Hochwasser und seine Gefahren

Seit 2013 hat PERC (Post Event Review Capability) rund ein Dutzend Hochwasserereignisse analysiert. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht das Erkennen und Sammeln bewährter Vorgehensweisen für die Verbesserung der Hochwasserwiderstandsfähigkeit, des Hochwasser-Risikomanagements und der Katastrophenintervention.

Die Zurich Experten analysierten die Sturzfluten, die das Tief „Mitteleuropa“ im Juni 2016 mit sich brachte und in weiten Teilen Deutschlands wütete. Die Schäden dadurch lagen bei rund 1,2 Milliarden Euro, alleine im oberbayerischen Simbach wurde jeder zehnte Einwohner obdachlos.

Kleine Gewässer nicht unterschätzen

Die große Zerstörung durch die Wassermassen hat auch im fehlenden Verständnis der Prozesse, die während einer Sturzflut ablaufen, ihre Ursache. Trotz der 3000 Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes, müssen „Hot Spot“-Bereiche mit extremer Gefährdungslage noch exakter identifiziert werden. Oberflächenwasser- und Sturzflut-Kartenmaterial ist nötig, um künftig den Einsatz von Hilfsorganisationen effizienter zu planen.

Michael Szönyi, Leiter des Flood Resilience Program der Zurich, erklärt:

„Zusätzlich wurde Infrastruktur zu nahe an kleinen Gewässern gebaut, die sich bei Sturzfluten zu reißenden Strömen entwickeln können. Anstatt sich hauptsächlich auf große Flusssysteme zu konzentrieren, muss das Wissen um kleinräumige Prozesse wie Engstellen und mögliche Verstopfungen durch Äste oder Geröll beim Risikomanagement berücksichtigt werden.“

Risikobewusstsein fördern

Die Durchdringung von Elementarschadenversicherungen ist in Deutschland nicht ausreichend, das Risikobewusstsein nicht ausgeprägt.

Horst Nussbaumer, Chief Claims Officer der Zurich Gruppe Deutschland, nimmt Stellung dazu:

„Die Versicherungswirtschaft kann dieses Problem nicht alleine lösen. Hier muss die Zusammenarbeit mit Staat und Kommunen, beispielsweise beim Ausweisen von Bauland, intensiver werden. Eine Pflichtversicherung würde jedoch falsche Anreize setzen. Denn Gefährdete und Betroffene hätten dadurch sehr viel weniger Anregungen, sich mit Schutzmaßnahmen zu beschäftigen.“

Folgeschäden einkalkulieren

Das Ausmaß der Sturzflut war deshalb so hoch, weil das Risikobewusstsein für derartige Ereignisse fehlt. Die Wahrscheinlichkeit und die Wiederkehrperioden werden noch immer unterschätzt. Ungenauigkeiten bei den Vorhersagen machen es nach wie vor schwierig machen, Frühwarnsysteme zu implementieren. Die Vorwarnzeiten waren ungenügend und kaum flächendeckend. Hinzu kommt das Fehlverhalten in Stressmomenten wie diesen. Ein Folgeschaden, wie zum Beispiel Ölkontamination, hätte in einigen Fällen vermieden werden können.

Die Notfallintervention hat gut funktioniert, eine Vorbereitung auf mögliche Folgeereignisse war allerdings nicht gegeben. In der Planung und im Training der Hilfsorganisationen sollte exakter zwischen Hochwasser- und Sturzflut-Einsätzen unterschieden werden. Hier kommt es darauf an, dass das lokale und traditionelle Wissen über Überschwemmungsgebiete und auch die Ortskenntnis der Helfer vor Ort stärker in die Entscheidungen miteinbezogen werden kann.

Hochwasserschutz multifunktional anlegen

Auch wurden die Grenzen des technischen Hochwasserschutzes nicht verstanden, denn nach wie vor verlässt man sich zu sehr auf Schutzbauten. Deshalb wären Informationskampagnen ein geeignetes Instrument für eine tiefergehende Sensibilisierung. Zunehmende Bodenversiegelung im Rahmen neuer Überbauungen und intensiver Landwirtschaft verschlimmern die Folgen von Starkregen, weil sich das Wasser nicht kontrolliert ausbreiten kann. Diese Tatsache ist kein Geheimnis, wird aber dennoch praktiziert. Vielmehr sollten die Städtebauer an multifunktionale Lösungen arbeiten, wie beispielsweise Grünflächen und mögliche Rückhalteflächen.

Gemeinsam gegen die Unkontrollierbarkeit

Als wichtigstes Fazit nennt der PERC-Bericht insgesamt die mangelnde Prävention und schwache Förderung der Resilienz.

Michael Szönyi setzt dazu ein deutliches Statement:

„Gegen Sturzfluten und Hochwasser kann man sich erfolgreich schützen. Analysen haben ergeben, dass jeder in Prävention investierte Euro Schäden in der Höhe von ca. 5 Euro verhindert. Dennoch werden weltweit nur rund 13 Prozent des Geldes in Prävention, etwa 87 Prozent aber in Wiederaufbau investiert. Es muss durch ausreichende Prävention unbedingt verhindert werden, dass die Zunahme an Schäden – auch im Rahmen des Klimawandels – unkontrolliert und somit unbezahlbar wird.“

Schätzungen des Klimarats zufolge werden Extremereignissen sehr wahrscheinlich zunehmen. Der jährliche Schaden könnte bis zum Jahr 2050 um mehr als das Fünffache auf rund 23,5 Milliarden Euro steigen. Alle davon betroffenen Personenkreise, wie Eigenheimbesitzer, Unternehmer, Architekten und auch Verantwortliche in Gesellschaft und Politik sollten in Eigenverantwortung gemeinsam handeln.

 

Bild: © Jürgen Fälchle / fotolia.com

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