Die neue Welt der bAV – Beitragszusage statt Garantie

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ist 2018 eine neue Form der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in Deutschland entstanden: Im Rahmen eines Sozialpartnermodells können Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in einem Tarifvertrag eine reine Beitragszusage für ihren Tarifbereich einführen. Ziel des Gesetzgebers ist es, mit der neuen Form der bAV renditeorientiertere und attraktivere Vorsorgelösungen zu schaffen.

Mit der reinen Beitragszusage soll die Verbreitung der bAV, speziell bei Geringverdienern und in kleinen und mittleren Unternehmen, verbessert werden.

Bei der neuen bAV sind die Arbeitgeber „nur“ zum Weiterleiten von Beiträgen in einen separaten Kapitalanlagestock verpflichtet und – das ist besonders wichtig für sie – von jeder weiteren Nachschussverpflichtung befreit.

Dr. Peter Seng, Leiter Zentralbereich
„Betriebliche Altersversorgung“, ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a. G.

Für die Kapitalanlage gelten liberalere Anlagevorschriften als für Lebensversicherer. Die Arbeitnehmer erhalten aus dem so angesparten Kapital eine lebenslange Rente – allerdings ohne Garantie. Laufende Renten sind vielmehr den Entwicklungen an den Kapitalmärkten unterworfen und können sowohl nach oben als auch nach unten schwanken.

In den letzten Monaten sind einige Angebote für solche Sozialpartnermodelle auf den Markt gekommen. Zu den Anbietern zählen nahezu alle führenden bAV-Versicherer, aber auch einige wenige Banken. Sie treten als einzelne Anbieter auf oder im Rahmen von Konsortien.

Die Konsortien setzen sich in der Regel aus Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit zusammen. Diese sind unabhängig in ihrer Geschäftspolitik. Das bedeutet, sie können sich voll und ganz an den Anforderungen und Wünschen der Tarifpartner und ihrer Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausrichten. Wenn die Gesellschaften zudem über hohe Solvenzmittel und eine starke Finanzkraft verfügen, können sie den Sozialpartnern eine dauerhafte und nachhaltige Zusammenarbeit bieten.

Initiative Vorsorge – Konsortium mit finanzstarken Partnern

Ein Konsortium, das die genannten Kriterien erfüllt, ist die Initiative Vorsorge (siehe Abbildung auf der nächsten Seite). Es wird von vier traditionsreichen und finanzstarken Lebensversicherern gebildet, mit der ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a. G. in federführender Position. Die weiteren Partner sind die Lebensversicherung von 1871 a. G. München, die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG und die VOLKSWOHL BUND Lebensversicherung a. G.

Neue Servicegesellschaft

Für die Beratung und Unterstützung der Tarifpartner hat die Initiative Vorsorge eine Gesellschaft gegründet, die die Vertriebskraft und das Know-how aller Partner in einem Service und Kompetenzzentrum bündelt. Die dezentrale Beratung und Betreuung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird durch das Maklernetz der beteiligten Versicherer sichergestellt.

Produktkonzept – Direktversicherung ohne Garantien

Das Produktkonzept der LebensRente basiert auf einer fondsgebundenen Direktversicherung ohne Garantien nach § 3.63 EStG, das gemeinsam mit den Sozialpartnern oder deren Beratern weiter ausgestaltet werden kann. Der Fokus liegt dabei auf einer lebenslangen Altersrente.

Sie entsteht durch die Beiträge und eine geglättete jährliche Zinszuweisung und baut sich so kontinuierlich auf. Als Ergänzung kann eine Basisabsicherung für den Fall einer Erwerbsminderung (Beitragsbefreiung) eingeschlossen werden.

Im Todesfall während der Anwartschaftszeit werden die vorhandenen Mittel in steuerbegünstigter Form an den Versorgungsberechtigten ausgezahlt. Ferner kann eine Mindestrentenlaufzeit vereinbart werden. Die LebensRente bietet flexible Dotierungsmöglichkeiten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es können laufende Beiträge, Einmalbeiträge, Arbeitgeberzuschüsse und Sicherungsbeiträge eingezahlt werden. Die Kostengestaltung ist transparent und einfach.

Kapitalanlage in guten Händen

Die eingezahlten Beiträge werden in einen Spezialfonds investiert, der die Gelder nach einem innovativen, kollektiven Kapitalanlagekonzept der HSBC Global Asset Management anlegt. Es wird pro Tarifvertrag ein eigener Spezialfonds aufgelegt, der schon in der Startphase flexible, kostengünstige und breit diversifizierte Anlagemöglichkeiten mittels ETFs bietet.

Wesentliches Gestaltungsmerkmal ist eine kollektive Kapitalanlage gemeinsam für Anwärter und Rentner. Diese ermöglicht eine stabile und langfristige Allokation der Mittel. Dadurch wird vermieden, im Zeitraum kurz vor und kurz nach dem Renteneintritt in substanziellem Umfang kurzfristig neu investieren zu müssen.

Die Kapitalanlage orientiert sich an den angestrebten Zielrenten und an den erwarteten Zahlungsflüssen. Mittels aufwendiger stochastischer Simulationsrechnungen wird dann eine Asset-Allokation ermittelt, die den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Sozialpartner am besten entspricht. Für die Anlage der Gelder steht ein breites, global diversifiziertes Anlageportfolio zur Verfügung. Und für die Stabilisierung der Rentenzahlungen sind diverse Puffer- und Absicherungsmöglichkeiten vorgesehen. Falls die Arbeitgeber Sicherungsbeiträge leisten, können auch diese zur Stabilisierung der Anlageergebnisse verwendet werden. Die konkrete Ausgestaltung der Kapitalanlage wird gemeinsam mit den Sozialpartnern vorgenommen.

Administration der LebensRente

Die Administration der LebensRente erfolgt durch die ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung a. G., einen führenden bAV-Versicherer mit langjähriger Erfahrung im Management von Versorgungssystemen und großer Serviceorientierung. Heute vertrauen circa 42.000 Unternehmen die Abwicklung ihrer Altersversorgung der ALTE LEIPZIGER an.

Für die Verwaltung selbst stehen verschiedene Alternativen zur Verfügung: klassisch über Papierdokumente, mittels elektronischem Daten- und Dokumentenaustausch oder auch internetgestützt über eine geeignete Portallösung. Die Vertragsdokumente, die für die Einrichtung der LebensRente und die erforderlichen tarifvertraglichen Regelungen benötigt werden, können an das jeweilige Sozialpartnermodell angepasst werden.

Mehr Engagement wünschenswert

Den Sozialpartnern stehen mittlerweile Angebote zur Umsetzung der reinen Beitragszusage zur Verfügung. Dennoch ist bisher eine große Zurückhaltung bezüglich der Einführung entsprechender Versorgungssysteme zu verspüren. Obwohl in diesem Jahr schon einige, auch große, Tarifverträge neu verhandelt wurden, wurde die reine Beitragszusage dabei noch nicht berücksichtigt. Ein größeres Engagement der Sozialpartner ist unerlässlich, um die Möglichkeiten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes für die notwendige Verbreitung der bAV zu nutzen.

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