Versicherungsbranche im digitalen Zeitalter

Die neuen digitalen Technologien werden die Versicherungsbranche insgesamt und auch deren Rolle bei den Versicherungsnehmern verändern. Dies geht aus dem Bericht „Versicherungen im digitalen Zeitalter: ein Blick auf die wesentlichen Implikationen für Wirtschaft und Gesellschaft“ der The Geneva Association hervor.

Big Data, künstliche Intelligenz und Internet of Things (IoT) bleiben die Schlagworte, die ausschlaggebend für die Veränderungen in der Branche sind.

Neue Geschäftsmodelle

Ein Blick auf die wesentlichen Implikationen für Wirtschaft und Gesellschaft” zeigt, dass die größte Quelle der Wertschöpfung durch die Digitalisierung der Versicherungen in der Fähigkeit liegt, neue und stärker kundenorientierte Produkte und Lösungen zu entwickeln.

Durch den technologischen Fortschritt werden sowohl die Risikominderung und Risikoprävention effektiver als auch sich neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Die Versicherungen werden verbraucherbezogener, neue Risiken werden abgesichert und sie nehmen immer mehr eine beratende Funktion ein: Sie stehen künftig den Verbrauchern mehr bei Fragen zur Schadensprävention und zum Schadenmanagement zur Seite, werden so zum Berater und nicht mehr nur Ansprechpartner im Falle eines Schadens.

Neue Möglichkeiten durch Technik

Durch die Echtzeit-Überwachung und Visualisierung wandelt sich die Beziehung des Versicherers zum Kunden. So können vom Versicherer erhobene Kundendaten auch dem Versicherten nützlich sein, um eventuell seine Verhaltensweise anzupassen und so das Schadenrisiko zu reduzieren. Davon profitiert dann auch der Versicherte und das Versicherungsunternehmen nimmt eine andere Rolle in dessen Leben ein. Risiken können auf diese Weise gemindert werden.

Durch Frühwarnsysteme aufgrund der Echtzeit-Überwachung kann zudem die Schadenshöhe begrenzt und damit die Kosten für Versicherer gesenkt werden.

Auch können Kunden durch die Erfassung der Daten von Angeboten profitieren, die schadenminderndes Verhalten belohnen.

Datensicherheit im Spannungsfeld

So viele Vorteile die Erfassung und Verarbeitung von Daten für den Versicherer und den Versicherten bringt, birgt dies auch Gefahren: Die Sicherheit der Daten muss gewährleistet werden, vor allem aber auch die Privatsphäre der Kunden.

Durch die neuen Technologien könnte es für Menschen, die einer hohen Risikokategorie zugeordnet werden, sehr schwierig werden, einen Versicherungsschutz zu erhalten. Vor allem durch den „gläsernen“ Menschen können Versicherungsunternehmen besser ihr Risiko einschätzen und den Schutz im schlimmsten Fall verweigern. Auch wenn dies grundsätzlich bereits nun schon so ist, könnte sich durch die Erfassung der Daten das Problem für potenzielle Kunden noch verschärfen.

Es besteht zudem die Sorge, dass etablierte Unternehmen, wie Amazon oder Google, ihre Monopolstellung beim Zugang zu persönlichen Daten ausnutzen und dies verwenden, um den Versicherungssektor zu benachteiligen. Dies könnte zu höheren Prämien und einer geringeren Produktvielfalt zum Nachteil der Kunden führen.

Digitalisierung verändert Natur der Risiken

Zum einen führt die Digitalisierung und der damit verbundene Datenaustausch zu einer Milderung der Risiken bei bestehenden Systemen, zum anderen beschleunigt sie aber auch neue. Wie so oft muss die Balance zwischen den neuen Risiken und den Vorteilen von neuen Technologien gefunden werden.

InsurTechs treten in die Branche ein, und Industrieunternehmen und etablierte Technologiegiganten halten nach Geschäftsgelegenheiten im Versicherungswesen Ausschau. Wenngleich es die Möglichkeit von beiderseitig vorteilhaften Partnerschaften mit Versicherern gibt, besteht die Sorge, dass diese Unternehmen zu direkten Konkurrenten der etablierten Versicherer werden könnten, insbesondere an der Schnittstelle zum Kunden.

 

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