55plus und aktives Altern

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) schlussfolgert, dass sich der Trend zum aktiven Altern verstärken wird und dadurch ein Bedarf für andere Produkte und Dienstleistungen entstehen wird. Dabei wird es wenig Veränderung beim Grundbedarf, wie zum Beispiel wohnungsnahe Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken in erreichbarer Nähe und ein ruhiges Wohnumfeld mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr geben.

Nach Auffassung einer aktuellen Studie wird die Nachfrage nach Fort- und Weiterbildung, nach Möglichkeiten auch außerhalb von Vereinen und ohne Leistungsdruck sportlicher Betätigung nachzugehen, zunehmen. Auch kulturelle Veranstaltungen gehören dazu.  So lauten die Ergebnisse der Studie „Generation 55plus: Lebensqualität und Zukunftsplanung“, die im Auftrag des DIA von der AGP Sozialforschung und dem Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaft erstellt wurde.

Blickpunkt Pflege

Davon wird auch die Versorgung im Pflegefall betroffen sein. Hier werden künftig andere Erwartungen gestellt werden. Die deutlichste Veränderung betrifft die Präferenz für eine Betreuung in kleinen wohngruppenähnlichen Einrichtungen als Alternative zur Versorgung im Pflegeheim oder durch Familienangehörige. Dieses Versorgungsarrangement gewinnt besonders in der Gruppe der aktiven Alten laut Studie an Akzeptanz.

Abnehmen wird die Bedeutung der Versorgung durch Familienangehörige. Demzufolge sollte über neue Dienstleistungen und Vorsorgeprodukte nachgedacht und auch die Form der Absicherung des Pflegebedarfs diskutiert werden. Die zunehmende Zahl älterer Menschen wird im höheren Alter nach einem aktiven Leben streben und häufig auf eine Unterstützung durch den Kreis der Angehörigen verzichten müssen.

Das eigene Umfeld

Die Auswertungen verdeutlichen, dass aktives Altern weniger von der Region abhängt, dafür umso mehr von den persönlichen Voraussetzungen abhängig ist. Gemeint sind damit auch strukturelle Ressourcen für ältere Menschen, wie u.a. das persönliche Netzwerk in der Familie und darüber hinaus auch die finanziellen Verhältnisse. Aktives Altern und finanzielle Ausstattung stehen in engem Zusammenhang.

Das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen lag mit 2.923 Euro in der Gruppe der aktiven Älteren fast doppelt so hoch (Faktor 1,74) wie in der Gruppe der wenig Aktiven. Sie kommen auf einen Durchschnittswert von 1.677 Euro. Ein Aspekt der nachdenklich stimmt, berücksichtigt man, dass nach 45 Jahren Arbeitszeit mit einem Durchschnittslohn eine Rente von ca. 1300 Euro möglich ist.

Das Konzept des aktiven Alterns ist ein international anerkanntes Leitbild, das auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertreten wird. Bei der Abgrenzung dieses Altersbildes fließen unter anderem die folgenden Faktoren ein:

  • Erwerbsbeteiligung und gewünschtes Rentenalter
  • Teilnahme an Fort- und Weiterbildung
  • Internetnutzung
  • körperliche Aktivität
  • ehrenamtliches Engagement
  • Übernahme von Pflege- und Versorgungsverpflichtungen
  • persönliche Einstellungen als Neugier, Risikobereitschaft oder als Vorsicht und Sicherheitsstreben
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Für ihre Untersuchungen werteten die Studienautoren die Datensätze von drei größeren Projekten aus: das KOSIS-Projekt „Lebensqualität und Zukunftsplanung der Generation 55plus“, den Deutschen Alterssurvey (DEAS) und die Einkommen- und Verbrauchsstudie (EVS).

 

Bilder: (1) © YakobchukOlena / fotolia.com (2) © Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH

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