Allianz: komplette Übernahme von Euler Hermes

Nach dem Kauf des britischen Versicherers Liverpool Victoria kommt jetzt das Kreditversicherungsgeschäft: Die Allianz hat heute angekündigt, den deutsch-französischen Kreditversicherer Euler Hermes komplett zu übernehmen.

Es handelt sich um einen Milliarden-Deal. Bisher halten die Münchener rund 63 Prozent. Jetzt kündigten sie an, den Euler Hermes Minderheitsaktionären 122 Euro pro Aktie zu bezahlen. Das sind für die Allianz rund 1,5 Milliarden Euro.

Im Zuge der Transaktion wird weder der Aufsichtsrat von Euler Hermes noch am Geschäftsmodell etwas verändert. Die Allianz beabsichtigt, im Anschluss an das Erwerbsangebot ein Squeeze-out Verfahren durchzuführen, sofern die Münchener nach Abschluss des Erwerbsangebots mehr als 95 Prozent der Aktien von Euler Hermes hält.

Fast über die Bühne

Bereits am 24. November 2017 hat die Allianz mit Aktionären von Euler Hermes eine Vereinbarung zum Erwerb ihres Anteils von 11,34 Prozent am Grundkapital gegen Zahlung einer Gegenleistung von Euro 122 je Aktie geschlossen. Hierdurch wird sich der Anteil der Allianz am Grundkapital und an den Stimmrechten von Euler Hermes auf 74,34 Prozent erhöhen.

Darüber hinaus wird ein vereinfachtes Erwerbsangebot abgegeben, um alle ausstehenden und noch nicht von der Allianz gehaltenen Euler Hermes Aktien von den Minderheitsaktionären zu erwerben. Die angebotene Gegenleistung wird Euro 122 pro Aktie in bar betragen. Laut dem Münchener Versicherungskonzern entspreche das 20,7 Prozent verglichen mit dem Schlusskurs der Aktie am 24. November von 101,50 Euro.

Konkretes Interesse an Zukäufen

Die komplette Übernahme von Euler Hermes ist eine wertvolle Verstärkung, denn es ist das größte Kreditversicherungsunternehmen der Welt und machte im Jahr 2016 rund 2,6 Milliarden Euro Umsatz. Von Berlin nach Paris ging es für die Gesellschaft, wo sie heute auch an der Börse notiert ist. Der Kreditversicherer ist seit über 100 Jahren im Geschäft und sichert Unternehmen ab, um sie gegen Zahlungsausfälle ihrer Abnehmer vor allem im Export zu schützen. Insbesondere die „Hermesbürgschaften“ sind vielen ein Begriff.

Erst im August hatte die Allianz bekanntgegeben, die britische Liverpool Victoria bis 2019 für rund 770 Millionen Euro zu kaufen. Auch wurde der Allianz im vergangenen Frühjahr häufig konkretes Interesse an Zukäufen nachgesagt: erst der australische Versicherer QBE Insurance und dann Teile der italienischen Generali. Doch daraus wurde offensichtlich nichts …

Leicht zu stemmen

Der Euler-Hermes-Deal werde nichts am geplanten Rückkaufprogramm ändern, stellte die Allianz klar. Trotz der Atlantikwirbelstürme und der Erdbeben in Mexiko erwartet Vorstandschef Oliver Bäte ein operatives Ergebnis zwischen 10,8 und 11,3 Milliarden Euro.

Folglich habe die Transaktion keinen Einfluss auf das bereits für das Jahr 2018 angekündigte Aktienrückkaufprogramm der Allianz SE mit einem Volumen von bis zu Euro 2 Milliarden. Es wird erwartet, dass die beabsichtigte Transaktion den Gewinn je Aktie (EPS) unmittelbar um rund 1 Prozent erhöht und zu einem Rückgang der Solvency II Kapitalquote der Allianz um rund 4 Prozentpunkte führen wird.

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