Grünes Licht für Bonitätsabhängige Schuldverschreibungen

Neun Monate lang hat die BaFin nun den Vertrieb von bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen überwacht. Die Selbstverpflichtung von Deutscher Kreditwirtschaft (DK) und Deutschem Derivate Verband (DDV) wird weitgehend eingehalten, stellte die Aufsicht fest. Von einem Retailvertriebsverbot sieht sie deswegen ab.

Bis Ende September hatte die BaFin die Emission und den Vertrieb bonitätsabhängiger Schuldverschreibungen intensiv überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung Privatanleger in ausreichendem Maße schützt.

BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele schlussfolgert angesichts der Untersuchungsergebnisse:

„Die Entwicklung bei den bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen zeigt, dass die BaFin auch ohne ein Verbot deutliche Verbesserungen im Anlegerschutz erreichen kann.“

Überprüfung durch die Finanzdienstleitungsaufsicht

Die Behörde hatte von Januar bis Ende September 2017 insgesamt 106 neu emittierte bonitätsabhängige Schuldverschreibungen mehrerer Emittenten überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung der Zertifikateindustrie eingehalten wird und weitere aufsichtliche Beschränkungen daher derzeit nicht erforderlich sind.

Die BaFin kontrollierte hinsichtlich der emissionsbezogenen Grundsätze unter anderem Wertpapierprospekte und Produktinformationsblätter und untersuchte Werbe- und Informationsmaterialien sowie die Produktbeschreibungen auf den Internetseiten der Emittenten.

Ergänzend überprüfte die Aufsicht vor Ort, ob die vertriebsbezogenen Grundsätze beachtet werden, und wertete dazu unter anderem Beratungsprotokolle aus. Hier stellte sie zwar vereinzelt Verstöße fest. Diese waren jedoch nicht systemischer Natur, sondern auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen.

Selbstverpflichtung zeigt Ergebnisse

Bereits Ende Juli 2016 hatte die BaFin ein Verbot für die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von Zertifikaten auf Bonitätsrisiken an Privatkunden angekündigt. Im gleichen Atemzug gab die Aufsicht der Zertifikateindustrie Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Reaktion: eine Selbstverpflichtung für die Emission und den Vertrieb dieser Produkte Mitte Dezember 2016. Diese sieht eine bessere Risikoaufklärung vor, erhöht die Qualitätsstandards bei der Auswahl der Referenzschuldner und beschränkt den Vertrieb von bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen auf Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft.

Die BaFin hatte daraufhin ihr geplantes Verbot zunächst zurückgestellt. Nach Abschluss ihrer intensiven Überwachungsphase sieht sie nun von einem Verbot endgültig ab, wird die Einhaltung der Selbstverpflichtung aber weiterhin im Rahmen ihrer Markt- und Produktaufsicht beobachten.

 

Bilder: © Elnur / fotolia.com

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.