Iff übt Kritik an Finanzvergleichsportalen

Vergleichsportale sind für viele Verbraucher/innen mitunter die ersten Informationsquellen, um sich einen Überblick zu den Angeboten und Konditionen der Finanzdienstleistungsbranche zu verschaffen. Auch Rankings spielen hier eine maßgebliche Rolle, sollen sie doch das Vertrauen auf Verbraucherseite stärken. Jetzt sagt eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), dass ein umfassender und objektiver Vergleich oft nicht möglich ist. Politischer Handlungsbedarf sei nötig.

Der vzbv fordert klare Kriterien zur Sicherung der Objektivität von Online-Produktvergleichen bei Finanzdienstleistungen. Die „Studie zur Bewertung des Rankings von Vergleichsportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte“ untersuchte von November bis Dezember 2016 die fünf am häufigsten genutzten Vergleichsportale für die Finanzdienstleistungen Girokonto, Ratenkredit und Kfz-Versicherung.

Alle untersuchten Portale vermitteln den Eindruck, explizit Verbraucherinteressen zu bedienen. Bei drei von fünf untersuchten Portalen wurden jedoch Produkte, deren Abschluss nicht über das jeweilige Portal erfolgen kann, in der Voreinstellung herausgefiltert. Somit kann ein für den Verbraucher relevantes und eventuell auch bestes Produkt ganz aus dem Vergleich herausfallen..

Laut einer forsa-Umfrage zur Nutzung von Online-Vergleichsportalen, beauftragt durch den vzbv, glauben 48 Prozent aller Nutzer, dass Angebote nach aufsteigendem Preis angezeigt werden – also das günstigste zuerst.

Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim vzbv, erläutert:

„Wenn Vergleichsportale Angebote von solchen Unternehmen herausfiltern, die keine Vertragspartner der Plattform sind, sollten sie sich nicht länger als objektiv präsentieren dürfen. Sie sollten deutlich als das erkennbar sein, was sie tatsächlich sind: Finanzproduktvermittler. Andernfalls täuschen sie Verbraucher, die aufgrund der Aufmachung des Portals davon ausgehen, das günstigste Produkt angezeigt zu bekommen.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass bei keinem der untersuchten Produkte auf den Vergleichsportalen nachvollzogen werden konnte, ob der Marktvergleich vollständig ist. Auch die Finanzierung der untersuchten Portale, das Zustandekommen der Rankings und die Aktualität der Daten waren laut der Studie nicht transparent dargelegt.

Finanzdienstleistungen sind Vertrauensgüter

Finanzdienstleistungen basieren auf Vertrauen, deren Qualität Verbraucher nach dem Kauf meist selbst nicht sicher feststellen können. Sie sind häufig komplex und ihre Auswahl hat durchwegs weitreichende oder sogar existenzielle Folgen. Objektivität hat für Verbraucher oberstes Gebot, interessengeleitete Informationen oder Empfehlungen sind viel mehr fehl am Platz.

Der vzbv fordert daher gesetzlich definierte Kriterien. Vergleichsportalbetreiber müssten die darin beschriebenen Anforderungen erfüllen, um ihre Dienstleistungen als objektiv und unabhängig darstellen zu dürfen. Diese Kriterien umfassen ein Verbot der Finanzierung durch Provisionen oder Affiliate Marketing. Könnten sie dies nicht, müssten sie sich deutlich und an prominenter Stelle als Finanzproduktvermittler zu erkennen geben.

 

Bild: © alphaspirit / fotolia.com