Allianz verklagt! Mitarbeiter um ihre Rente betrogen

Die Allianzvertreterin „Diana Vogler“ verklagt ihren eigenen Konzern. Die Allianz soll viele ihrer mehr als 8000 Vertreter seit Jahren um Teile ihrer Rente betrügen.

Sollte sich die Vorwürfe bewahrheiten, dann droht dem Versicherungskonzern eine Klagewelle durch seine eigenen Leute. Die finanziellen Nachforderungen könnten schnell einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen könnten.

Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und weist darauf hin, dass „Diana Vogler“ unerkannt bleiben möchte und es sich bei diesem Namen lediglich um ein Synonym handelt.

Oliver Bäte ist informiert

Vorstandschef Oliver Bäte kennt die brisanten Vorwürfe seit sieben Monaten. In einer E-Mail schilderte „Vogler“ ihm am 10. Januar 2017 ihren Fall und bat um ein Gespräch. Eine Antwort bekam sie nicht. Auch die Anfrage der SZ lieferte keine Erkenntnisse. Anstatt Bätes Stellungnahme, bekam die SZ unverbindlich Antwort von einer Sprecherin: Man werde die in der Klage

„vorgebrachten Punkte prüfen und über unsere Rechtsanwälte in das Verfahren einbringen. Weiter werden wir uns zu dem laufenden Klageverfahren nicht äußern“.

Erstmal Schweigen ist ein altbekanntes Rezept, um mit solcherart Vorwürfen umzugehen. Nur ob es sich in diesem Fall nicht sogar negativ auf die Reputation der Allianz auswirken könnte, bleibt fraglich. Die SZ schreibt:

„Die Klageschrift und Allianz-interne Unterlagen, die der SZ vorliegen, zeigen Vorgänge, die nicht zum Bild eines Versicherers passen, der bei der Kundschaft mit Seriosität und Korrektheit wirbt.“

Unregelmäßigkeiten bei Berechnung der Rente

„Diana Vogler“ nebst Anwalt möchten bislang nicht Stellung beziehen. Was laut SZ bekannt ist, sind allerdings Details zum Sachverhalt: Die Dame betreibt eine Allianz-Generalvertretung in einer süddeutschen Großstadt. 2008 stellte sie erstmals Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung ihrer Rente fest. Diese ist für die freiberuflichen, jedoch an die Allianz gebundenen Vertreter über ein konzerneigenes Versorgungswerk organisiert.

Ausschlaggebend für die Berechnung der späteren Alters-, bei Bedarf auch einer Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenrente der Allianzvertreter sind die aufgebauten Bestände. Für jeden selbstvermittelten oder von einem anderen Agenten übernommenen und veränderten Vertrag fließt nicht nur eine Provision der Allianz, ein Teil wird auch für die Altersversorgung des Vertreters angerechnet. Und diese aufwändige Berechnung liegt nicht in Händen der Vertreter, sondern ausschließlich bei der Allianz.

Vogler moniert „zahllose Fehler“

„Diana Vogler“ war bei eigenen Nachprüfungen auf „zahllose Fehler“ gestoßen, so heißt es in der beim Landgericht München I eingereichten Klage. Beispielweise seien Verträge nicht erfasst worden oder irgendwann irgendwie aus der Versorgungsberechnung gefallen. Bei Agentenwechsel kam dies etwa vor. Insgesamt sollen bei „Vogler“ mehr als 1000 Verträge, hauptsächlich Lebens- und Sachversicherungen, bei der Altersvorsorge nicht korrekt verbucht worden sein.

„Vogler“ hatte bereits 2012 begonnen, zahllose E-Mails und Briefe zu schreiben, eingereicht bei der zuständigen Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV). Diese gehört zur Allianz Deutschland AG, einer Tochter der Allianz SE. Immer wieder wurden auf „Voglers“ Drängen ihre Bestände überprüft, und tatsächlich fanden sich offenkundig auch immer wieder Fehler. Die Berechnungen wurden daraufhin zwar immer korrigiert, aber die Fehlerkette riss nicht ab. Und dass, obwohl ranghohe Allianz-Manager Besserung gelobt hatten.

„Vogler“ moniert darüber hinaus, häufig vertröstet und hingehalten worden zu sein. Man habe die Fehler in ihrem Fall „jahrelang ignoriert, verleugnet und vertuscht“. Auch Wiederholungen, von einer Stelle zur anderen, waren an der Tagesordnung, da offensichtlich die eine Hand nicht wusste, was die andere tat.

„Es handelt sich nicht um Einzelfälle“

Allmählich keimte in „Vogler“ der Verdacht heran, dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handeln konnte. Dafür klangen die Antworten zu wenig vertrauenerweckend und die Hinhaltetaktik schien zu offensichtlich. Ihr Anwalt schreibt in der Klageschrift:

„Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um systembedingte Fehler.“

Recherchen hätten ergeben, dass seine Mandantin kein Einzelfall sei; auch andere Vertreter seien betroffen.

Die Allianz erwidert hierauf, es handele sich nicht um einen Systemfehler, sondern eventuell um „manuelle Eingabefehler“. Ein hübsches Argument – das muss man dem deutschen Marktführer lassen. 2013 versicherte die Allianz „Diana Vogler“, ihre Bestände seien nun korrigiert und sämtliche Fehler ausgemerzt, schreibt die SZ. Wenige Monate später gab es schon 400 neue…

Vogler verlangt lückenlose Überprüfung

Nun will „Diana Vogler“ mit einer Feststellungsklage vor dem Münchner Landgericht unter anderem korrekte Auskünfte über ihr zustehende Versorgungsleistungen und einhergehend damit eine lückenlose Überprüfung ihres kompletten Bestandes durchsetzen.

Die Allianz hatte dies im Januar noch aufgrund mangelnder Kapazitäten zurückgewiesen.

Der zuständige Fachbereichsleiter schrieb:

„Wir können eine Prüfung aller Verträge ihres Gesamtbestandes nicht leisten.“

Sollte „Voglers“ Fall zu einem Präzedenzfall werden, wird dieses Argument wohl nicht mehr ziehen.

 

Bild: © Brian Jackson / fotolia.com

2 Comments

  1. F. Peters sagt:

    Irgendwas hat sich im Gesamtgefüge der Menschheit verändert! Die eine Seite will einfach nicht kapieren, dass dubiose Machenschaften irgendwann immer raus kommen (siehe aktuelle Presse: Diesel, Eier, etc.). Und die andere Seite lässt nicht mehr alles gefallen und deckt gnadenlos Skandale auf. Ich hoffe nur, dass insgesamt immer mehr Menschen aufwachen!

    Zur Allianz: ich bin fest davon überzeugt, auch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Jetzt werden sicherlich und hoffentlich auch andere AO Vertreter mal bei ihren Gesellschaften genauer schauen … wer ist wohl die nächste Gesellschaft, wo es auch derartige Ungereimtheiten gibt? AXA, Württembergische, Generali? … wir werden sehen ..

  2. Rolf Nordhausen sagt:

    … hoffentlich “nicht” ……..

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