Positive Signale im Map-Report Bilanzanalyse PKV 2007-2016

Der aktuelle Map-Report mit der Bilanzanalyse Private Krankenversicherung 2007 bis 2016 bestätigt eine erneute Beeinflussung der Sparte, auch wenn die Bestände in der Privaten Krankenvollversicherung nicht mehr so rapide schrumpfen, wie noch 2015. Positive Tendenzen sind zudem ein massiver Aufbau der Alterungsrückstellungen und eine Trendwende bei den Bewertungsreserven.

Nicht nur bei den Lebensversicherungsverträgen trifft die Zinsentwicklung der EZB die Kunden immer härter, auch in der Krankenversicherung schlägt die Zinsentwicklung immer mehr auf den Verbraucher durch. Die Herausforderungen, den nötigen Zinssatz zu erwirtschaften, werden zunehmend schwieriger. Die laufende Durchschnittsverzinsung lag im Jahr 2016 bei 3,51 Prozent und im Vorjahr noch bei 3,65 Prozent. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen bewegte sich 2016 mit 3,71 Prozent jedoch auf Vorjahresniveau (3,69 Prozent). Das hohe Ergebnis der Nettorendite wurde, trotz der Belastung durch dauerhaft niedrige Kapitalmarktzinsen, durch eine verstärkte Auflösung von Bewertungsreserven erreicht.

Bestände schrumpfen langsamer

Im Jahr 2016 konnte der Bestandsabrieb in der Vollkostenversicherung deutlich verringert werden. Nachdem die privaten Krankenversicherer im Zeitraum 2012 bis 2016 insgesamt 183.600 Vollversicherte verloren hatten (47.200 alleine in 2015), hielt sich der Verlust von 14.600 Versicherten für das Jahr 2016 in Grenzen und lässt auf einen positiven Trend hoffen.

Zwölf der 33 untersuchten Anbieter mit Vollversicherten gelang es sogar, die Bestände auszubauen. In absoluten Werten dominierte hier die Debeka mit einem Plus von 32.960 Personen, gefolgt von HanseMerkur (7.441) und Huk-Coburg (4.568). Ebenfalls noch beachtlich im vierstelligen Bereich gestaltete sich der Bestandszuwachs bei der Signal (3.660) und Axa (2.904).

Den größten Bestandsabrieb mussten, wie schon in den Jahren davor, die DKV (minus 18.899), Central (minus 11.531) und der Branchenprimus Allianz (minus 9.620) hinnehmen. Zu vermerken ist, dass die Verluste deutlich geringer als im Vorjahr ausfielen.

Seit nunmehr fünf Jahren kann das Neugeschäft im Marktdurchschnitt als schwach bezeichnet werden. Auch die Beitragsentwicklung kann in 2016, wie schon im Vorjahr, mit durchschnittlich 1,3 Prozent als verhalten bezeichnet werden. Die Konsequenz aus schwachem Neugeschäft und nur mäßigen Beitragsanpassungen im Jahr 2016 ist ein geringes Beitragswachstum. Überdurchschnittliche Zuwächse bei den Beitragseinnahmen verbuchten folgende Anbieter: Mecklenburgische (9,15 Prozent), Württembergische (9,11 Prozent), Concordia (8,61 Prozent) und R+V (8,55 Prozent).

Folgenden Gesellschaften mit mehr als einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen wurde ein Wachstumskurs bestätigt: Huk-Coburg (7,24 Prozent), HanseMerkur (5,27 Prozent), Axa (3,18 Prozent) und Barmenia (2,48 Prozent).Die Debeka, Deutschlands größter Anbieter konnte seine Beitragseinnahmen nach zwei Prozent im Vorjahr lediglich um 1,28 Prozent ausbauen.

Abschlüsse immer teurer

Insgesamt gab die PKV 859,8 Millionen Euro für Verwaltungskosten aus. Das ist in Summe 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Da die Verwaltungskostenquote in Relation zu den gestiegenen Beitragseinnahmen berechnet wird, verzeichnet die Quote einen minimalen Rückgang von 2,33 auf 2,31 Prozent. Die niedrigste Verwaltungskostenquote verbuchte erneut die Huk-Coburg mit 0,93 Prozent, gefolgt von der Landeskrankenhilfe (1,49 Prozent) und der Debeka (1,50 Prozent).

Im Gegensatz zu den Verwaltungskosten ist die Abschlusskostenquote durchschnittlich von 6,42 auf 6,52 Prozent leicht angestiegen. Generell müsste jedoch in einer wachstumsschwachen Phase der Abschlusskostensatz sinken. Bei einigen Anbietern, wie zum Beispiel der DEVK, SDK, Landeskrankenhilfe, Central und Universa ist das der Fall. Bei der Mehrzahl der Anbieter verzeichnen die Quoten einen Anstieg, trotz gedeckelter Abschlusskosten und rückläufigem Neugeschäft.

Nachdem die Aufwendungen für Vertragsabschlüsse in den zurückliegenden Jahren kaum gesunken sind, entsteht der Eindruck, dass ein scheinbar schlechter laufendes Neugeschäft mit steigenden Kosten verbunden ist oder auf diese Art und Weise eingekauft wird. Hohes Wachstum steht in Verbindung mit höheren Abschlusskosten. Da die Abschlusskostenquote auch bezogen auf die Beiträge ermittelt wird, weisen Unternehmen mit hohen Beitragseinnahmen tendenziell niedrigere Sätze aus, während kleinere und mittlere Anbieter zu höheren Kennzahlen neigen. Insofern verwundern die hohen Quoten der Württembergischen (10,8 Prozent), Concordia (11,2 Prozent), Mecklenburgischen (11,7 Prozent) und HanseMerkur (11,9 Prozent) weniger.

Anstieg bei den Alterungsrückstellungen

Während Bestände schrumpften und Beitragseinnahmen beinahe stagnierten, stiegen die Kapitalanlagen von 245,6 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres auf 259,9 Milliarden Euro. Auch die Alterungsrückstellungen verbuchen ein Plus. Mit einem Wachstum von 5,7 Prozent hat die PKV inzwischen 232,5 Milliarden Euro in Petto, damit die Beiträge der Kunden im Alter bezahlbar bleiben können.

Die fünf größten Versicherer verzeichnen alleine 127,1 Milliarden Euro mit Jahr für Jahr überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Kein Versicherer verbuchte im Jahr 2016 geringere Beträge als im Vorjahr. Die höchsten Alterungsrückstellungen hatte die DKV mit einer Reserve von 36,3 Milliarden Euro, gefolgt von der Debeka mit 35,5 Milliarden Euro.

Vergleich mit 33 Kennzahlen

Die Solidität eines Anbieters hängt nicht nur von der finanziellen Ausstattung oder dem Zinsniveau ab. Die Größe des Unternehmens sowie die Bestandszusammensetzung tragen ebenfalls zu den Kennzahlen bei. Der Vergleich konzentriert sich deshalb auf Anbieter der Vollkostenversicherung. Anbieter wie zum Beispiel Ergo Direkt oder auch Envivas, die mit dem Schwerpunkt auf Zusatzversicherungen im Markt agieren, werden nur sporadisch bei Beitragseinnahmen und Marktanteilen aufgeführt.

Zur Erhebung

Zu den klassischen Bilanzkennzahlen wie Nettorendite, Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, Beitragseinnahmen, Marktanteilen und vielen weiteren Kennziffern, werden im Vergleich zum Vorjahr jeweils die zehn Auf- und Absteiger grafisch dargestellt. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren werden damit die Trends der jeweiligen Gesellschaft im Vergleich zum Markt veranschaulicht. Nach einem wenig erfreulichen Jahr 2015 mehren sich die positiven Tendenzen in den Bilanzen der privaten Krankenversicherer.

 

Bilder: (1) © SFIO CRACHO / fotolia.com (2-5) © map-report Nr. 894

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