Private Vorsorge, bAV oder ETF?

Nur ein Drittel der jungen Menschen im Alter von 17 bis 27 spart regelmäßig für das Alter – so eine aktuelle Studie der MetallRente. Gleichzeitig gehen 86 Prozent davon aus, ohne eigenständige Vorsorge von Altersarmut betroffen zu sein. Die Gründe für die zögerliche Bereitschaft sind oft fehlende Informationen, Überforderung oder auch die sogenannte „Aufschieberitis“.

Carolin Meiner, Vorsorgeexpertin der IDEAL Versicherung, zeigt, wie eine Altersvorsorge bereits in jungen Jahren möglich ist.

Welche Möglichkeiten der Altersvorsorge gibt es?

Wer sich in jungen Jahren mit dem Thema Altersvorsorge auseinandersetzt, kann bei der komplexen Thematik schnell den Überblick verlieren. Das sogenannte Drei-Säulen-Modell bietet da gute Anhaltspunkte zur Orientierung. Es setzt sich aus den drei unterschiedlichen Möglichkeiten der Altersvorsorge zusammen: gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge.

Die gesetzliche Rentenversicherung umfasst die erste Säule und dient als Basis: Jeder Angestellte und auch einige Selbstständige müssen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Im Angestelltenverhältnis teilen sich dabei Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Beitrag zu gleichen Teilen. Allerdings deckt die gesetzliche Rente häufig nur knapp 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens ab. Daher empfiehlt sich ein Blick auf die weiteren Säulen.

Die zweite umfasst die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Seit 2002 haben Arbeitnehmer das Recht auf eine bAV durch Entgeltumwandlung. Dabei werden bis zu 4 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens in die Altersvorsorge eingezahlt. Der Vorteil: Arbeitnehmer müssen keine Steuern oder Sozialabgaben auf diese Beiträge zahlen. Hier kann es sich lohnen, bereits zu Beginn der Karriereleiter mit dem Arbeitgeber über eine bAV zu sprechen.

Private Lebens- und Rentenversicherungen bilden dann die dritte Säule. Hierbei handelt es sich um private Vorsorgeverträge, die ohne eine staatliche Förderung auskommen. Anleger haben hier die Möglichkeit, beliebig hohe Beiträge aus ihrem Nettogehalt einzuzahlen.

Worauf sollten junge Menschen achten und welcher Beitrag reicht zu Beginn aus?

Die jüngere Generation muss von ihrem Lohn etwa doppelt so viel aufwenden wie Ältere, um die Vorsorgelücke im Alter zu schließen. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Altersvorsorgebedarf im Zeitverlauf“ von der Prognose AG im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Wie hoch die persönliche Rentenlücke voraussichtlich sein wird, zeigt der Rentenrechner des GDV. Wie viel zusätzlich privat angespart werden sollte, hängt vor allem mit der Länge des Ruhestands und der Lebenserwartung zusammen.

Berufseinsteiger können eine private Rentenversicherung bereits ab einem monatlichen Beitrag von 30 bis 50 Euro abschließen. Wichtig in jungen Jahren: Auf eine flexible Gestaltung der Versicherung achten!

Die Beiträge sollten sich an die verschiedenen Lebensabschnitte wie Berufswechsel, Hochzeit, Familiengründung, Teilzeit oder Sabbatical anpassen oder zeitweise auch aussetzen lassen. Zusätzlicher Vorteil einer privaten Absicherung: Wahl des Renteneintrittsalters und Auszahlungsmodus lassen sich häufig individuell bestimmen – monatliche Rente, Einmalzahlung oder eine Kombination aus beidem.

Welche weiteren Alternativen gibt es zum Vermögensaufbau für die Altersvorsorge?

Neben den drei klassischen Säulen kann auch jede weitere Form des Vermögensaufbaus für die Altersvorsorge genutzt werden. Dazu zählen zum Beispiel Indexfonds wie Exchange- Traded Funds (ETFs), Rohstoffe oder Immobilien. Vor allem ETF-Sparpläne sind aktuell in aller Munde. Mit einem festgelegten monatlichen Betrag zahlen Anleger in einen Aktien-Indexfonds, etwa den DAX, ein.

Bei der Auswahl des richtigen Index sollte das Risiko möglichst gering gehalten werden. Es lohnt sich daher, in weltweite Anlagen zu investieren – so können Schwankungen langfristig gesehen ausgeglichen werden.

Die Fondssparpläne sind vor allem für junge Leute interessant, da sie sich bereits ab 25 Euro im Monat lohnen. Eine seit Jahren bewährte und vermeintlich sichere Alternative sind Investitionen in Edelmetalle wie Gold. Wichtig zu wissen: Der Goldpreis entwickelt sich meist gegenläufig zu den Aktienkursen. Außerdem ist es empfehlenswert, Gold in Münzen oder Barren und nicht in Wertpapieren zu kaufen, da diese in einer Finanzkrise nicht geschützt sind.

Wer in Gold investieren möchte, sollte dies jedoch als Ergänzung des Depots sehen. Auch Immobilien können eine sinnvolle Erweiterung des Sparplans darstellen – egal ob selbst genutzt oder vermietet. Wer so eine Investition in Erwägung zieht, sollte in jedem Fall eine Musterberechnung zur Rendite durchführen lassen und diese mit anderen Geldanlagen vergleichen.

Carolin Meiner arbeitet seit knapp zehn Jahren in der Versicherungsbranche – zuletzt in einem Berliner InsurTech. Bei der IDEAL ist sie als Produktmanagerin für die Entwicklung der Produktstrategie von Altersvorsorgeprodukten verantwortlich.

 

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