Dienstwagenfinanzierung – Leasing oder Kredit?

Mobilität ist für viele Unternehmer eine Grundvoraussetzung, um mit der eigenen Firma Erfolg zu haben. Und hierfür brauchen Unternehmen einen Fuhrpark. Je nach Größe des Betriebs geht es hier um zwei bis drei Dienstwagen oder eine ganze Fahrzeugflotte, die mehrere hundert Pkw oder Transporter umfassen kann. Firmenfahrzeuge fallen den Unternehmen natürlich nicht in den Schoß. Unternehmen müssen ihre Fahrzeuge genauso über Händler beschaffen wie private Haushalte.

Finanzierung von Dienstwagen – es gibt verschiedene Ansätze

Auf deutschen Straßen sind laut Kraftfahrtbundesamt inzwischen mehr als 63 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs. Und ein nicht unerheblicher Teil gehört zu den Fahrzeugflotten der Unternehmen. Nach wie vor hält sich hartnäckig die Ansicht, dass Firmen mit dem Leasing als Form der Finanzierung am besten fahren. Ist diese Haltung gerechtfertigt? Oder hat vielleicht doch der Bankkredit in der gewerblichen Fahrzeugfinanzierung seine Berechtigung und gibt es noch weitere Finanzierungsansätze?

Leasing von Fahrzeugen

Leasing ist eine der gängigen Finanzierungsformen, wenn es um die Pkw-Finanzierung geht.

Vorteile im Überblick

Der Vorteil für Unternehmer liegt in der steuerrechtlichen Bewertung eines Leasingguts. Da es immer Eigentum des Leasinggebers bleibt und der Leasingnehmer ein „Nutzungsentgelt“ entrichtet, kann die monatliche Leasingrate direkt in der Steuer als Betriebsausgabe aktiviert werden. Hiermit entfallen komplexe steuerrechtliche Behandlungen für Abschreibung und die getrennte Buchung der Umsatzsteuer.

Ein zweiter Vorteil ergibt sich aus der Chance, die Leasingverträge sehr individuell abzufassen. So lassen sich Laufzeit des Vertrags und die Kilometerleistung im Sinn einer niedrigen Monatsrate anpassen. Wer als Unternehmer eher selten unterwegs ist, kann somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Hat das Leasing nur Vorteile?

Gibt es auch Nachteile?

Least ein Unternehmer Fahrzeuge, muss er sich auch mit den Nachteilen auseinandersetzen, die das Ganze hat. Hierzu gehören:

  • Rückgabe des Fahrzeugs
  • Überschreitung der Laufleistung
  • Verweis auf Kfz-Versicherung
  • Rücktritt kaum möglich
  • Auslandsfahrten.

Um was geht es hier genau?

  • Stolperfalle Rückgabe: Etabliert haben sich zwei wesentliche Leasingformen – das Kilometer- und das Restwertleasing. Beim Kilometerleasing wird eine feste Laufleistung vereinbart. Überschreitet der Leasingnehmer diese Kilometer, wird es teuer. Jeder Mehrkilometer ist dem Leasinggeber zu vergüten. Beim Restwertleasing entsteht ein finanzielles Risiko dadurch, dass der Leasinggeber den Ersatz eines höheren Wertverlustes verlangen kann.
  • Kaum Chancen auf Ausstieg: Leasingverträge für Kraftfahrzeuge machen nach dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e.V. (BDL) 75 Prozent des Gesamtleasinggeschäfts aus. Die Verträge werden in dieses Segment oft zwischen drei bis fünf Jahren abgeschlossen. Für den Zeitraum ist es schwierig, aus einem Leasingvertrag herauszukommen. Gerät ein Unternehmen in Schieflage, ist das Leasing ein Kostenfaktor.
  • Vollkasko-Versicherung: Wird sich für das Leasing entschieden, muss der Leasingnehmer die Steuer zahlen und wird auch bei den Versicherungen in die Pflicht genommen. In der Praxis bedeutet dies, dass Leasinggeber den Abschluss einer Vollkaskoversicherung vorschreiben – was die teuerste aller Varianten darstellt.

Kfz-Finanzierung – ein gangbarer Weg

Unternehmen können einen Pkw natürlich auch per Kredit finanzieren – was im ersten Moment nicht unbedingt einleuchtet. Schließlich wird regelmäßig das Leasing als wie gemacht für Firmen propagiert. In der Praxis kann sich aber auch ein Autokredit lohnen.

Zu dessen Vorzügen gehört die Schonung der Liquidität. Firmen müssen den Kaufpreis nicht sofort aus Eigenmitteln aufbringen, sondern verteilen den finanziellen Aufwand über die Kreditlaufzeit. Damit steht mehr Liquidität intern zur Verfügung. Gleichzeitig kann das Unternehmen im Jahr der Anschaffung die Umsatzsteuer aktivieren – hat also für das Anschaffungsjahr eine erhöhte Betriebsausgabe.

Parallel sind die Zinsen für den Kredit ein Posten, welcher die Betriebsausgaben erhöht. Und es gibt einen dritten Punkt, an den Firmenchefs mitunter nicht sofort denken: den Investitionsabzugsbetrag. Hierbei handelt es sich um die Chance, die Anschaffung steuerrechtlich vorzuziehen und bis zu 40 Prozent geplanter Investitionen zu einem früheren Zeitpunkt zu aktivieren.

Nachteile der Kreditfinanzierung

Der Autokredit hat natürlich auch Nachteile. Hierzu gehört die Tatsache, dass Fahrzeuge nicht komplett als Betriebsausgabe aktiviert werden können, sondern über Jahre abgeschrieben werden müssen. Für Neuwagen liegt der AfA-Zeitraum bei 6 Jahren, bei Gebrauchtwagen entscheidet das Alter des Fahrzeugs zum Erwerbszeitpunkt. Daher müssen Laufzeit des Kredits und die AfA aufeinander abgestimmt werden.

Weitere Nachteile sind:

  • Sicherungsabtretung an die Bank
  • Bank verlangt Vollkaskoversicherung
  • Ratenzahlung auch in finanziell schwierigen Phasen

Weitere Finanzierungsmodelle

Leasing und Autokredit sind die heute gängigen Finanzierungslösungen für Mobilität. In der Vergangenheit haben sich einige weitere Ansätze etabliert. Hierzu gehört etwa die Ballon- oder 3-Wege-Finanzierung. Deren Kernaspekt ist das Laufzeitende, an dem sich für

  • die Ablösung des Fahrzeugs oder
  • die Fahrzeugrückgabe

entschieden werden kann.

Eine weitere (noch recht moderne Variante) sind sogenannte Fahrzeugflatrates oder Dauermietkonzepte. Hierbei stellen Anbieter wie Autovermieter Unternehmen – gegen Zahlung eines Monatsfestpreises – Fahrzeuge zur Verfügung, die jederzeit gewechselt werden können. Der Vorteil: Mietwagen können im Rahmen dieser Verträge auch unterwegs einfach in Anspruch genommen werden. Damit entfällt der Aufbau und Unterhalt eigener Flotten.

Fazit: Die richtige Kfz-Finanzierung für Unternehmen

Firmen sind auf die Mobilität ihrer Beschäftigten und Geschäftsführung angewiesen. In den letzten Jahren haben in erster Linie Leasing und Bankkredit die Szene dominiert. Letzterer kann – entgegen verbreiteter Ansichten – durchaus Vorzüge haben. Seit einigen Jahren entwickeln sich am Markt neue Mobilitätskonzepte, mit denen Unternehmen ihren Anspruch an Mobilität wahren, bei den Kosten aber den Rotstift ansetzen können. Ob sich diese innovativen Ideen auf Dauer durchsetzen werden, wird auch von der Akzeptanz der Geschäftskunden abhängen.

Studie: Konditionenpolitik bei Kfz-Versicherern

 

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