Lloyd’s City Risk Index: Börsencrash die größte Bedrohung

Risiken wie Cyberangriffe oder Börsencrashs stellen eine größere Bedrohung für die deutsche Wirtschaftsleistung dar als Naturkatastrophen wie Orkane und Überschwemmungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Lloyd’s. Demnach beläuft sich die Gefährdung der deutschen Wirtschaftsleistung auf geschätzte 4,96 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Bei dem gemeinsam mit der Cambridge University erstellten Lloyd’s City Risk Index handelt es sich um eine Studie, die die Auswirkungen von 22 Bedrohungen auf die erwartete Wirtschaftsleistung von 279 Städten bewertet.

Das Risiko in Deutschland

In Deutschland werden acht Städte im Lloyd’s City Risk Index analysiert: München, Stuttgart, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Dortmund – mit einem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt (BIP/GDP) von 1.180,57 Milliarden US-Dollar. Zusammen laufen sie Gefahr, durchschnittlich 8,41 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung zu verlieren, darunter 4,96 Milliarden durch von Menschen verursachte Risiken und 3,45 Milliarden durch Naturkatastrophen.

Von Menschen verursachte Bedrohungen sind für 59 Prozent aller deutschen BIP-Risiken (GDP@Risk = BIP-Risiko) verantwortlich. Mit einer durchschnittlichen Gefährdung der Wirtschaftsleistung von 2,17 Milliarden US-Dollar pro Jahr steht der Finanzmarktcrash dabei als größte Bedrohung für die deutsche Wirtschaft an erster Stelle. Cyberangriffe, Humanpandemien und Rohstoffpreisschocks gehören mit einem BIP-Risiko von insgesamt 3,42 Milliarden US-Dollar ebenfalls zu den fünf größten und teuersten Gefahren.

Mit 25,7 Prozent des gesamten BIP-Risikos (GDP@Risk) gegenüber 18,5 Prozent in ganz Europa sind die deutschen Städte stärker durch Risiken im Bereich Technologie und Luftraum gefährdet, was ihrer Hightech-Wirtschaft entspricht. München weist mit 1,72 Milliarden US-Dollar das größte BIP-Risiko auf.

Aus der Kombination von 22 durch Menschen und Naturkatastrophen verursachte Gefährdungen in dem Index ergibt sich Stuttgart als die Stadt mit dem zweithöchsten geschätzten Wirtschaftsverlust ($1,31 Milliarden), gefolgt von Berlin ($1,27 Milliarden), Hamburg ($1,23 Milliarden), Frankfurt am Main ($1,18 Milliarden), Köln ($760 Millionen), Düsseldorf ($700 Millionen) und Dortmund ($220 Millionen).

Die 10 größten Bedrohungen in Deutschland sind:

  • Börsencrash ($2,17 Milliarden geschätztes BIP-Risiko (GDP@Risk) pro Jahr)
  • Überschwemmung ($1,84 Milliarden)
  • Cyberangriff ($1,64 Milliarden)
  • Humanpandemie ($970 Millionen)
  • Rohstoffpreisschock ($800 Millionen)
  • Sonnensturm ($290 Millionen)
  • Stromausfall ($200 Millionen)
  • Frost ($160 Millionen)
  • Pflanzenepidemie ($90 Millionen)
  • Staatspleite ($70 Millionen)

Risiko in Europa

In Europa untersucht der Index 66 Städte von Dublin in Irland bis Nowosibirsk in Russland, die zusammen 70,33 Milliarden US-Dollar pro Jahr verlieren könnten. Durch die Rolle Europas als treibende Kraft des Welthandels sind von Menschen verursachte Gefährdungen dabei in mehr als der Hälfte der europäischen Städte am kostenintensivsten und für 67 Prozent der insgesamt geschätzten Gefährdung der Wirtschaftsleistung in der Region verantwortlich. Die europäische Volkswirtschaft ist hoch entwickelt und das bedeutet, dass Betriebsrisiken wie ein Cyberangriff oder ein Börsencrash nachhaltigen Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt europäischer Städte ausüben.

Weltweites Risiko

Der Index zeigt, dass 279 Städte in aller Welt infolge aller 22 Gefährdungen jährlich durchschnittlich 546,5 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung einbüßen könnten. Dieser Richtwert setzt sich aus 320,1 Milliarden US-Dollar für von Menschen verursachte Risiken und 226,4 Milliarden für Naturkatastrophen zusammen.

 

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