Unzureichend versichert gegen Cyber-Crime und Naturkatastrophen

Weltweit sind Vermögenswerte in Höhe von schätzungsweise 163 Milliarden US-Dollar unterversichert, was eine erhebliche Bedrohung für den Lebensunterhalt und den globalen Wohlstand darstellt, so der Lloyd’s Global Underinsurance Report, A World at Risk.

Der Bericht wurde von Lloyd’s und dem Centre for Economics and Business Research (CEBR) entwickelt.

Versicherungslücke kaum geschlossen

Trotz des allgemeinen weltweiten Wirtschaftswachstums und der Zunahme neuer Bedrohungen seit 2012 wurde die Versicherungslücke seit der Veröffentlichung des ersten Lloyd’s Underinsurance Reports nur um weniger als 3 Prozent geschlossen. Dieser begrenzte Fortschritt kommt zu einer Zeit, in der die Schwere und Häufigkeit von Wetterkatastrophen zugenommen hat. Darüber hinaus entstehen und entwickeln sich globale Risiken wie Cyberkriminalität schnell und stellen neue und komplexe Bedrohungen für die Gesellschaft dar. Schätzungen zufolge kosteten Cyber-Angriffe allein im Jahr 2017 Unternehmen zwischen 445 und 608 Milliarden US-Dollar.

Cyber-Versicherungen in Europa

Die Zahl der Abschlüsse von Cyber-Versicherungen ist in Europa im Vergleich zu den USA sehr gering. Die geringe Anzahl an Abschlüssen ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass in der Region vor der Einführung der DSGVO in diesem Jahr keine strengen Vorschriften erlassen wurden.

Mit der DSGVO und ihren verbindlichen Anforderungen für die Meldung von Datenverletzungen wird die Nachfrage nach Versicherungsschutz gegen Cyber-Risiken in Europa vermutlich steigen.

Die Abschlussrate für Cyber-Versicherungen im Jahr 2016 betrug in Deutschland 30 Prozent, in Großbritannien 36 Prozent und in den USA 55 Prozent.

Das europäische Versicherungsbild ist allerdings nicht einheitlich, denn nicht alle europäischen Länder oder Sektoren riskieren die gleiche Unterversicherung. Die Niederlande bleiben mit 7,7 Prozent das Land mit der höchsten Versicherungsdurchdringung der Welt.

Auswirkungen auf Europa

Ein Überblick über die Auswirkungen von Katastrophen und Unterversicherungen in den folgenden europäischen Ländern:

  • In Deutschland sind einige Regionen, wie Bayern und Sachsen, besonders anfällig für Überschwemmungen. Im Jahr 2013 erreichte die Donau ihren höchsten Wasserstand seit 500 Jahren. Das Hochwasser forderte 26 Menschenleben und hinterließ Schäden in Höhe von 17,4 Milliarden US-Dollar (0,46 Prozent des BIP). Hinzu kommt, dass der Produktionssektor in Bezug auf seine Versicherungsdurchdringung deutlich hinter jener Frankreichs oder Irlands liegt, obwohl dieser Sektor sehr bedeutsam für die deutsche Wirtschaft ist.
  • In Frankreich hat der Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf den Agrarsektor des Landes und insbesondere auf die Weinanbaugebiete. Im April 2017 hatte der frühe Frühling, kombiniert mit starkem Frost, einen verheerenden Einfluss auf die Traubenernte. Dieses extreme Wetter hat Schätzungen zufolge Verluste in Höhe von 4,2 Milliarden US-Dollar verursacht, von denen nur 0,95 Milliarden US-Dollar (weniger als ein Viertel) versichert waren.
  • In Italien stellen Erdbeben ein beträchtliches Risiko dar, allerdings besteht in diesem Bereich weiterhin eine Unterversicherung. Zwischen 2014 und 2017 erlitt Italien hohe, nicht versicherte Schäden verursacht durch Naturkatastrophen, darunter eine Reihe von Erdbeben, von denen jedoch nur 12 Prozent versichert waren.

Klimawandel als großer Risikofaktor

Laut Lloyd’s City Risk Index könnten Naturkatastrophen und klimabedingte Risiken die Wirtschaftsleistung in Europa um 13,34 Milliarden US-Dollar reduzieren. Angesichts der natürlichen Entwicklung der europäischen Volkswirtschaften, werden zudem auch die Geschäftsrisiken wie Cyber-Attacken steigen. Gegenwärtig könnten europäische Städte jedes Jahr 9,36 Milliarden US-Dollar durch diese Bedrohung verlieren, wie Lloyd’s City Risk Index zeigt.

Der Umgang mit diesen Risiken wird durch Investitionen in Resilienz deutlich verbessert. Dies umfasst zum Beispiel Investitionen in den Bau hochwertiger Infratruktur und Gebäude sowie Versicherungen zur Minderung oder Milderung der Auswirkungen von Naturkatastrophen.

Bruce Carnegie-Brown, Lloyd’s Vorstandschef, sagt:

„Versicherungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Katastrophenvorsorge und bieten häufig die schnellste verfügbare Lösung zur Entlastung einer Finanzkrise. Innovative Versicherungslösungen können Regierungen nach einer Katastrophe schnell Zugang zu finanziellen Erleichterungen verschaffen und sie als auch Steuerzahler entlasten. Wenn keine Versicherungen verfügbar sind, können Katastrophen viel größere Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Leben haben.“

 

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