Aon Marktreport: Rechtsabteilung wichtiger als Vertrieb

Aon hat seinen Report über den deutschen Versicherungsmarkt 2018 veröffentlicht und macht deutlich, dass sich die Risiken für Unternehmen dramatisch ändern.

Hartmuth Kremer-Jensen, Chief Broking Officer des globalen Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Aon, dazu:

„Früher hatte man Angst davor, dass ein Feuer ausbricht. Heute hat man Angst vor Post vom Rechtsanwalt.

DSGVO, Regulierungen, die zu hohen Haftpflichtrisiken führen, Sammelklagen bald auch in Deutschland: Für Unternehmen und ihre Manager wird das Arbeiten zum Spießrutenlauf. Angesichts der zahlreichen rechtlichen Anforderungen, die zeitgleich auf die Manager niederprasseln, wird in vielen Firmen für das eigentliche Kerngeschäft nur das Nötigste getan.“

DSGVO mit hohen Anforderungen

Die Datenschutz-Grundverordnung sei ein gutes Beispiel dafür. Deutschland hätte mit seinem Datenschutzgesetz bereits eine gut funktionierende Grundlage für Verbraucher und Unternehmen geschaffen. Die Standards seien so hoch gewesen, dass sich die EU mit der Datenschutz-Grundverordnung sogar weitgehend daran orientiert habe. Trotzdem seien viele deutsche Unternehmen bis heute noch mit der Umsetzung der DSGVO-Anforderungen beschäftigt.

Trends bei D&O-Versicherung

Der D&O-Markt in Deutschland bietet Managern guten Schutz zu bezahlbaren Preisen. Verschärfte Regulierungen und digitale Risiken rücken zusehends in den Fokus der Managerhaftung. Viele Unternehmen sind mit der Umsetzung der neuen Anforderungen überfordert. Erfüllen die Unternehmen die neuen Gesetzesvorgaben nicht, drohen hohe Bußgelder und Schadenersatzansprüche Dritter.

Für Manager ist wichtig, ob gegen das Unternehmen verhängte Bußgelder später vom Management zurückgefordert werden können. Dies ist in Deutschland noch nicht klar geregelt, weswegen Manager darauf achten sollten, dass ihre D&O-Versicherungsbedingungen in diesem Zusammenhang zu ihren Gunsten formuliert sind.

Herausforderungen im Automobilbereich

Der technologische Fortschritt bei Fahrzeugen und die Digitalisierung werden die Kfz-Versicherung der Zukunft prägen und grundlegend verändern. Neue Martktteilnehmer und komplett neue Mobilitätskonzepte können für die etablierten Kfz-Versicherer zu einer Gefahr werden.

Zudem wird die Automobilindustrie durch eine rechtliche Änderung vor Herausforderungen gestellt.

Hartmuth Kremer-Jensen erklärt:

„Wenn ab 1. November Musterfeststellungsklagen in Deutschland möglich sind, müssen sich die Autohersteller aufgrund des Abgasskandals auf Sammelklagen einstellen.“

Lediglich bei jungen und technikaffinen Kunden kommen die neuen Telematiktarife an, denn viele Kunden fürchten sich vor einer digitalen Überwachung durch Preisgabe ihrer Standortdaten.

Auch wenn der Trend zum autonomen Fahren nicht aufzuhalten ist, möchte der Gesetzgeber vom bewährten Halterhaftungssystem in absehbarer Zeit nicht abweichen. Somit wird der Kfz-Versicherer mit fortschreitender Automatisierung in Zukunft Ansprüche seines Kunden gegen Fahrzeughersteller geltend machen müssen.

Ein weiterer Trend im Schadenbereich wird die Schadenbegutachtung durch selbstlernende Software mit künstlicher Intelligenz sein. Anhand von Fotos werden in Zukunft Schäden durch einen vollautomatischen „Kfz-Sachverständigen“ genau ermittelt werden.

Haftpflichtversicherung: Digitalisierung der Unternehmen

Auch in vielen anderen Branchen nimmt der Trend zur Digitalisierung zu, weswegen die konkreten Anforderungen an den Haftpflichtversicherungsschutz und neuen Haftpflichtlösungen steigen. Dies wird den Dialog zwischen Versicherer, Kunde und Makler intensivieren.

 

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