AXA in der Kritik: Vertreter-Anträge ohne VN-Willen akzeptiert

Unlängst wurden scharfe Vorwürfe gegenüber der AXA Versicherung AG laut: Angeblich bestünde hier die Möglichkeit, dass Versicherungsvertreter, trotz vorliegender Vollmacht für einen Versicherungsmakler, ohne den Willen des Kunden Versicherungsverträge verlängern lassen können.

Laut kapital-markt intern verweigert sich der Versicherer einer transparenten Aufklärung des Missstandes.

Details zum Sachverhalt

Im vorliegenden Fall ging es um fünf Kfz-Verträge, die ein Ehepaar aus dem Rheinland seit mehreren Jahren bei der AXA hatte. Seit längerem war das Ehepaar allerdings mit der Betreuung ihres Vertreters nicht mehr zufrieden, daher wandten sie sich auf Empfehlung eines Freundes an Tom Sluyter, Geschäftsführer und Gesellschafter der Versicherungsmaklerin EHA Versicherungskontor GmbH/Emmerich. Mit dem Ehepaar gemeinsam entschied sich Sluyter für eine Kündigung aufgrund der Beitragsanpassung zum 01.01.2018 und bevollmächtigte den Makler zu weiteren Schritten.

Wie kapital-markt intern berichtet, habe Sluyter alles korrekt in die Wege geleitet. Das Ehepaar habe rund zehn Tage später einen Anruf des AXA-Vertreters erhalten bei dem er sich nach dem Kündigungsgrund erkundigt habe. Wahrheitsgemäß habe man ihm mitgeteilt, man sei mit der Betreuung nicht zufrieden gewesen und habe deswegen einen Wechsel zum Makler vollzogen.

Trotz dessen flatterten dem Ehepaar Ende Dezember dann zwei Versicherungsscheine, darunter ein Nachtrag, der AXA ins Haus. Auffällig sei gewesen, dass als Betreuer jeweils der AXA-Vertreter aufgeführt worden sei, mit dessen Betreuung die VN nicht mehr zufrieden gewesen waren.

Sluyter habe daraufhin bei der AXA nachgehakt, warum nur drei der fünf gekündigten Verträge aufgehoben und insbesondere wieso plötzlich für zwei Kfz neue Versicherungsscheine ausgestellt worden seien. Die Antwort: Es sollen für diese zwei Fahrzeuge Änderungsanträge eingereicht worden sein. Das sei rund eine Woche nach der Kündigung erfolgt, daher sei man davon ausgegangen, dass diese damit aufgehoben seien. Sluyter fordert nun die Aufhebung der neuen Verträge und Kopien der eingereichten Änderungsanträge, denn er und seine Mandanten wollen wissen, wie die neuen Verträge zustande kamen, obwohl das gar nicht dem VN-Willen entsprach.

Die AXA schweigt sich aus

Die Verträge sollen nun wiederum zum 01.01.2018 storniert werden, allerdings liefere die AXA keine Kopien der Änderungsanträge. Sluyter will darüber hinaus erfahren haben, dass die beiden Verträge auf eine andere Agentur geschlüsselt sind.

Das decke sich auch mit der Betreuer-Angabe in den beiden Versicherungsscheinen und erhärte, laut kapital-markt intern, den Verdacht, dass der AXA-Vertreter trotz Wissen um die Kündigungen Vertragsnachträge veranlasst hat. Und dies ohne Unterschrift – und ohne Auftrag der Versicherungsnehmer.

kapital-markt intern hat angekündigt dem Verdacht weiter nachzugehen und wollte von AXA-Chef Dr. Alexander Vollert wissen:

  • Hatten die VN den AXA-Vertreter zu einem Neuvertrag bzw. einem Nachtrag beauftragt und entsprechende Anträge unterschrieben?
  • Wenn kein Kundenwille dokumentiert ist: Auf Basis welcher Rechtsgrundlage ist es nach Auffassung der AXA zulässig, dass ein Vertreter Neuverträge/Nachträge veranlasst und die AXA daraufhin Versicherungsscheine ausstellt?

Weder das Handeln des Vertreters noch das der AXA seien korrekt, schreibt kapital-markt intern, doch einen Beitrag zur transparenten Aufklärung des Missstandes verweigere sich der Versicherer:

„Ihre Anfrage haben wir erhalten, bitten Sie aber um Verständnis, dass wir uns hierzu nicht äußern werden.“

Revue und Fazit

Kapital-markt intern hält fest: Kraft Maklervollmacht kündigt der Makler am 08.12.2017 fünf Kfz-Verträge. Ende Dezember erhalten die VN zwei Verträge/Nachträge der AXA, die angeblich vom Vertreter betreut werden. Laut telefonischer Auskunft sollen diese auf einem Änderungsantrag vom 14.12.2017 beruhen. Trotz vorliegender Kündigungen und trotz Maklervollmacht ignoriert die AXA die Kündigungen und stellt zwei neue Versicherungsscheine aus. Außerdem waren die Kündigungen dem AXA-Vertreter bekannt.

Das Ehepaar räumt Zweifel aus:

„In diesem Gespräch haben wir nicht über Umstellungen von Verträgen gesprochen, geschweige denn über eine eventuell weitere Betreuung durch den AXA-Vertreter. Über die neuen Verträge haben wir uns sehr gewundert, da wir weder Anträge bei der AXA unterschrieben hatten noch einen Wunsch zur Umstellung der AXA oder unserem Ex-Vertreter geäußert hatten.“

Die AXA liefert keine Erklärung zu den ominösen Verträgen, die Rechte der VN erläutert Versicherungsdozent Wilfried E. Simon, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler e.V. (IGVM):

„Die AXA ist verpflichtet, diesen Sachverhalt gegenüber den VN auf deren Anfrage aufzuklären; dies folgt aus § 3 Abs. 4, Satz 1 VVG. Sollte sich der Versicherer weiter weigern, können die VN auf Auskunft bestehen und klagen, soweit ein ernsthaftes Aufklärungsinteresse auf Seiten der VN vorliegt.”

Das Fazit des Versicherungstipps von kapital-markt intern:

„Neugeschäft von Versicherungsmaklern nimmt man gerne, aber im Wettbewerb zwischen Vertretern und Maklern um Kunden ignoriert die AXA Maklervollmacht sowie Kündigungen und reagiert auf Zuruf des Vertreters. Versicherungsmakler sollten dieses Verhalten der AXA beachten.“

 

Bild: © Sergey Nivens / fotolia.com