Deutsche unterschätzen Lebenserwartung und Altersvorsorge

Laut einer Untersuchung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sind Wissenschaftler für eine Rentenauszahlung des angesparten Altersvorsorgevermögens anstatt einer einmaligen Kapitalzahlung.

Jochen Ruß, Studienautor vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, erklärt:

„Private Altersvorsorge wird in Zukunft von vielen nicht mehr für die Finanzierung von Extras, sondern zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter benötigt. Da man einerseits den gewünschten Lebensstandard bis zum Tod erhalten will und andererseits nicht vorhersagen kann, wie alt man wird, besteht ohne eine lebenslange Rente ein Risiko, länger zu leben, als das Geld reicht.“

Kollektive Lösungen wie die gesetzliche und die private Rentenversicherung sind für den Erhalt des Lebensstandards besser geeignet als individuelles Sparen.

Denn in der Versichertengemeinschaft gibt es einen Ausgleichsmechanismus durch den in der privaten Rentenversicherung Rentenhöhen wie bei einem auf die durchschnittliche Lebenserwartung kalkulierten Entnahmeplan möglich sind. Doch die private Rentenversicherung zahlt auch weiter, wenn jemand überdurchschnittlich lange lebt.

Kapitalauszahlung bevorzugt

Wenn die private Rentenversicherung fällig wird, entscheiden sich allerdings laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ungefähr zwei Drittel der Deutschen für eine einmalige Kapitalzahlung und nicht für eine lebenslange Rente.

Über die Hälfte der Befragten wollen 80 Prozent ihres Lebensunterhalts mit einer festen Rente finanzieren. Aber dennoch verrenten sie ihr Erspartes nicht. Sie verkennen, dass die Rentenversicherung nicht der Renditemaximierung dient, sondern damit eine unbekannte Lebensdauer abgesichert werden soll.

Deutsche unterschätzen ihre Lebenserwartung

Dazu kommt, dass die Gesellschaft immer älter wird. Aber dass die Lebenserwartung stetig steigt, ist den Menschen in Deutschland noch nicht bewusst.

Peter Schwark, GDV-Altersvorsorgeexperte, dazu:

„Viele denken bei der Lebenserwartung an ihre eigenen Eltern oder Großeltern und ziehen daraus Rückschlüsse für ihren eigenen Lebenshorizont.“

Aber die Lebenserwartung steigt von Generation zu Generation und darum sind Eltern und Großeltern kein Maßstab für die eigene Lebenserwartung. So wird ein im Jahr 1990 geborener Mann durchschnittlich neun Jahre älter als ein 1960 geborener. Bei Frauen sind es sieben Jahre.

Peter Schwark schlägt vor:

„Um das Wissen über die weiter steigende Lebenserwartung breiter zu verankern, wäre es hilfreich, wenn das Statistische Bundesamt vor allem über die Lebenserwartung einschließlich des zu erwartenden weiteren Zuwachses informiert.“

 

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