DSGVO: Drei von vier Unternehmen verfehlen Frist

Nur 24 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind aus eigener Perspektive vollständig konform mit der Datenschutz-Grundverordnung. Dies ist das Ergebnis einer Befragung unter mehr als 500 Unternehmen aus Deutschland.

Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) wird die neuen Regeln größtenteils umgesetzt haben, 33 Prozent zumindest teilweise.

Ganz am Anfang stehen noch 4 Prozent der Unternehmen. 2 Prozent sagen, sie werden bis zum Stichtag nicht einmal mit ersten Schritten beginnen.

Vorerst keine Sanktionen gewünscht

Der Wirtschaft wäre ein kulantes Verhalten der Behörden willkommen: So plädieren vier von zehn befragten Unternehmen (41 Prozent) für eine verlängerte Schonfrist nach dem 25. Mai, bei der mögliche Sanktionen ausgesetzt würden. Die Hälfte (49 Prozent) von ihnen wünscht sich, dass die Aufsichtsbehörden bei Verstößen zunächst nur zu Nachbesserungen auffordern sollten. Nur jedes hundertste Unternehmen sagt, dass die vorgeschriebenen Sanktionen ausgeschöpft werden sollten.

Bitkom-Präsident Achim Berg erwartet, dass die zum Teil vagen Formulierungen der Verordnung den Unternehmen nicht zum Nachteil ausgelegt werden dürfen und darum vorerst keine Unternehmen bestraft werden sollten.

Aufwand ist schwer abschätzbar

Zwei von drei Unternehmen (66 Prozent) sehen als größte Herausforderung bei der Umsetzung den schwer abschätzbaren Aufwand an. Im vergangenen Jahr sagten dies erst 54 Prozent.

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) beklagt Rechtsunsicherheit (2017: 42 Prozent). Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist für ein Viertel (24 Prozent) eine große Herausforderung, im Jahr 2017 gaben dies 17 Prozent an.

Auch nach der abgeschlossenen Umsetzung der DSGVO planen viele Unternehmen mehr Ressourcen für den Datenschutz ein. Sechs von Zehn (58 Prozent) erwarten dauerhaft mehr Aufwand wegen der neuen Datenschutzregeln, 32 Prozent sogar deutlich mehr Aufwand. Ähnlich viele (34 Prozent) sehen einen gleichbleibenden Aufwand, ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr. Damals rechnete noch fast die Hälfte (45 Prozent) mit einem ähnlichen Pensum wie zuvor. Kein einziges Unternehmen erwartet weniger Arbeit durch die neuen Datenschutzregeln.

Achim Berg dazu:

„Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird die DS-GVO auch langfristig zu deutlichen Belastungen führen.“

Einheitlichere Wettbewerbsbedingungen vs. Digitalisierungsbremse

Bei der grundsätzlichen Bewertung der Datenschutz-Grundverordnung ergibt sich ein gespaltenes Meinungsbild. So erwarten sieben von zehn Unternehmen (70 Prozent), dass die DSGVO zu einheitlicheren Wettbewerbsbedingungen in der EU führt. Gut die Hälfte (51 Prozent) sagt, dass sie ein Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen ist und dass die DSGVO sogar dem eigenen Unternehmen Vorteile bringt (43 Prozent).

Demgegenüber steht auch Kritik. Die Hälfte glaubt, dass Geschäftsprozesse komplizierter werden. Mehr als jeder dritte Befragte (38 Prozent) rechnet damit, dass die DSGVO die Digitalisierung in Europa bremst. Ebenfalls jeder Dritte (34 Prozent) sieht einen Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen.

Für 9 Prozent stellt die Verordnung sogar eine Gefahr für die eigene Geschäftstätigkeit dar.

Unterstützung durch Bitkom

Zu den wichtigsten Punkten der DSGVO hat Bitkom „Fragen und Antworten“ (FAQs) veröffentlicht, die einen ersten Überblick über die Veränderungen zur bisherigen Rechtslage geben.

Außerdem hat Bitkom vier Praxisleitfäden erstellt, wie verschiedene Verpflichtungen aus der Verordnung im Unternehmen umgesetzt werden können: „Datenübermittlung in Drittstaaten“, „Verarbeitungsverzeichnis“, „Risk Assessment und Datenschutzfolgenschutzabschätzung“ sowie die „Mustervertragsanlage zur Auftragsverarbeitung“.

Mehr Informationen

 

Bild: © peshkov / fotolia.com

Themen: