Leistung trotz Motorstart bei Überschwemmung

Für Deutschland sagt der Wetterdienst wieder regionale heftige Sommergewitter und auch Unwetter voraus, Überschwemmungen nicht ausgeschlossen. Fahrzeuge gehen dann in den überfluteten Straßen oder auch Parkhäusern im wahrsten Sinne des Wortes baden.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob Versicherungsschutz besteht, wenn der Motor nach einer Überschwemmung nochmals gestartet wird. Ja, lautet das Urteil, wenn ein Fahrzeug unverschuldet überschwemmt wurde. Dann besteht Versicherungsschutz durch die Teilkaskoversicherung und es ist von keinem grob fahrlässigen Verhalten in dem versuchten Start des Motors zu sehen.

Ein Kastenwagen war am Pfingstmontagabend 2014 im Bereich einer Unterführung in Folge eines Sturms mit Starkregen in kürzester Zeit von Wasser umschlossen. Folglich musste der Fahrer des Wagens verkehrsbedingt in der Unterführung halten.

Da das Fahrzeug nicht in Sicherheit gebracht werden konnte, entstanden durch das eindringende Wasser Schäden im Motorraum. Der Fahrer des Wagens wollte dementsprechend seine Teilkaskoversicherung in Anspruch nehmen. Nachdem eine Schadenregulierung mit der Begründung abgelehnt wurde, dass der Fahrzeugführer durch den versuchten Motorstart nach der Überschwemmung einen Wasserschlag ausgelöst hat, reichte der Fahrzeugführer die Klage ein.

Die Klage wurde abgewiesen

Das Landgericht Münster wies die Klage ab und begründete, nachdem der Motor nach der Überschwemmung gestartet wurde, fehle eine unmittelbare Beschädigung des Motors durch die Überschwemmung. Daraufhin ging der Kläger in Berufung.

OLG bejaht Anspruch

Das Oberlandesgericht Hamm entschied in der nächsten Instanz zu Gunsten des Klägers und hob die Entscheidung des Landgerichts auf. Der Kläger hat Anspruch auf eine Leistung der Teilkaskoversicherung.

Es sei unzutreffend, dass eine unmittelbare Beschädigung des Motors durch die Überschwemmung fehlen würde. Schon alleine eine Überschwemmung erfordert die Reparatur des Motors und sie ist auch die letzte und damit unmittelbare Ursache für die Beschädigung des Motors gewesen. Ob durch den Motorstart der Schadenumfang vergrößert wurde, ist dabei nicht ausschlaggebend. Somit ist dem Kläger auch kein grob fahrlässiges Fehlverhalten anzulasten, das eine Kürzung oder sogar Ausschluss der Versicherungsleistung bedeuten würde.

Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 02.11.2016 – 20 U 19/16 –

 

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