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bAV: Axa Schweiz kippt Vollversicherungen

Axa zieht sich in der Schweiz aus dem Pensionskassenmarkt zurück. Der Schweizer Arbeitgeberverband spricht von einem „Scherbenhaufen“. Die Gewerkschaften fühlen sich bestärkt.

Das Geschäft mit sogenannten Vollversicherungslösungen für betriebliche Vorsorgewerke wird aufgegeben, berichtet die Luzerner Zeitung. Grund ist das Anlagerisiko von über 40.000 KMU-Vorsorgewerken, die der Versicherer nicht mehr decken möchte.

Folgen für Arbeitnehmer

Axa ist seit der Übernahme der Winterthur Versicherungen im Jahr 2006 eine Schlüsselfigur im Schweizer Pensionskassenmarkt. Aus diesem Grund hat die Entscheidung weitreichende Folgen für viele Arbeitnehmer. Axa bezieht aus dem Geschäft mit Vollversicherungslösungen ein jährliches Prämienvolumen von rund 5,5 Milliarden Franken. Das entspricht mehr als der Hälfte der Prämieneinnahmen von Axa Schweiz.

Selbstverständlich möchte der Versicherer seine Kunden behalten und die Vorsorgegelder der 260.000 aktiven Versicherten in teilautonome Stiftungen verschieben. Hier sollen dann wie bisher biometrische Risiken abgedeckt und die Verwaltung übernommen werden. Ähnlich sehe es bei den Kapitalanlagen aus, berichtet die Luzerner Zeitung. Das Management solle weiterhin der Axa obliegen – doch das verbundene Risiko solle fortan bei den Versicherten liegen. Doch genau das wollen vor allem viele KMU-Vorsorgewerke vermeiden, denn seit 2008 scheint das Vertrauen der Investoren in die Finanzmärkte ein wenig angeschlagen.

Vollversicherungen genießen starke Nachfrage

Aus Angst vor Kurseinbrüchen genießen Vollversicherungslösungen sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmern großes Vertrauen. Doch für die Garantie gegen Wertschwankungen müssen die Versicherer einiges an Eigenkapital vorhalten. Im Fall von Axa sind es 2,5 Milliarden Franken, schreibt die Luzerner Zeitung.

Durch die geplanten Änderungen werde dies nun freigesetzt und es bleibt abzuwarten, was mit dem Kapital geschieht. Es könne selbstverständlich eingesetzt werden, um mehr Wachstum am Schweizer Markt zu generieren, vermutet das Medium. Doch genauso ist es möglich, dass das Geld nach Paris transferiert wird, um in einem Aktionärsgeldbeutel zu landen.

Bedingungen haben sich geändert

Dass der Versicherer dies noch als Hauptmotiv gelten lässt, ist selbsterklärend. Grund seien die veränderten Bedingungen im Vollversicherungsgeschäft. Diese haben sich derart verschlechtert, dass es schwierig für Axa sei, gelichbleibend gute Leistungen für Kunden zu erbringen.

Axa wolle den bestehenden Vorsorgekunden das neue Modell unter anderem mit dem Argument von durchschnittlich 30 Prozent tieferen Risikoprämien und der Aussicht auf deutlich bessere Anlageergebnisse schmackhaft machen, schreibt das Schweizer Blatt. Doch ein teilautonomes Angebot gibt es bei Axa schon seit 2013. Bislang hatte sich der Erfolg des Produkts aber in Grenzen gehalten.

 

Bild: © belyay / fotolia.com