So denken die Deutschen

Die Angst vor Altersarmut ist hierzulande groß, trotzdem legt noch nicht mal die Hälfte der Bundesbürger etwas für die private Altersvorsorge zurück. Einen detaillierten Blick auf die Sorgen, Nöte und Ängste der Deutschen gibt der neue ERGO Risiko Report 2018.

Der Report der ERGO Group AG ermittelt, ob und wie die Deutschen vorsorgen, welche Wünsche sie an die Politik haben und welche Hoffnungen sie in ihre Zukunft setzen.

Investition und Vorsorge

50 Prozent der Deutschen geht davon aus, dass sich eine Finanzkrise wie in 2008 innerhalb der nächsten zehn Jahre wiederholen wird. Deswegen dominiert bei der Geldanlage auch das Sicherheitsbedürfnis. Ein Drittel sorgt durch die Investition in Immobilien für das Alter vor.

Obwohl zwei Drittel der Befragten glauben, dass sie mit Aktien und Fonds die meiste Rendite erzielen, legen sie ihr Geld lieber aufs Sparbuch oder schließen sicherheitsorientierte Vorsorgeprodukte ab. Über 90 Prozent der Deutschen möchten zudem das Bargeld behalten.

„Altersarmut“ und „Pflegebedürftigkeit“ stehen bei den finanziellen Ängsten im Mittelpunkt. Laut der Studie legen 22 Prozent der Deutschen nichts und weitere 20 Prozent maximal 50 Euro im Monat für die private Altersvorsorge zurück.

Michael Fauser, Vorstandsvorsitzender der ERGO Lebensversicherung AG, dazu:

„Dass so viele Menschen gar nicht privat vorsorgen, ist ein erschreckendes Ergebnis für die Gesellschaft. Auch mit kleinen Beträgen kann – über lange Laufzeiten – eine gute Vorsorge auf die Beine gestellt werden. Es gilt, möglichst frühzeitig im Erwerbsleben einen soliden Plan für das Alter zu machen.“

Knapp 70 Prozent der Befragten erwarten, dass das Rentenniveau in den nächsten zehn Jahren weiter sinkt. Nur jeder fünfte Deutsche gibt an, seine künftige Rentenhöhe recht genau zu kennen. 43 Prozent der Frauen sind unsicher und sagen, sie können nur ungefähr schätzen, wie viel Rente sie voraussichtlich bekommen. Jeder vierte Deutsche befürwortet eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge. Besonders Frauen blicken ihrer finanziellen Situation im Alter nicht positiv entgegen. Während bei den Männern jeder Dritte angibt, sich nicht leisten zu können, privat fürs Alter vorzusorgen, sind es bei den Frauen sogar 43 Prozent.

63 Prozent allerdings sehen das Älterwerden gelassen: Sie freuen sich, mehr Zeit für sich (48 Prozent) und ihre Angehörigen (43 Prozent) und dafür weniger Stress (41 Prozent) zu haben. Das trifft insbesondere auf die Gruppe der über 50-Jährigen zu. Jeder Fünfte würde auch gerne vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Medizinischer Fortschritt und positives Denken

Positiv denken ist der Schlüssel? Fast jeder dritte Deutsche glaubt, dass eine positive Lebenseinstellung mehr lebensverlängernden Effekt hat, als Sport und Bewegung (circa 25 Prozent). Dagegen werden Risiken wie falsche Ernährung und der Konsum von Nikotin zum Teil deutlich unterschätzt.

Als größte Sorgen gaben die Befragten Krankheit (65 Prozent), Unmündigkeit beziehungsweise Abhängigkeit von Anderen (41 Prozent), Armut (40 Prozent) und Einsamkeit (28 Prozent) an. Auffallend ist dabei, dass die Angst vor schweren Erkrankungen mit dem Einkommen steigt.

Auf den medizinischen Fortschritt hofft fast die Hälfte der Deutschen.

Angst, Terror und Datenschutz

Bei 68 Prozent der Deutschen herrscht eine diffuse Angst vor Krieg und Terror. Das mündet in die Forderung nach einem starken Staat: Eine Mehrheit wünscht sich eine Stärkung der Polizei und strengere Gesetze. Weniger häufig wurden die Ängste vor Gewalttaten, Unfällen oder Naturkatastrophen angegeben.

Beim Thema Datenschutz schätzen die Deutschen die Gefahren durch Identitätsdiebstahl, Hackerangriffe und Datenverlust (jeweils mehr als 50 Prozent) hoch ein. Nur zwei Prozent schützen ihren privaten Computer nicht. Allerdings scheint insbesondere den unter 30-Jährigen eine gesunde Risikoeinschätzung zu fehlen.

Gerd Gigerenzer, Professor und Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, berichtet:

„Interessant ist: Obwohl die Deutschen sich vor Hackerangriffen und Datenklau fürchten, wechselt nur jeder Dritte seine Passwörter regelmäßig. Zwei von zehn Befragten haben – wider besseren Wissens – schon unsichere, öffentliche Wlan-Verbindungen für Bankgeschäfte genutzt.“

Digitalisierung mit Einfluss auf den Arbeitsplatz

87 Prozent der Deutschen nutzen das Internet. Für 51 Prozent der Deutschen erleichtern digitale Medien den Kontakt zu Freunden und Familie, obwohl für fast 40 Prozent Entfremdung ein großes Thema ist.

Allgemein nach der größten Gefahr durch Digitalisierung gefragt, nennen acht Prozent den Verlust des Arbeitsplatzes. 25 Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz in den nächsten zehn Jahren an Roboter und Maschinen verlieren. Bei Beamten sind es nur 87 Prozent.

Intelligente Assistenten sind derzeit noch nicht sehr beliebt: In einem Smart Home fühlen sich bisher nur zwei von zehn Befragten zuhause.

 

Bild: © Brian Jackson / fotolia.com

 

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