Digitale Prozesse für Gewerbekredite müssen besser werden

Mittelständische Unternehmen sind die Stützen des wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland. Das gewerbliche Kreditgeschäft rundum Kredite an Unternehmen mit kleiner und mittlerer Größe ist für viele Kreditinstitute ein wichtiger Bestandteil für den eigenen Ertrag. Auch Banken stehen unter regulatorischen Einflüssen und kämpfen mit der zu lange anhaltenden Niedrigzinsphase und einem steigenden Wettbewerbsdruck. Alles in allem, Faktoren, die die Kosten und die Marge beeinflussen.

Eine Digitalisierung in weitestgehend allen Prozessen und das Anspruchsdenken gut informierter und flexibel agierender Kunden stellen auch das Bankenwesen vor zusätzliche Herausforderungen. Konsequenterweise wird dadurch auch die Effizienz der gewerblichen Kreditprozesse hinterfragt. Immerhin geht es darum, die Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit dauerhaft zu erhöhen.

Vor diesem Hintergrund untersuchte ibi research an der Universität Regensburg zusammen mit der PPI AG in der Studie „Die Zukunft des gewerblichen Kreditprozesses“, wie sich der Status quo im gewerblichen Kreditprozess als Ganzes und auf Ebene der Teilprozesse in den Kreditinstituten darstellt.

Der Fokus lag dabei auf prozessualen Ausgestaltungen, Durchlaufzeiten, dem Grade der IT-Unterstützung und konkreter Handlungsfelder sowie Sourcing-Strukturen. Insgesamt wurden Entscheidungsträger aus 24 Instituten aus den Sektoren der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken befragt.

Verbesserungsbedarf bestätigt

Beide Institutsgruppen sehen Verbesserungsbedarfe in den Bereichen Kosten, Auslastung der Kapazitäten und auch Durchlaufzeiten. Eine hohe Spannbreite ist insbesondere im Vertrieb vorhanden.

Die Dauer für die Zeit zwischen Kundenberatung und Kreditantragstellung ist schwankend zwischen 3 bis über 10 Tagen. Diese Schwankungen sind auch im Abwicklungsprozess, von der Vertragserstellung bis zur Unterlagenarchivierung, vorhanden. Bei einigen „Ausreißern“ kann alleine dieser Prozess schon über 10 Tage in Anspruch nehmen. „Zeitfresser“ sind häufig die Dokumentenprüfung, Vertragserstellung, Unterlagenarchivierung, Kundendatenänderung und das gesamte Sicherheitsmanagement. Einer der Gründe dafür ist sicherlich der zu geringe Automatisierungsgrad.

Zur Steuerung des Kreditgeschäftes werden in erster Linie klassische Kennzahlen wie Durchlaufzeit (71 Prozent), Stückzahl (63 Prozent) und Kreditvolumina (58 Prozent) herangezogen. Mit deutlichem Abstand dahinter folgen die Einhaltung von Service Level Agreements (38 Prozent) und das Kreditausfallrisiko (33 Prozent). Nur eine geringe Rolle spielen dabei die Kapazitätsauslastung, die Kosten des Prozesses und die Anzahl von Reklamationen. Allerdings ist anzumerken, dass kein Kreditinstitut Kennzahlen verwendet.

Auf den ersten Blick ist die Mehrzahl der befragten Institute mit der gegenwärtigen Erfüllung der Kennzahlen zufrieden. Eine detailliertere Betrachtung bestätigt ein abweichendes Bild. Die Ergebnisqualität stimmt in fast allen Fällen, doch die Unzufriedenheit ist bezüglich der Gesamtdurchlaufzeit (über 40 Prozent) sowie der Kosten und der Komplexität (jeweils rund 30 Prozent) des Prozesses zu beanstanden.

Thomas Paulat, der die Studie aufseiten der PPI AG begleitete, fasst zusammen:

„Interessant ist, dass diese Unzufriedenheit von kaum einem Institut gemessen wird. Zur Optimierung wird es unerlässlich sein, die Anforderungen zu definieren und zu operationalisieren.“

Weitere Optimierungsansätze stehen in enger Verbindung mit dem Einsatz der IT. Nach Angaben der befragten Unternehmen sind 63 Prozent von der IT-technischen Einbindung des Kunden mit erweiterten Online-Angeboten und der institutsweiten Datenverknüpfung zwischen den Datensilos betroffen.

92 Prozent sehen in der Erreichung einer erhöhten Durchgängigkeit im gesamten Kreditprozess ein zusätzliches Verbesserungspotenzial. Die Umsetzung dieser Ansätze mit Ausnahme der Einbindung des Kunden und der Datenverknüpfung wird noch nicht sehr oft konkret formuliert.

Stephan Weber, Studienleiter bei ibi research, zieht folgendes Fazit:

„Der Erfolg in dem attraktiven Geschäftsfeld wird noch nicht ausreichend durch zielgerichtete IT-Unterstützung abgesichert.“

Beim Thema Outsourcing werden kaum Ansätze zur Veränderung wahrgenommen. 33 Prozent der Institute haben Teile des Prozesses ausgelagert und planen keine weitere Auslagerung. Von den übrigen Instituten ist eine Teilauslagerung bei 13 Prozent vorgesehen. Primäre Bereiche dafür sind Workout und Risikomanagement. Mit den Services der Dienstleister von bereits ausgelagerten Funktionen sind die Institute überwiegend zufrieden. Eine Reintegration ist nicht geplant.

 

Bilder: (1) © Sergey Nivens / fotolia.com  (2 & 3) © ibi research an der Universität Regensburg