Der Pfälzer: Ein Faultier vor Gericht

Ein Fremder in der Fremde. So müssen sich nicht gebürtige Pfälzer gefühlt haben, die es in die Vorderpfalz verschlug, denn die Mentalität und die kleinen Eigenheiten dieses besonderen Völkchens waren dem Rest Deutschlands 1997 noch nicht allzu vertraut. Bis ER kam: Dieser eine Mann, der die Vorderpfälzer Art und den Pfälzer als Zeugen salonfähig machte – und damit unser gesamtes Weltbild ins Wanken brachte.

Zum Sachverhalt

Im vorliegenden Fall geht es um genehmigten – oder nicht genehmigten, das sehen die Parteien unterschiedlich – Urlaub. Letztendlich spielt hier jedoch der Sachverhalt nur eine marginale Rolle, denn präsentieren möchte der experten Report nur die Vorderpfälzer, wie sie laut einem Gerichtsurteil aus dem Jahre 1997 (Az.: (12) 4 Ns 48/96) leiben und leben: Ihnen wird nachgesagt, sie seien fröhliche und leutselige Menschen, die es sich gern auch mal gutgehen lassen – ähnlich den tolkienschen Hobbits. Sie essen und trinken gern, kümmern sich um die schönen Dinge im Leben, sind dabei aber auch unglaublich faul und können so richtig gemein werden… Lesen Sie selbst:

Der Richter und sein Zeuge aus der Pfalz

Das Gericht hat in der Entscheidung ausführlich zu der Glaubwürdigkeit der Zeugen Stellung genommen: Zuerst führte es hierzu aus, dieser habe „ein erhebliches materielles Interesse“ an einer bestimmten Sachverhaltsdarstellung geäußert. Das sind „jedoch nicht die einzigen Bedenken, die man gegen den Zeugen V haben muss“.

„Er gab sich zwar betont zurückhaltend, schien bei jeder Frage sorgfältig seine Antwort zu überlegen und vermied es geradezu betont, Belastungstendenzen gegen den Angeklagten hervortreten zu lassen, indem er in nebensächlichen Einzelheiten Konzilianz ja geradezu Elastizität demonstrierte, im entscheidenden Punkt, der – für ihn vorteilhaften – angeblichen mündlichen Genehmigung des beantragten Urlaubs aber stur blieb wie ein Panzer.

Man darf sich hier aber nicht täuschen lassen. Es handelt sich hier um eine Erscheinung, die speziell für den vorderpfälzischen Raum typisch und häufig ist, allerdings bedarf es spezieller landes– und volkskundlicher Erfahrung, um das zu erkennen – Stammesfremde vermögen das zumeist nur, wenn sie seit längerem in unserer Region heimisch sind. Es sind Menschen von, wie man meinen könnte, heiterer Gemütsart und jovialen Umgangsformen, dabei jedoch mit einer geradezu extremen Antriebsarmut, deren chronischer Unfleiß sich naturgemäß erschwerend auf ihr berufliches Fortkommen auswirkt. Da sie jedoch auf ein gewisses träges Wohlleben nicht verzichten können – sie müssten ja dann hart arbeiten –, versuchen sie sich “durchzuwursteln” und bei jeder Gelegenheit durch irgendwelche Tricks Pekuniäres für sich herauszuschlagen.

Wehe jedoch, wenn man ihnen dann etwas streitig machen will! Dann tun sie alles, um das einmal Erlangte nicht wieder herausgeben zu müssen, und scheuen auch nicht davor zurück, notfalls jemanden “in die Pfanne zu hauen”, und dies mit dem freundlichsten Gesicht. Es spricht einiges dafür, dass auch der Zeuge V mit dieser Lebenseinstellung bisher “über die Runden gekommen ist“ […].

Und wenn man sieht, dass der Zeuge schon jetzt im Alter von noch nicht einmal 50 Jahren ernsthaft seine Frühberentung ansteuert, dann bestätigt dies nur den gehabten Eindruck.“

 

Bild: © olly / fotolia.com

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