Olaf Schindler: In 5 Jahren ist Smart Home Mainstream

Olaf Schindler, head of data driven business models bei innogy SE, wird auf der 4. InnoVario – Ideen- und Innovationsmarktplatz für die Versicherungswirtschaft am 19. und 20. November 2018  im Kameha Grand in Bonn sein. Er hat vorab Rede und Antwort gestanden.

Was beziehungsweise wen sehen Sie als Innovationstreiber in der Assekuranz?

Generell sehe ich durchaus viele positive Beispiele, die mir zeigen: Die Branche hat die Zeichen der Zeit erkannt! Viele Kooperationen zwischen Smart-Home-Anbietern und Versicherungen sind in den vergangenen Monaten an den Start gegangen. Bei genauerer Betrachtung der Kooperationen fällt aber auf, dass hier noch viel Potential steckt.

innogy SE ist zunächst ein Stromversorger für Strom aus erneuerbaren Energien. Wo liegen ihre Berührungspunkte mit der Versicherungswirtschaft?

Olaf Schindler, Head of Data Driven Business Models, innogy SE

Das ist richtig, zunächst ist die innogy SE als „grüner“ Stromversorger bekannt. Dennoch ist innogy als einer der Marktführer schon seit Jahren mit einer end-to-end-Lösung im Bereich Smart Home unterwegs. Gerade in diesem Bereich verschmelzen die Sektorengrenzen sehr plastisch, so kann ein Thermostat beziehungsweise dessen Daten neben der Heizenergiereduzierung auch zur präventiven Vermeidung von Schimmelpilz verwendet werden.

Des Weiteren sollten wir uns schnellstmöglich davon lösen, Unternehmen wegen ihrer historischen Bedeutung für eine Branche zu kategorisieren. Genau das kann uns zum Verhängnis werden, wenn sich global agierende Digitalunternehmen an diese Sektorengrenzen nicht mehr halten.

Inwiefern verändern intelligente Technologien die Versicherbarkeit von Risiken?

Bisher ist es so, dass Versicherer auf große Mengen vorhandener Informationen (Daten) zurückgreifen, um darauf basierend individuelle Risikoprämien zu berechnen. Neue Technologien, wie das IoT, haben insofern disruptiven Charakter für die Versicherungsbranche als dass Sie zum einen neue detaillierte Daten hervorbringen, aber auch völlig neue Wettbewerber. Des Weiteren ermöglicht der Zugriff bei Einwilligung der Kunden erstmalig das aktive Managen von Risikoprämien. So kann bei Unwetterwarnung – Einwilligung vorausgesetzt – die Versicherung die Markise einfahren, wenn der Bewohner unterwegs ist.

Welche Ansatzpunkte bieten Technologien wie Smart Home für Cross-Industry-Innovationen?

Anhand von Smart-Home-Technologie erkennt man sehr gut, wie Sektorengrenzen zunehmend verschmelzen. So ist zum Beispiel die Information, ob ein Fenster geöffnet ist oder nicht, aus Sicht eines Versicherers (Reduzierung der Einbruchswahrscheinlichkeit bei Abwesenheit) als auch etwa für einen Energieversorger (zur Reduktion des Heizenergiebedarfs) wichtig. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden eine Art IoT-App-Store exakt für diese „cross industry“-Services zu entwickeln.

Die Vernetzung von technischen Geräten wird durch den Austausch großer Datenmengen ermöglicht. Wie können Sie diese Daten und technischen Einrichtungen vor Cyber-Angriffen schützen?

Die zunehmende Vernetzung unserer Welt macht diese auch zunehmend angreifbar. Gerade der Hype um das Thema IoT lässt viele Marktteilnehmer, die exakt dies nicht gewährleisten können, auftreten.

Schon heute haben wir die einzige auf dem Markt befindliche end-to-end-zertifizierte Smart-Home-Lösung. Ein weiterer Punkt ist, dass wir viele der erzeugten Daten dezentral (in einem sogenannten HuB) speichern und dort verarbeiten. Dies geht auch mit zusätzlicher Datensparsamkeit und der Wahrung der Privatsphäre einher. Zu guter Letzt haben wir jüngst die Zusammenarbeit mit einem der Weltmarktführer im Bereich digitale Rechteverwaltung (DRM) bekannt gegeben.

Wo sehen Sie IoT in 5 Jahren?

In fünf Jahren wird sich Smart Home zum Mainstream durchgesetzt haben. Die Menschen leben selbstverständlich in intelligenten Häusern, die zunehmend über den Einsatz künstlicher Intelligenzen automatisiert zur Wohlstandserhöhung seiner Bewohner beiträgt. Dies betrifft alle Bereiche des täglichen Lebens. Unternehmen, die sich diesem Umstand nicht zeitig und mutig genug genähert haben, werden nicht überleben.

Welche Erwartungen haben Sie an die 4. InnoVario?

Nur drei Stichworte: Spaß, interessante Kontakte und neue Geschäftsbeziehungen.

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Bilder: (1) © Kenishirotie / fotolia.com (2) © innogy SE

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