Bedeutung des Brexits für britische Lebensversicherer und deren Kunden

Am 29. März 2019 ist es soweit: Großbritannien tritt aus der EU aus. Doch was bedeutet das für englische Lebensversicherer und deren Kunden?

Aus aktueller Sicht ergeben sich laut der ProLife GmbH vier potentielle Problemfelder:

1. Problemfeld:

Sollten die englischen Lebensversicherer ihren Sitz weiterhin in England haben und bis zum Stichtag keine anders lautende Regelung in Kraft treten, könnten Stand heute englische Lebensversicherungsverträge, darunter auch zahlreiche deutsche und österreichische Kunden aufgrund des Wegfalls des sogenannten „passporting“ die Gültigkeit verlieren. Die Tragweite und mögliche Auswirkungen wären verheerend.

2. Problemfeld:

Viele Lebensversicherer planen bereits aufgrund des oben genannten Sachverhalts ihren Sitz in einen anderen EU-Staat zu verlegen. Als Anlaufstelle gilt das Finanzzentrum in Dublin. Irland sieht jedoch, anders als in Deutschland oder England, keinen Insolvenzschutz für Besitzer von Lebensversicherungen vor. Somit gäbe es keine staatliche Einrichtung mehr, die Kunden vor einem Totalausfallrisiko der Verträge schützen würde.

3. Problemfeld:

Durch einen  unregulierten Brexit kann es zudem zu massiven Kursstürzen an den Börsen kommen. Experten gehen davon aus, dass der englische Leitindex langfristig deutlich niedriger als vor dem Brexit notieren wird. Zudem sprechen Ratingagenturen von einer möglichen Abwertung des englischen Pfunds. Dies würde das Finanzzentrum London weiter schwächen und möglicherweise eine Sogwirkung auf Finanzplätze wie Frankfurt oder Paris ausüben. Demzufolge könnten alle Lebens- und Rentenversicherungen, die am Kapitalmarkt und im Besonderen dem europäischen Kapitalmarkt investiert sind, ein überdurchschnittlich hohes Risiko tragen.

4. Problemfeld:

Die in Punkt 2 genannten Standortverlegungen englischer Lebensversicherer in ein anderes EU-Land, werden zudem mit einem hohen Verwaltungs- und Strategieaufwand verbunden sein. Die dadurch entstehenden Kosten würden den ohnehin schon angeschlagenen Kostenapparat vieler Unternehmen weiter belasten. Man muss sich die Frage stellen, ob auch Kundengelder genutzt werden, um diese außergewöhnlichen Belastungen mitzutragen.

 

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