Nachhaltige Kapitalanlagen: Stimmen der Branche

Nachhaltigkeit und Investment sind auch für die Versicherungsbranche spannende Themen: Spätestens ab dem Geschäftsjahr 2017 fordert der Gesetzgeber, dass Versicherer die CSR-Richtlinie in ihren Lageberichten oder einem gesonderten Bericht umsetzen. Betroffen davon sind auch Kapitalanlagen.

Auch wenn der Markt für nachhaltige Investments in Deutschland noch ein Nischenmarkt ist, so wächst er doch seit 2008 schneller als der für konventionelle Kapitalanlagen. 2016 belief sich das Volumen nachhaltiger Investments im gesamten deutschen Anlagemarkt auf 157 Milliarden Euro. Auf dem diesjährigen nordbayerischen Versicherungstag wurde dieses Thema heiß diskutiert:

Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas, betonte:

Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Bank für Kirche und Caritas

„Die Motivation eines Investors, sich einer ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie zu bedienen, ergibt sich aus seiner Verantwortung, mit seiner Kapitalanlage einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu leisten oder ihr zumindest nicht entgegenzuwirken.

Dabei bildet die eigene Wertorientierung bzw. das Nachhaltigkeitsverständnis den Ausgangspunkt für die Gestaltung der ethisch-nachhaltigen Kapitalanlage. Ein zusätzlicher Grund aktiv eine ethisch-nachhaltige Anlagestrategie zu verfolgen, ist aber weniger von einer Wertorientierung getrieben, sondern vielmehr von ganz klaren Rendite-Risiko-Aspekten für die Kapitalanlage. Denn mit einer professionell ausgerichteten ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie ist es möglich nicht nur eigene Reputationsrisiken zu reduzieren, sondern auch Investmentrisiken zu steuern und Renditechancen zu heben.

Diese beim Investor eher von innen heraus entstehenden Beweggründe, eine ethisch-nachhaltige Kapitalanlage zu gestalten, werden von äußerem Druck verstärkt, wie durch die hohe Dynamik im internationalen Nachhaltigkeitsdiskurs und die zunehmenden Politik- und Regulatorikansätze in diesem Bereich.“

Dr. Gabriele Recke, Allianz Investment Management, unterstrich:

Dr. Gabriele Recke, Allianz Investment Management

„Wir wollen in zukunftsträchtige Anlagen investieren. Deshalb messen wir mit einem ESG-Scoring inwieweit die Nachhaltigkeitskriterien E (Umwelt), S (Soziales) und G (Gute Unternehmensführung) bei den Anlagen eingehalten werden.

Als Lebensversicherer haben wir bei unseren Anlageentscheidungen immer auf stabile und sichere Anlagen gesetzt. Mit dem Scoring decken wir nun eine weitere Risikodimension ab und verbessern dadurch das Risiko-Rendite-Profil unserer Anlagen. Unser Nachhaltigkeitsansatz beruht dabei auf sechs Bausteinen: Die Auswahl von nachhaltig arbeitenden Anlagemanagern, klare Ausschlusskriterien bestimmter Anlagen wie z.B. Kohle, regelmäßiger und konstruktiver Dialog mit NGO’s, gezielte Investitionen in erneuerbare Energie, die Einzelprüfung bei nicht handelbaren Einzelinvestments und das neue ESG-Scoring bei handelbaren Assets. Mit diesen Maßnahmen schaffen wir nicht nur sichere Renditen, sondern helfen auch dem Klima.“

Und Stefan Weber, Vorstandssprecher UmweltBank, erklärte den Umgang seines Hauses mit Nachhaltigkeit wie folgt:

Stefan Weber, Vorstandssprecher UmweltBank

„Wenn Kapitalströme gezielt in umweltfreundliche Projekte und Unternehmen gelenkt werden, können sie einen wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigen Welt leisten. Derzeit sind nachhaltige Kapitalanlagen noch ein Nischenmarkt. Angesichts der globalen Herausforderungen der Bekämpfung von Klimawandel und fortschreitender Umweltzerstörung führt zukünftig kein Weg an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten vorbei.

Vielmehr werden umweltschädliche Investments, wie beispielsweise in fossile Energieträger, zunehmend zu einem Risiko in den Bilanzen. Denn Ökologie ist kein kurzfristiger Trend. Nur durch nachhaltiges, langfristig orientiertes Handeln kann eine lebenswerte Umwelt auch für die nachkommenden Generationen erhalten werden.

Die UmweltBank beweist bereits seit über 20 Jahren, dass Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit auch im Finanzwesen vereinbar sind. Das Ziel der Bank ist, durch die Geschäftstätigkeit in jeder Hinsicht zum Schutz der Umwelt beizutragen. Im Fokus der Kreditvergabe steht daher nicht Gewinnmaximierung, sondern eine positive ökologische Wirkung. So finanzierte die UmweltBank bisher über 22.000 nachhaltige Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, ökologisches Bauen und Bio-Landwirtschaft. Als einzige Bank Deutschlands gibt die UmweltBank ihren Kunden eine Umweltgarantie für Sparprodukte: Jeder angelegte Euro wird ausschließlich für die Finanzierung von Umweltprojekten verwendet.“

 

Bilder: (1) © lassedesignen / fotolia.com (2) © Bank für Kirche und Caritas eG (3) © Allianz SE (4) © UmweltBank AG

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