BU – alles nur ein Würfelspiel?

Extreme Leistungsunterschiede bei BU-Versicherern hat aktuell die Qualitäts- und Transparenzinitiative der PremiumCircle Deutschland GmbH aufgedeckt: Aufgrund der Fülle an unbestimmten Begrifflichkeiten und unverbindlichen Formulierungen in den Vertragswerken haben „schutzbedürftige Verbraucher und Vermittler […] derzeit kaum die Möglichkeit, gute von schlechten Leistungen zu unterscheiden“, sagt der Geschäftsführer Claus-Dieter Gorr. Es brauche politische Leitplanken, um die europaweit unterdurchschnittliche Absicherungsquote von 25 Prozent zu steigern.

Im Ernstfall soll der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung den Lebensunterhalt sichern – so zumindest die Erwartungshaltung des Verbrauchers. Die Umfrageergebnisse von PremiumCircle erinnern allerdings eher an ein Würfelspiel: Wie lange sich die Bearbeitung im Leistungsfall hinzieht, ob gezahlt wird und wie lange, das scheint mehr willkürlich als tatsächlich vorhersagbar zu sein.

Nur 15 Unternehmen zeigen sich transparent

Im Rahmen der im Herbst 2016 initiierten Qualitäts- und Transparenzinitiative (QTI) hat PremiumCircle 62 BU-Versicherer zum tatsächlichen, unternehmensindividuellen Leistungsverhalten befragt. Nur 15 Versicherer beantworteten den 75 Fragen-Katalog (Marktanteil: 23,2 Prozent). Für Gorr sei dies „beschämend“.

Transparenz zum tatsächlichen Leistungsverhalten haben folgende Versicherer geleistet:

Alte Leipziger, AXA, Barmenia, Debeka, die Bayerische, HDI, LV 1871, Neue Leben, PB Versicherung, Signal Iduna, Swiss Life, Targo, Volkswohl Bund, Württembergische und Zurich.

Über ein Viertel der Anträge wird abgelehnt

Von 16.150 abschließend bearbeiteten Leistungsfällen wurden insgesamt 72,2 Prozent (11.656 Fälle) anerkannt. 27,8 Prozent (4.494 Fälle) wurden abgelehnt. Die unternehmensindividuelle Quote variiert zwischen 55,8 Prozent und 13,9 Prozent der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle.

Von insgesamt 4.494 abgelehnten Leistungsfällen wurde in 8,7 Prozent der Fälle im Jahr 2014 Klage durch den Versicherungsnehmer/Versicherte Person erhoben.

Erfolgsquote der Klagen liegt zwischen null und 83 Prozent

Von insgesamt 169 in 2014 getroffenen erstinstanzlichen Urteilen (LG) gingen 31,4 Prozent zugunsten des klagenden Versicherungsnehmers, respektive der versicherten Person, 68,6 Prozent zugunsten des Versicherers aus. Die unternehmensindividuelle Quote der durch Versicherer verlorenen Prozesse variiert zwischen 0 und 83,3 Prozent.

Durchschnittliche BU-Rente liegt bei 795 Euro

63,4 Prozent aller abschließend bearbeiteten Leistungsfälle wurden unbefristet anerkannt. Die unternehmensindividuellen Anerkennungsquoten variieren dabei zwischen 36,2 und 83,3 Prozent. Die mit der Anzahl der unbefristeten Leistungsanerkenntnisse gewichtete durchschnittliche monatliche BU-Rente beträgt dabei 795 Euro. Die unternehmensindividuellen durchschnittlichen BU-Renten variieren zwischen 590 und 1.195 Euro.

Varianz bei Bearbeitungsdauer liegt zwischen 30 und 219 Tagen

Die mit der Anzahl der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle gewichtete durchschnittliche Bearbeitungsdauer bis zum Abschluss eines Leistungsfalls beträgt 95 Tage. Die unternehmensindividuelle durchschnittliche Varianz liegt dabei zwischen 30 und 219 Tagen.

Durchschnittliches Alter liegt bei 45,7 Jahren

Das mit der Anzahl der abschließend bearbeiteten Leistungsfälle gewichtete durchschnittliche Alter bei Meldung eines Leistungsfalles beträgt 45,7 Jahre. Die unternehmensindividuelle Varianz liegt dabei zwischen durchschnittlich 40,4 und 48,1 Jahren. 2014 wurde von den teilnehmenden Versicherern in 6.060 Fällen die BU-Rentenzahlung ehemals unbefristeter Leistungsanerkenntnisse eingestellt.

Davon wurden 18,9 Prozent aufgrund einer Nachprüfung eingestellt. Die unternehmensindividuelle Varianz liegt zwischen 39,9 und 4,3 Prozent.

Schlussfolgerungen der Transparenzinitiative

Premium Circle weist darauf hin, dass kein Versicherer im Unternehmensvergleich in allen Teilbereichen überdurchschnittlich abschnitt. Jedoch seien Unternehmen dabei gewesen, die in relevanten Teilbereichen konsistent überdurchschnittliche Ergebnisse erzielten.

Das Alter bei Inanspruchnahme des Leistungsfalls von 45,7 Jahren zeige deutlich die Notwendigkeit der Existenzabsicherung. Allerdings ermöglichen die Fülle unbestimmter Begriffe und unverbindlicher Formulierungen im VVG, den GDV-Musterbedingungen und den unternehmensindividuellen Vertragsbedingungen die vorliegenden eklatanten Unterschiede im Leistungsverhalten. Und die zum Leben nicht ausreichende BU-Rente weise zudem auf die drastische Unterversorgung hin.

Eine Querprüfung der Transparenzinitiative führte zu Tage, dass 12 der befragten 15 Teilnehmer bei vergangenen Produktratings führender Agenturen dennoch deren jeweilige Höchstbewertung erhalten haben. Deshalb bestehe für schutzbedürftige Verbraucher und Versicherungsvermittler bei der Identifikation leistungsstarker Berufsunfähigkeitsversicherungen sowohl bei Anbieter- und Tarifauswahl, als auch verbindlicher Leistungsprozesse eine faktische Orientierungslosigkeit.

 

Bild: © Brian Jackson / fotolia.com

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