz Power ausweist.

Die Dortmunder Lebensversicherung sieht eine Absicherung dieses Risikos nur im Rahmen einer beitragspflichtigen Option vor. Die Tarife von Canada Life, Gothaer Lebensversicherung und Nürnberger Lebensversicherung umfassen diesen Versicherungsschutz erst in der Premiumstufe.

Es ist nicht nur eine Aufnahme des Verlusts der Fahrerlaubnis Pkw in den Katalog der versicherten Risiken zu prüfen, auch die genauen Leistungsvoraussetzungen müssen hinterfragt werden. So sollte beispielsweise nicht der Verlust einer Fahrerlaubnisklasse, zum Beispiel „B“, in den Versicherungsbedingungen benannt, sondern der Versicherungsschutz generalisierend für den Verlust der Fahrerlaubnis Pkw erklärt werden.

Sowohl die Bayerische, Canada Life, die Dortmunder Lebensversicherung, die Nürnberger Lebensversicherung als auch die Swiss Life erfüllen diese Anforderung.

Die Gothaer Lebensversicherung führt hier aus, dass ein bedingungsgemäßer Verlust der Fahrerlaubnis Pkw erst vorliegt, wenn die versicherte Person wegen einer körperlichen Ursache keinerlei Kraftfahrzeuge mehr im Straßenverkehr führen kann. Allerdings benennt der Gesetzgeber in der Fahrerlaubnisverordnung beispielsweise auch Mofas, motorisierte Krankenfahrstühle oder Elektromobile für Senioren als Kraftfahrzeuge.

Vor allem junge Menschen in urbanen Ballungsräumen stellen den Erwerb des Führerscheins oft hintenan. Für diesen Personenkreis würde dieser wichtige Versicherungsschutz somit verpuffen. Auch dieser Tatsache hat die Bayerische Rechnung getragen. Die Versicherungsbedingungen führen aus, dass sich ein Leistungsanspruch in den ersten 10 Jahren, gerechnet ab dem möglichen Alter für einen Erwerb der Fahrerlaubnis Pkw, auch mit der Nichterteilung der Fahrerlaubnis aus medizinischen Gründen belegen lässt. Auch Canada Life erklärt, dass die Nichterteilung einer Fahrerlaubnis (Pkw oder Krad) aus medizinischen Gründen einen leistungspflichtigen Versicherungsfall begründet; der Versicherer verzichtet dabei auf eine zeitliche Befristung.

 

Bild: © gpointstudio / fotolia.com