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Runde vier im Riester-Hickhack

Es ist erst wenige Tage her, da erregte eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) höchste Aufmerksamkeit im Netz. Der Titel: „Riestern fast immer zu teuer“. Das Ergebnis: Insgesamt seien maximal zwei Riesterangebote am Markt günstiger, als es die Vorgabe des Alterssicherungsberichts des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) empfiehlt.

Naturgemäß äußerte sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht gerade wohlwollend gegenüber der Studie – und die Antwort folgte prompt. Jetzt geht das Riester-Hickhack in die vierte Runde …

Alles auf Anfang

Was war passiert? Ach ja, die Studie … Jene, die zeigt: Riestern ist vor allem eins – teuer! Der vzbv vermochte dies, nach eigener Aussage, anhand eines seit Anfang 2017 existierenden Gesetzes festzustellen, denn Produktanbieter müssen seitdem auf ihren Produktinformationsblättern darüber aufklären, welche Wertminderung durch Kosten (Effektivkosten) bei Riester-Verträgen angenommen wird. Diese Effektivkosten beziehen sich jeweils auf ein konkretes Vertragsangebot. Auch für Musterverträge müssen sie für die Laufzeiten von 12, 20, 30 und 40 Jahren angegeben werden.

Die so geschaffene Transparenz hat sich der vzbv zunutze gemacht. Zeichnen wir die Argumentation einmal nach: Es wurde eine rechnerische Basis geschaffen, um ausgewählte Produkte im Verhältnis zu einem Referenzwert miteinander vergleichen zu können. Dieser nutzt die Annahme des Alterssicherungsbericht, dass eingezahlte Beiträge (Eigenbeiträge + Zulagen) über den gesamten Zeitraum hinweg mit 4,0 Prozent verzinst werden. Die Kosten hingegen betragen zehn Prozent der eingezahlten Beiträge.

Hieraus leitet der vzbv nun Effektivkosten ab. Bei einer Laufzeit von zwölf Jahren liegen diese bei 1,09 Prozent (20 J: 0,77%, 30 J: 0,65%, 40 J: 0,62%). Diese Werte könnten somit als Soll-Werte angenommen und mit den tatsächlich am Markt gefundenen Effektivkosten ins Verhältnis gesetzt werden (weitere Laufzeiten Studie s.u.):

Runde vier im Riester-Hickhack

Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen werden also in Deutschland nur Riesterprodukte vertrieben, die die Erwartungen des Gesetzgebers an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen, behauptet der Verbraucherschutz Bundesverband.

GDV: Verbraucherschützer rechnen nicht richtig

Die Antwort des GDV: Die Rechnung des vzbv sei „methodisch nicht haltbar“. Beim Vergleich müsse einiges beachtet werden, das mache „die irreführende Untersuchung des vzbv deutlich“.

Dazu Peter Schwark, Geschäftsführer des GDV:

„Die Verbraucherschützer rechnen nicht richtig, wenn sie die Kostenannahmen im Alterssicherungsbericht der Bundesregierung mit den Effektivkosten in den Produktinformationsblättern vergleichen.“

Und ein GDV-Sprecher führt gegenüber der experten Redaktion aus:

„Die Unternehmen berechnen die Effektivkosten mit den Vorgaben der Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA). Dies hat der vzbv offenbar nicht getan – jedenfalls ist nicht nachzuvollziehen, wie die Kostenannahmen im Alterssicherungsbericht in eine ‚durchschnittliche Effektivkostenquote‘ umgerechnet wurden.“

Die Effektivkosten müssten den theoretischen maximalen Wert unter Zugrundelegung der jeweils ungünstigsten Konstellation bei Fondsauswahl oder Überschussbeteiligung angeben. Die wirklichen Kosten seien fast immer deutlich niedriger. So würden Kostenüberschüsse, die den Kunden zu Gute kommen, bei der Effektivkostenberechnung grundsätzlich nicht berücksichtigt.

vzbv: Effektivkosten basieren auf Modellannahmen

Das Problem könnte geklärt sein – aber so leicht lässt der vzbv nicht locker. Es geht ja auch um nichts Geringeres als den Schutz des Verbrauchers. Außerdem hätte er ja im Sinne des Gesetzgebers gehandelt.

Ein Sprecher betonte:

„Wir haben nie behauptet, dass es sich um die tatsächlichen Kosten handelt. Vielmehr haben wir die auf Modellannahmen basierenden Effektivkosten einzelner Versicherer zueinander und zu den Annahmen aus dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung in ein Verhältnis gesetzt.

Der Vergleich einzelner Produkte auf Grundlage der Effektivkosten ist vom Gesetzgeber ausdrücklich gewünscht, um an dieser Stelle für mehr Wettbewerb zu sorgen.”

Mehr Wettbewerb auf Grundlage nicht vergleichbarer Daten?

Wettbewerb kann es allerdings nur bei ähnlichen Produkten geben. Und für den GDV liegt genau hier der Hund begraben. Wenn also davon abgesehen wird, dass die Untersuchung des vzbv „methodisch nicht haltbar“ ist, dann bleibt noch ein weiteres Problem bestehen: ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen hinkt schlicht und ergreifend immer.

Der GDV erläutert:

„Ein Vergleich der Effektivkosten über die gesamte Bandbreite der Riester-Produkte mit einem einzigen ‚Durchschnittswert‘ [ist] nicht sinnvoll […]. Ein Vergleich sollte sich auf Produkte der gleichen Risikoklasse beschränken – das rät übrigens auch das Bundesfinanzministerium:

Im Vorfeld ist zu empfehlen, dass Verbraucher, abhängig von den individuellen Kundenbedürfnissen, zunächst eine Entscheidung für einen bestimmten Produkttyp treffen und abhängig von der eigenen Risikoneigung nur Produkte der entsprechenden Chancen-Risiko-Klasse miteinander vergleichen.“

Runde vier im Riester-Hickhack

Runde vier im Riester-Hickhack

 

Bilder: (1) © iodrakon / fotolia.com (2-5) © Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

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