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Die digitale Transformation hat dazu geführt, dass inzwischen nahezu alle Unternehmen versuchen, ihre Kunden online anzusprechen und zu erreichen. Gängige Systeme und Prozesse wurden auf den Prüfstand gestellt – und viele verworfen. Der Grund: Das Kundenbedürfnis hat sich im digitalen Zeitalter grundlegend verändert.

Die digitale Kundenbeziehung wird immer bedeutender für den Geschäftserfolg von Unternehmen. Wer es schafft, die Wünsche der Kunden in dieser neuen Welt zu verstehen, kann damit im Wettbewerb punkten. Und für die ONE Versicherung AG in Gründung (“ONE”) steht einer dabei klar im Fokus: der Digital Native.

In drei Minuten zum Abschluss

Alexander Huber, Mitgründer und Marketingleiter ONE Versicherung AG in Gründung

Diese junge, heranwachsende Generation, muss mitgenommen werden, betont Mitgründer und Marketingleiter Alexander Huber der zu gründenden ONE. Heute sollten Produktanbieter fragen: Was erwartet der Kunde? Mit welchen Angeboten oder Vorgehensweisen von Anbietern ist er zufrieden? Oder ganz einfach: Was erwarte ich eigentlich selbst?

Beispielsweise sei es bei anderen Anbietern bereits üblich, Verträge jederzeit kündigen zu können oder Käufe in Echtzeit abzuschließen. Wer auf diesen Zug nicht aufspringt, verschenke Potenzial, meint der Marketingleiter.

Bei ONE soll der Kunde in drei Minuten zum Abschluss kommen: Vorgesehen ist, dass ein Chatbot die notwendigen Fragen stellt – und das Angebot auf der Stelle folgt. Der Kunde sieht sofort, was genau versichert ist. Per Kreditkarte kann er dann bezahlen und ist auch direkt geschützt. Ebenso erfolgt die Schadensmeldung komplett über die App.

Zum Start von ONE sind vorerst zwei Versicherungen geplant: Hausrat und Haftpflicht. Doch schon 2018 sollen weitere folgen, erklärt Huber. Leben und Kfz stehen auf der Agenda – und auch über eine Krankenversicherung wird bereits diskutiert. Denn: Der Name ist Programm. Am Ende soll eine Police alle Risikobereiche abdecken.

Schadensmeldung in 60 Sekunden

Die Versicherungen von ONE sind absolut transparent strukturiert: Entsteht ein Schaden, beantwortet der Kunde einige Fragen und macht ein Foto – beispielsweise vom polizeilichen Dokument. Im August verkündete wefox-Gründer Julian Teicke darüber hinaus auf LinkedIn, dass ONE die komplette Schadensbearbeitung in 60 Sekunden erledigen könne – und zwar inklusive finaler Überweisung an den Kunden. Funktionieren wird das Ganze über intelligente Algorithmen und Chatbots, die durch Fragenkataloge führen.

Letztendlich wird dies wohl circa 60 Prozent der Fälle betreffen, schränkt Huber ein. Diejenigen eben, bei denen eine automatische Abwicklung möglich ist. In 40 Prozent wird wahrscheinlich eine Prüfung durch Mitarbeiter nötig werden, beispielsweise auch vor Ort bei komplexeren Schäden wie Brandschäden.

„Versicherungen sind langweilig“

Versicherungen gehören nicht zu den spannendsten Themen weltweit. Deshalb müssen Versicherer auch horrende Summen ins Marketing stecken. Anders ONE: Mit „Gamification“ versuchen die Gründer, den Kunden Versicherungen schmackhaft zu machen. Spielerische Elemente wurden eingebaut, um die App zu einem ständigen Begleiter werden zu lassen. Beispielsweise bietet ONE ein Punktesystem: Bei Schadensfreiheit gibt es fünf Prozent der eingezahlten Beiträge zurück. Und wer einen Freund einlädt, der wird ebenfalls belohnt. So wird sich die Community von ganz allein bilden, prophezeit Huber. Am Ende des Jahres können die Punkte eingelöst werden: Bargeld, Rabatte oder Spenden für einen guten Zweck stehen dabei zur Auswahl.

Es ist der ursprüngliche Gedanke von Versicherung, der das InsurTech leitet, betont der Marketingleiter: Eine Gruppe Menschen legt Geld zurück, für den Fall, dass es einem aus der Gruppe schlecht geht. Ist dies nicht der Fall, so gibt ONE dem Kunden einen Teil davon zurück.

Die Strippenzieher hinter ONE

Als Marktplatz bringt wefox seit anderthalb Jahren Versicherungen, Makler und Endkunden zusammen. Jetzt hat das deutsch-schweizerische InsurTech entschieden , einen eigenen Versicherer zu gründen. wefox und ONE werden zwei selbständige Unternehmen sein, die allerdings die gleichen Investoren besitzen. Darüber hinaus hat ONE die Munich Re als Rückversicherer und strategischen Partner in Produktgestaltung und Data Analytics gewinnen können.

Vollkommen digital – das ist das Credo von ONE. Damit wird es sich in eine Serie von Neugründungen einreihen, die Versicherungen neu konzipieren wollen – und das vor allem digital: der PKV-Anbieter ottonova, die Baloise-Tochter FRIDAY, Element oder flypper aus dem Hause Groenen.

Fest steht, dass ONE die Lizenz in Liechtenstein bekommen möchte, da es das einzige europäische Land ist, aus dem Versicherungen nach Erhalt der entsprechenden Bewilligung auch in der Schweiz angeboten werden können, unterstreicht Huber abschließend. Der Start in Deutschland hat sich zwar ein wenig verzögert, ist allerdings nach wie vor für 2017 geplant. 2018 sollen die Schweiz und Österreich folgen und 2019 dann weitere Länder in der EU.

Von Claudia Meyer

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Bilder: (1) © contrastwerkstatt / fotolia.com (2) © Alexander Huber

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